Stadtrallye Die Jagd auf die letzten Geschenke

Nur noch wenige Stunden bis Weihnachten, wer jetzt noch keine Geschenke hat, muss sich sputen. Unsere Reporterin Sandra Voglreiter war in der Hamburger City unterwegs: Sie hatte exakt zwei Stunden Zeit, drei ganz bestimmte Präsente zu finden. Ob sie es geschafft hat?


Sie suchen noch verzweifelt nach einem Weihnachtsgeschenk, haben aber keine zündende Idee? Oder haben Sie schon alle Gaben beisammen und amüsieren sich jetzt über den Konsumrausch da draußen? Beides gute Gründe, die SPIEGEL-ONLINE-Geschenkerallye zu verfolgen: Unsere Reporterin war heute ab 14 Uhr in der Hamburger Innenstadt unterwegs und hatte die Aufgabe, bis maximal 16 Uhr drei ganz spezielle Präsente aufzutreiben:

- Einen Plätzchen-Ausstecher in der Form des Brandenburger Tors
- Einen Nachdruck des ersten Micky-Maus-Heftes von 1951
- Ein Fußball-Trikot von Zinedine "Kopfstoß" Zidane

Im Getümmel unterwegs: Hamburg ist in Vorweihnachtsstimmung
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Im Getümmel unterwegs: Hamburg ist in Vorweihnachtsstimmung

Während ihrer Suche war Sandra Voglreiter ständig per Telefon mit der Redaktion verbunden und berichtete, was ihr im Getümmel widerfuhr:

+++ 16:05 Uhr +++

Sandra Voglreiters Fazit nach zwei Stunden Geschenke-Jagd: "Das war Stress. Es war zwar nicht ganz so schlimm wie erwartet. Aber wenn man sich so genaue Vorstellungen macht, was man haben will, ist die Suche der reine Stress. Deshalb mein Tipp an alle Weihnachtseinkäufer: Wenn man das, was man sucht, nicht schnell findet, sollte man links und rechts nach anderen Geschenken gucken. Dann stößt man auf sehr originelle Dinge - wie zum Beispiel den Neuschwanstein-Ausstecher" (siehe unten).

+++ 16 Uhr +++

Die zwei Stunden sind rum. Die Bilanz: gemischt. Unsere Reporterin hat eines der drei Geschenke tatsächlich gefunden: den Nachdruck des ersten Micky-Maus-Heftes. Den Plätzchen-Ausstecher in der Form des Brandenburger Tors hat sie nicht ausfindig gemacht, wohl aber Ausstecher in diversen anderen Formen. Das ist immerhin ein Trostpflaster. Das Zidane-Trikot war dagegen nirgendwo zu bekommen. Vor allem aber hat sie 120 Minuten lang Vorweihnachtsstimmung in reinster Form erlebt. Oder war es eher Vorweihnachtsstress?

+++ 15:57 Uhr +++

Es sieht schlecht aus: Auch im Second-Hand-Laden gibt es keine Zidane-Trikots mehr. Unsere Reporterin geht aus dem Geschäft. Die Einkaufsstraßen sind jetzt gerappelt voll. Vor den Geldautomaten stehen die Menschen Schlange. Offensichtlich sind viele Menschen unterwegs, die noch dringend Geschenke suchen.

+++ 15:55 Uhr +++

Noch fünf Minuten Zeit. Es wird eng.

+++ 15:52 Uhr +++

Auf dem Weg zum Ausgang bleibt unsere Reporterin einige Sekunden vor einem Regal stehen, in dem sich Fanartikel von Borussia Dortmund stapeln: Trikots, Schals - und sogar Schokoladennikoläuse in schwarz-gelb. Prompt wird sie von einem HSV-Fan angepöbelt: "Was willst Du denn mit denen?"

+++ 15:50 Uhr +++

Unsere Reporterin ist im größten Sportkaufhaus Hamburgs und fragt nach einem Trikot von Zinedine Zidane. Die Antwort des Verkäufers: "Frankreich führen wir nicht mehr. Weil nicht mehr WM ist." Ein paar Meter weiter steht ein kleiner Junge, der "das enge T-Shirt, das Mirsoslav Klose immer trägt", haben will. Sandra Voglreiters letzte Chance: ein Second-Hand-Laden.

+++ 15:45 Uhr +++

Noch 15 Minuten Zeit.

+++ 15:41 Uhr +++

Langsam wird es auf den Einkaufsstraßen stressiger. Unsere Reporterin sagt: "Die Leute werden jetzt ungehaltener, drängeln sich vor und meckern, wenn man ihnen scheinbar im Weg steht. Auch ich werde langsam gestresst." Also schnell auf zum letzten Geschenk: dem Trikot von Zinedine Zidane!

+++ 15:34 Uhr +++

Ein Glück: Die Verbindung steht wieder! Grund für die Unterbrechung war tatsächlich das gestörte Handynetz im Kaufhaus. Sandra Voglreiters Bericht über die letzten 20 Minuten: "Ich war in zwei Kaufhäusern. Das erste baut gerade um und hat deshalb zur Zeit keine Comics. Im zweiten schaute mich die Verkäuferin verständnislos an, als ich nach dem ersten Micky-Maus-Heft fragte. Aber dann schickte sie mich in einen großen Zeitschriftenladen am Hauptbahnhof. Und dort habe ich tatsächlich ein Buch gefunden, in dem die ersten sechs Hefte zusammengefasst sind - für nur 15 Euro! Als ich allerdings das Cover sah, fiel mir auf: Ich habe einen Nachdruck des ersten Micky-Maus-Heftes zu Hause irgendwo im Schrank stehen..."

+++ 15:26 Uhr +++

Immer noch keine Verbindung.

+++ 15:18 Uhr +++

Die Verbindung ist unterbrochen! Offenbar hält sich unsere Reporterin an einem Ort auf, an dem es kein Handynetz gibt. Wo könnte das sein? Wir wissen es nicht.

+++ 15:10 Uhr +++

Schock! Unsere Reporterin hat in der größten Hamburger Buchhandlung die Auskunft bekommen: Es gibt die alten Micky-Maus-Hefte nicht einzeln im Nachdruck. Nur ganze Jahrgänge. Aber jeder kostet 200 Euro. Das ist Sandra Voglreiter zu teuer. Sie beschließt, der Auskunft nicht zu glauben und weiter zu suchen. Denn sie meint sich zu erinnern: Irgendwo hat sie das erste Micky-Maus-Heft schon mal gesehen...

+++ 15:05 Uhr +++

Unsere Reporterin hat entdeckt, was Eltern mit ihren Kindern machen, wenn sie sich in den Einkaufsrummel stürzen: Sie geben sie bei einer netten Dame ab, die mit den Kindern Plätzchen backt. Wenn die Plätzchen im Ofen sind, schauen die kleinen einem Clown zu. "Den Fünfjährigen in die Gesichter zu schauen, während sie sich amüsieren, ist herzallerliebst!" sagt Sandra Voglreiter.

+++ 15:00 Uhr +++

Unsere Reporterin hat nur noch eine Stunde Zeit - und hat noch keines der drei Geschenke aufgetrieben.

+++ 14:53 Uhr +++

Auch hier gibt es ihn nicht! Dafür aber einen kräftigen Schluck Gratis-Glühwein für die Einkäufer. Sandra Voglreiter entscheidet sich, die Suche nach dem Plätzchen-Ausstecher in Form des Brandenburger Tors abzubrechen. Schließlich hat sie nur noch 67 Minuten Zeit, um noch zwei andere Geschenke zu finden: einen Nachdruck des ersten Micky-Maus-Heftes von 1951 und ein Trikot von Zinedine Zidane. Sie beginnt mit der Jagd nach dem Comic.

+++ 14:51 +++

Unsere Reporterin hat ein Küchenfachgeschäft betreten. Hier hofft sie, endlich den Plätzchen-Ausstecher in Form des Brandenburger Tors zu finden.

+++ 14:45 Uhr +++

Eine Frau, die an einem Weihnachtsmarkt-Stand Lebkuchenherzen verkauft, bietet unserer Reporterin an, das Brandenburger Tor auf einen Lebkuchen zu malen. Aber das ist ja nicht Sinn der Sache. Sandra Voglreiter lehnt dankend ab und verlässt den Weihnachtsmarkt.

+++ 14:39 Uhr +++

Unsere Reporterin ist mitten drin im Gedränge. Aus jeder Bude dudelt eine andere Weihnachtsschnulze.

+++ 14:35 Uhr +++

Die Innenstadt ist deutlich voller geworden. Vor allem viele junge Leute sind unterwegs. Sie wirken entspannt, nur wenige machen einen gestressten Eindruck. Die Blechbläser vor dem ersten Kaufhaus haben aufgegeben. Dafür stehen 50 Meter weiter vier junge Männer und singen bezaubernd á capella. Leider hört sie fast niemand, weil es in dem Getümmel so laut ist. Unsere Reporterin steuert jetzt den Weihnachtsmarkt an, um dort weiter nach dem verflixten Plätzchen-Ausstecher zu suchen.

+++ 14:25 Uhr +++

Unsere Reporterin hat einen Laden gefunden, der vom Boden bis zur Decke nur mit Plätzchen-Ausstechern gefüllt ist. Dort gibt es fast alles: den Eiffelturm, Schloss Neuschwanstein, den schiefen Turm von Pisa ("der sieht aber ein bisschen krüppelig aus"), auch Tiere ("sogar Spinnen!") und diverse andere Formen. Nur ein Motiv gibt es nicht: das Brandenburger Tor. Sandra Voglreiter will dennoch weitersuchen: "Jetzt bin ich erst recht motiviert. Wenn es so viele unterschiedliche Ausstecher-Formen gibt, dann muss ich doch irgendwo auch das Brandenburger Tor finden!"

+++ 14:17 +++

Als sie Richtung Ausgang geht, hört unsere Reporterin eine andere Verkäuferin laut sagen, sie habe "die Feuerzangenbowle aufgefüllt". Sandra Voglreiter freut sich auf einen kräftigenden Schluck zwischendurch. Leider meint die Dame aber nur das Regal mit dem entsprechenden Zubehör.

+++ 14:15 +++

Unsere Reporterin hat ihn nach gerade einmal 15 Minuten getroffen: den Weihnachtsmann! Sie beschreibt ihn so: "Ein großer, charmanter und erstaunlicherweise junger Mann. Leider hat er mich ignoriert, weil er gerade mit einem Engel flirtete." Einen Plätzchen-Ausstecher in der Form des Brandenburger Tors gibt es in diesem Kaufhaus nicht, nur einen in Hexenhaus-Form. Die Verkäuferin schickt unsere Reporterin deshalb ins nächste Geschäft.

+++ 14:05 Uhr +++

Unsere Reporterin will zuerst ihr Glück mit dem Plätzchen-Ausstecher versuchen und geht dazu in eines der größten Hamburger Kaufhäuser. Davor stehen fünf Blechbläser und intonieren Melodien, die dunkel an Weihnachtslieder erinnern. Zwei ältere Damen diskutieren darüber, was genau da zu hören ist - können sich aber nicht einigen. Und noch etwas fällt Sandra Voglreiter auf: "Viele Passanten tragen rot-weiße Weihnachtsmützen. Wenn sie sich begegen, grüßen sie sich - sogar Wildfremde."

+++ 14:00 Uhr +++

Unsere Reporterin verlässt das Redaktionsgebäude. Bis zur Hamburger Einkaufsmeile Mönckebergstraße sind es zirka fünf Minuten Fußweg.

har



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