Touristenorte und der teure Franken Schweizer Winterschlussverkauf

Schweizer Ferienorte reagieren auf den starken Franken: Manche Alpengemeinde buhlt mit kräftigen Rabatten um Urlauber, andere haben einen eigenen Euro-Wechselkurs festgelegt. Die Tourismusbranche der Eidgenossen steht vor einem harten Preiskampf.

Andrea Badrutt / Engadin Samnaun

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Für die Schweizer Tourismusindustrie kommt es jetzt auch auf die kleinen Gesten an, und das kann in diesen Tagen schon einmal ein Becher mit kostenloser heißer Schokolade an der Bergbahn sein.

Als die Schweizer Nationalbank Mitte Januar überraschend den Euro-Mindestkurs des Franken abschaffte, war das auch für die Tourismusbranche der Eidgenossen eine schlechte Nachricht: Urlaub ist in der Schweiz wegen des hohen Preisniveaus ohnehin schon seit Jahren vergleichsweise kostspielig - durch den jetzt deutlich stärkeren Franken sind Ferienaufenthalte in dem Alpenland für Gäste aus der Eurozone noch einmal um rund 20 Prozent teurer geworden.

Die Skigebiete Arosa Lenzerheide (Graubünden) und Saas-Fee (Wallis) reagierten schnell: Sie starteten mit der Internetseite wir-bieten-mehrwert.ch eine Werbekampagne, um auf kostenlose Zusatzangebote aufmerksam zu machen, die es für Urlauber in ihren Gemeinden gibt.

So ist in einem kurzen Video zu sehen, wie ein Mitarbeiter der Bergbahn von Arosa am Morgen Fahrgäste mit kostenloser heißer Schokolade versorgt, "für einen guten Start in den Tag". Hoteldirektoren erzählen, dass sie ihren Gästen eine kostenlose Suppe servieren oder Gratisstunden für die Tennishalle anbieten.

Das sind kleine Freundlichkeiten, die den Aufenthalt angenehm machen. Dass dies allein im Wettbewerb um Urlauber nicht reichen könnte, ahnen die Organisatoren längst. Mancherorts gibt es wegen des teuren Franken schon jetzt Stornierungen und empfindliche Rückgänge bei den Buchungen. Saas-Fee zum Beispiel verzeichnet einen Einbruch von rund 40 Prozent ab März.

Arosa setzt bereits auf Rabatte. In den Monaten März und April soll es ein Spezialangebot geben: Wer mindestens vier Nächte bucht, erhält 20 Prozent Preisnachlass, dazu soll es kostenlose Extras geben, etwa eine Pferdekutschenfahrt durch Arosa. Der interne Arbeitstitel für das Programm: "Arosa-Euro-Fighter".

Sorgen macht sich Pascal Jenny, Tourismusdirektor der Gemeinde, vor allem wegen der Sommermonate: "In der Jahreszeit konkurrieren wir mit den Urlaubsregionen am Meer. Der Sommer wird für die Schweizer Tourismusbranche nicht einfach werden", sagt Jenny SPIEGEL ONLINE. Derzeit sei deshalb auch für die warmen Monate ein Angebot in Planung.

1 Euro = 1,35 Franken

Auch im schweizerisch-französischen Skigebiet Portes du Soleil wurden die Preise um 15 Prozent gesenkt. Die Gemeinde Grächen im Kanton Wallis ist dagegen einen anderen Weg gegangen. Sie hat einen Euro-Franken-Wechselkurs von 1,35 festgelegt, obwohl ein Franken derzeit praktisch einem Euro entspricht.

Das Angebot, das es schon in vergangenen Jahren gab, galt zuletzt in den Januarwochen und soll wieder von Anfang März bis Mitte April greifen. In der Osterzeit würden vor allem Deutsche, Belgier und Holländer kommen. Die Bergbahnen hätten in den vergangenen Jahren bis zu 33 Prozent ihres Umsatzes in Euro gemacht.

70 Prozent der Betriebe der 1400-Einwohner-Gemeinde mit 6000 Ferienbetten würden sich am fixen Euro-Wechselkurs beteiligen, sagt Berno Stoffel von der Touristischen Unternehmung Grächen: Hotels, Ferienwohnungen, Bergbahn, Sportgeschäfte, Skischulen und Restaurants. Um von dem guten Wechselkurs zu profitieren, muss bar und in Euro bezahlt werden.

Das System rechne sich auch für die Betriebe, sagt Stoffel. Es sei ein "gutes Cash- und Einkaufsmanagement nötig", viele Betriebe hätten gute Ideen: So würden etwa Hotels bei nötigen Investitionen in Nachbarländern statt in der Heimat einkaufen. Die Bergbahnen erwerben Ersatzteile und Wintergerät in Deutschland. "Das System hat sich bewährt", sagt Stoffel.

Die Gemeinde Samnaun in Graubünden bietet ebenfalls sogenannte Euro-Vorteilskurse an: In Bergrestaurants und für Bergbahnen beträgt der Wechselkurs für den Euro 1,10 Franken. An Tankstellen liegt der Kurs bei 1,05 Franken, die Preise in Franken wurden dort um 15 Prozent gesenkt. Auch Restaurants und Hotels bieten teilweise Vorteilskurse und Rabatte an.

"Langfristig ist das keine Lösung", sagt Bernhard Aeschbacher, Leiter der Gästeinformation von Samnaun. Stornierungen, rückläufige Anfragen sowie Rabatte und Vorteilskurse würden "ein Loch in die Kassen reißen". Um auch in Zukunft im Wettbewerb bestehen zu können, müsse man langfristig die eigenen Kosten reduzieren.



insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
Immanuel_Goldstein 02.02.2015
1.
Mit etwas Kosmetik und einer Tassen heißer Schoggi wird man in dem Konkurrenzkampf kaum Boden gute machen. Die Schweiz ist für Touristen gemessen am Angebot generell viel zu teuer. Es gibt wesendlich günstigere Alternativen.
BettyB. 02.02.2015
2. Dumm gelaufen
Einen für die Schweiz günstigen Tauschkurs gegenüber dem Euro wird es wahrscheinlich erst wieder geben, wenn es den Schweizern richtig schlecht geht. Eintritt in die Euro-Zone verpasst, dumm gelaufen...
hansulrich47 02.02.2015
3. Die Schweiz
reagiert wie seit Jahren Norwegen: Mit viel Werbung. Dieses Geld könn(t)en sich die Tourimusorganisatoren schenken. Akzeptable Preise bringen Gäste. Tolle Prospekte sind nur nett (und ABM für Tourismusmanager), überzeugend sind die Kosten!
lvkwge 02.02.2015
4. EU-Beitritt verpasst
Ein Land, das keine deutschen Gastarbeiter will, hat halt bald auch keine deutschen Touristen mehr. Hochmut kommt vor dem Fall.
joetanner 02.02.2015
5. die habens erkannt die Schweizer...
Ich suche meinen Skiurlaub nämlich immer danach aus, wie teuer die Tennisplätze sind und ob man sich im schaukelnden Skilift den Anzug mit heisser Schokolade umsonst vollsauen kann. ;-) Klingt wie im "im dunklen um sich schlagen" in der Hoffnung jemanden zu treffen.
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