Fotostrecke

Outdoor-Produkt im Test: Leck in der Jacke

Foto: dapd

Test von Outdoor-Kleidung Jacke mit Leck

Regendicht sollen sie sein und vielleicht ein bisschen hübsch: Funktionsjacken von Outdoor-Herstellern werden längst auch im Alltag getragen. Stiftung Warentest hat 17 Modelle überprüft - das Versprechen, Schutz vor Nässe zu bieten, halten allerdings nur wenige.

Sie heißen "Tornado", "Storm" oder "Vagabond", sollen sowohl den Outdoor-begeisterten Sportler als auch die Radlerin in der Stadt vor Nässe bewahren - und sie halten anscheinend selten, was sie versprechen. 17 Funktionsjacken hat die Stiftung Warentest überprüft , und nur zwei der Kleidungsstücke kamen mit einem "gut" davon. Entweder hapert es an der Regendichtigkeit, oder sie sind zu wenig atmungsaktiv, schreibt die Zeitschrift "Test".

Dabei ist eine gute Jacke essentieller Bestandteil jeder Wanderung, Radtour oder Expedition. Wer bis auf die Knochen durchnässt ist - ob von Regen oder dem eigenen Schweiß -, dem schwindet schnell die Lust an seinem Freizeitvergnügen. Entsprechend viel sind die Kunden in den großen Ausrüstungsläden auch bereit auszugeben: Selbst Exemplare für über 600 Euro werden verkauft - allerdings sind dies sogenannte Dreifachjacken, die robust genug sein sollen für die Belastung durch einen schweren Rucksack. Die Stiftung nahm dagegen Männer-Doppeljacken unter die Lupe, die leichteres Gepäck auf den Schultern vertragen sollen und mit 85 bis 300 Euro zum meistverkauften Preissegment gehören.

Mit dem Urteil "gut" überstanden nur zwei Produkte den Test: die Highland Men (circa 179 Euro) des hessischen Herstellers Jack Wolfskin - sie bot den besten Regenschutz - und die zweitplatzierte Carrock Jacket (circa 220 Euro) der britischen Firma Berghaus, die mit der besten Atmungsaktivität punkten konnte. Die Jacken mussten eine Stunde im sogenannten Regenturm überstehen, in dem sie mit 450 Liter Wasser pro Quadratmeter eine Stunde lang bestürmt wurden. Feuchtesensoren auf der Testpuppe zeigten an, wie trocken ein Mensch geblieben wäre.

"Schon neu nicht regendicht"

Unter den Herstellern der Jacken mit dem Urteil "befriedigend" bis "ausreichend" sind auch solche Outdoor-Firmen, die ihre Produkte sehr hochpreisig verkaufen. So bekam die Velum II Jacket (circa 220 Euro) der schwedischen Firma Haglöfs nur eine 3,0 und damit ein "befriedigend", die mangelnde Regendichtigkeit führte zur Abwertung. Die Vagabond Jacket von Marmot aus Kalifornien kostet immerhin circa 300 Euro, war aber ebenso wenig regendicht und erhielt eine 2,9. Auch die US-Unternehmen Columbia und Patagonia und die bayerische Firma Schöffel lieferten nur "befriedigende" Produkte.

Testverlierer wurde die Canik Line Checker der Firma Killtec aus Buchholz bei Hamburg für circa 100 Euro. "Minimal atmungsaktiv", schreiben die Tester und: "Schon neu nicht regendicht." Ein Mangel war auch der nicht abgedeckte Reißverschluss. Insgesamt ließen sechs Modelle (von Killtec, Adidas, Intersport, Regatta, Salewa und SportScheck) bereits im Neuzustand Wasser durch, schlechter war die Bilanz, nachdem die Jacken mehrmals gewaschen wurden. Zum Teil sei Wasser von den Ärmelbündchen hochgesaugt worden oder von der Schulternaht den Rücken runtergelaufen.

Generell zeigte sich laut Warentest, dass die Angabe der Wassersäule wenig über die Dichtigkeit aussagt. Eigentlich soll die Zahl angeben, ab welchem Wasserdruck die Jacke durchlässig wird - allerdings sei nicht nur das Material entscheidend, sondern auch Schnitt, Verarbeitung und Imprägnierung. Die Stiftung empfiehlt daher, Funktionsjacken so wenig wie möglich zu waschen, und wenn, dann nicht mit Weichspüler zu malträtieren. Beim Kauf sollte man auf den richtigen Sitz, eine gut geschnittene und einstellbare Kapuze, abgedeckte oder wasserdichte Reißverschlüsse und eventuell auf Achselreißverschlüsse oder einzippbare Innenjacke achten.

Schlechte Noten für die Produktionsbedingungen

Mehr oder weniger schützten die untersuchten Jacken zwar vor Regen - doch in einem weiteren Test  erhielten die Outdoor-Unternehmen allerhöchstens die Note "ausreichend", Mayer Sports und The North Face bekamen sogar nur ein "mangelhaft": Die Stiftung Warentest überprüfte die gesellschaftliche Unternehmensverantwortung, kurz CSR genannt. Alle untersuchten Jacken seien in Asien, meist in China, gefertigt worden. Dort seien von vielen Anbietern Löhne gezahlt worden, "die kaum zum Leben reichen", Überstunden seien an der Tagesordnung, und beim Arbeitsschutz gebe es teilweise verheerende Mängel.

Das größte soziale Engagement hätten die deutschen Firmen Adidas, Jack Wolfskin und Schöffel. Die Firmen Berghaus, Columbia, Haglöfs und Patagonia hätten dagegen laut Warentest jegliche Auskunft verweigert. North Face und Maier Sports wollte die Tester zudem nicht in ihre Fabriken in China und Bangladesch lassen.

Kein Anbieter würde sich entlang der gesamten Produktionskette für die Arbeitsbedingungen und den Umweltschutz engagieren, ist das Fazit der Stiftung. Einige aber seien Mitglied der Fair Wear Foundation und hätten sich damit verpflichtet, regelmäßig die Produktionsbedingungen ihrer Fabriken zu überprüfen. "Nur ein erster Schritt", meinen die Tester.

abl
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.