Streik bei Eurowings und Lufthansa Das müssen Flugpassagiere jetzt wissen

Die Streiks in der Lufthansa-Gruppe gehen weiter. Am Dienstag sind vor allem Kunden von Eurowings betroffen, am Mittwoch soll die Lufthansa lahmgelegt werden.

Eurowings-Maschine
DPA

Eurowings-Maschine


Wann und wo wird gestreikt?

Es geht um zwei voneinander unabhängige Ausstände: Zunächst streiken am Dienstag bis 20 Uhr die Kabinenbesatzungen der Eurowings an den Standorten Düsseldorf und Hamburg. Die Fluggesellschaft strich bisher rund 60 Flüge, insgesamt sind davon nach Unternehmensangaben rund 4100 Passagiere betroffen. Reisende sollten über die Suchmaske auf der Webseite des Unternehmens prüfen, ob ihr Flug startet.

Nicht betroffen sind die Langstreckenflüge des Unternehmens sowie die von Germanwings durchgeführten Flüge, was in der Praxis allerdings kaum ein Kunde wird auseinanderhalten können - auch hier sollte man sicherheitshalber nachsehen. Der Flugverkehr sollte sich im Laufe des Mittwochvormittags wieder normalisieren, Verspätungen wegen fehlpositionierter Maschinen könnten allerdings vorkommen.

Einen noch größeren Effekt könnte am Mittwoch der Streik der Lufthansa-Piloten haben: Sie wollen die Kurz- und Langstreckenflüge an allen Standorten bestreiken. Oder kurz gesagt: Lufthansa am Boden halten.

Wie erfahre ich, ob mein Flug betroffen ist?

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Eurowings - und damit auch Germanwings -veröffentlicht seinen Flugplan hier. Die Lufthansa bietet für ihre Flüge die gleiche Abfragemaske in blau an.

Auch die jeweilige Flughäfen bieten auf ihren Internetseiten ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Wie kann ich bei einem Flugstorno mein Ziel erreichen?

Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren - zum Beispiel mit einem späteren Flug, der Bahn oder Bussen. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen fordern. Eurowings bietet seinen Gästen Voucher an, die sie für die Bahn nutzen können. Zudem können betroffene Passagiere ihren Flug kostenlos stornieren oder umbuchen.

Einen streikbedingt gestrichenen Flug kann der Kunde aber auch stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Ist der Flug nicht abgesagt, sondern nur verspätet, hat der Kunde ab der fünften Verspätungsstunde das Recht, sein Ticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen.

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Wer trägt die Kosten, wenn ich strande?

Nach der EU-Fluggastrechteverordnung muss eine Airline oder der Veranstalter seine gestrandeten Kunden betreuen - unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist oder nicht. Verpflegung samt Getränken sollte gestellt werden, und wenn sich der Flug auf einen anderen Tag verschiebt, muss die Airline oder der Veranstalter die Hotelkosten tragen.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht haften müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.

Wenn keine "außergewöhnlichen Umstände" vorliegen, müssten Fluggesellschaften nach EU-Fluggastrechteverordnung bei Annullierungen und Verspätungen von mehr als drei Stunden eine Ausgleichszahlung leisten. Der Betrag liegt je nach Distanz bei 250 bis 600 Euro.

Wie sieht es bei einer Pauschalreise aus?

Bei einer Pauschalreise ist die Rechtslage laut Reiserechtler Paul Degott etwas anders. Hier stellt sich nur die Frage, ob der Veranstalter seine Leistungspflichten erfüllt hat. Die Gründe, warum dagegen verstoßen wird, spielen keine Rolle. Sitzen Reisende zum Beispiel zwei Tage am Flughafen fest, statt am Strand zu liegen, können sie den Reisepreis entsprechend mindern. Handelt es sich um eine Kurzreise, können sie sogar von der Reise zurücktreten und den Reisepreis zurückfordern. Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit gibt es jedoch nicht.

abl/pat



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