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08. Oktober 2014, 03:22 Uhr

Arbeitskampf der Lokführer

Streik trifft vor allem Fahrgäste im Regionalverkehr

Bis um 6 Uhr früh streiken bundesweit die Lokführer. Die Bahn rechnet deshalb noch bis Mittwochmittag mit deutlichen Verspätungen - vor allem bei S-Bahnen und Regionalzügen in Großstädten.

Der nächtliche Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat vor allem im Nah- und Regionalverkehr die Fahrpläne durcheinander gebracht. In Hamburg und Berlin fuhren viele S-Bahnen nicht, auch der Regionalverkehr in Hannover, Köln und im Rhein-Main-Gebiet und in Nürnberg, Stuttgart und München war stark beeinträchtigt, meldete die Deutsche Bahn. Auch einzelne Fernverkehrszüge fuhren nicht.

Der Streik der GDL dauert bis Mittwochmorgen 6 Uhr. Die Bahn rechnet aber noch bis zum Mittag mit "erheblichen Beeinträchtigungen" im Zugverkehr.

Der Ausstand sollte um 21 Uhr beginnen, in einigen Städten fuhren aber schon früher keine Züge mehr. Bahnpassagierin Heike Blust, die gemeinsam mit einer Freundin in einem ICE auf dem Weg von Hamburg nach Karlsruhe unterwegs war, sagte, sie seien in Frankfurt gegen 20 Uhr "aus dem Zug geschmissen" worden. Um ins badische Achern zu kommen, ließen sie sich schließlich mit dem Auto abholen.

"Die meisten Fahrgäste haben Verständnis"

Auch in Berlin fuhren schon eine halbe Stunde vor Streikbeginn keine Züge mehr. Am Münchner Hauptbahnhof und in Stuttgart waren die Bahnsteige teilweise fast gespenstisch leer. "Es ist das gewohnte Bild, die Leute haben sich darauf eingestellt. Deswegen gibt es kein Chaos", sagte der Sprecher der Aktion Fahrgäste München, Andreas Nagel.

Die Deutsche Bahn setzte zusätzliches Personal ein, um gestrandete Fahrgäste über alternative Verkehrsverbindungen zu informieren. "Die meisten Fahrgäste haben Verständnis", sagte ein DB-Mitarbeiter in Hamburg. "Der ganze Streik wurde frühzeitig angekündigt, also ist das kein Drama,", bestätigte ein Pendler auf dem Heimweg nach Kiel. Ähnlich äußerte sich eine junge Frau auf dem Bahnhof in Hannover. Ihr Vater sei Lokführer: "Ich weiß, wie selten ich meinen Vater in meinen 23 Jahren gesehen habe und wie wenig er verdient."

Vielerorts versuchte die Bahn, zumindest stündlich S-Bahn-Linien zu bedienen. "Die Betonung liegt auf versuchen", so ein Bahn-Sprecher in München.

Abstimmung über weitere Streiks

Unterdessen kündigte GDL-Chef Claus Weselsky auf dem Berliner Hauptbahnhof an, die Gewerkschaft werde über weitere Streiks entscheiden, wenn die Bahn ihre "Blockadehaltung" nicht aufgebe. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren: "Die GDL ist am Zug." Streiks seien "überflüssig, verantwortungslos und ohne jedes Gespür für die derzeitige Situation".

Außer den Lokführern waren auch Zugbegleiter, Bordgastronomen und Disponenten zum Streik aufgerufen. In der vergangenen Woche hatten 91 Prozent der bei der Bahn angestellten GDL-Mitglieder in einer Urabstimmung für einen Arbeitskampf votiert. In dem Tarifstreit fordert die GDL unter anderem fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit.

Verhandlungen darüber scheiterten jedoch daran, dass die GDL auch für das übrige Personal im Zug verhandeln will, etwa für Zugbegleiter und Speisewagenmitarbeiter. Diese vertritt bislang die deutlich größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) - und diese hat kein Interesse daran, die Verhandlungen der GDL zu überlassen. Auch die Bahn lehnt das Bestreben der GDL ab.

Die Bahn-Führung schlug zuletzt vor, den Konflikt solange auszusetzen, bis das von der Regierung angekündigte Gesetz zur Regelung der Kompetenzen von Sparten- und Großgewerkschaften vorliegt. In der Zwischenzeit sollten die Lokführer zwei Prozent mehr Lohn erhalten. Dies hat die GDL abgelehnt.

vet/dpa/Reuters

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