Arbeitskampf der Lokführer Streik trifft vor allem Fahrgäste im Regionalverkehr

Bis um 6 Uhr früh streiken bundesweit die Lokführer. Die Bahn rechnet deshalb noch bis Mittwochmittag mit deutlichen Verspätungen - vor allem bei S-Bahnen und Regionalzügen in Großstädten.

Feierabend: Ein Lokführer schließt in Frankfurt am Main seinen Zug ab
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Feierabend: Ein Lokführer schließt in Frankfurt am Main seinen Zug ab


Der nächtliche Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat vor allem im Nah- und Regionalverkehr die Fahrpläne durcheinander gebracht. In Hamburg und Berlin fuhren viele S-Bahnen nicht, auch der Regionalverkehr in Hannover, Köln und im Rhein-Main-Gebiet und in Nürnberg, Stuttgart und München war stark beeinträchtigt, meldete die Deutsche Bahn. Auch einzelne Fernverkehrszüge fuhren nicht.

Der Streik der GDL dauert bis Mittwochmorgen 6 Uhr. Die Bahn rechnet aber noch bis zum Mittag mit "erheblichen Beeinträchtigungen" im Zugverkehr.

Der Ausstand sollte um 21 Uhr beginnen, in einigen Städten fuhren aber schon früher keine Züge mehr. Bahnpassagierin Heike Blust, die gemeinsam mit einer Freundin in einem ICE auf dem Weg von Hamburg nach Karlsruhe unterwegs war, sagte, sie seien in Frankfurt gegen 20 Uhr "aus dem Zug geschmissen" worden. Um ins badische Achern zu kommen, ließen sie sich schließlich mit dem Auto abholen.

"Die meisten Fahrgäste haben Verständnis"

Auch in Berlin fuhren schon eine halbe Stunde vor Streikbeginn keine Züge mehr. Am Münchner Hauptbahnhof und in Stuttgart waren die Bahnsteige teilweise fast gespenstisch leer. "Es ist das gewohnte Bild, die Leute haben sich darauf eingestellt. Deswegen gibt es kein Chaos", sagte der Sprecher der Aktion Fahrgäste München, Andreas Nagel.

Die Deutsche Bahn setzte zusätzliches Personal ein, um gestrandete Fahrgäste über alternative Verkehrsverbindungen zu informieren. "Die meisten Fahrgäste haben Verständnis", sagte ein DB-Mitarbeiter in Hamburg. "Der ganze Streik wurde frühzeitig angekündigt, also ist das kein Drama,", bestätigte ein Pendler auf dem Heimweg nach Kiel. Ähnlich äußerte sich eine junge Frau auf dem Bahnhof in Hannover. Ihr Vater sei Lokführer: "Ich weiß, wie selten ich meinen Vater in meinen 23 Jahren gesehen habe und wie wenig er verdient."

Vielerorts versuchte die Bahn, zumindest stündlich S-Bahn-Linien zu bedienen. "Die Betonung liegt auf versuchen", so ein Bahn-Sprecher in München.

Abstimmung über weitere Streiks

Unterdessen kündigte GDL-Chef Claus Weselsky auf dem Berliner Hauptbahnhof an, die Gewerkschaft werde über weitere Streiks entscheiden, wenn die Bahn ihre "Blockadehaltung" nicht aufgebe. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren: "Die GDL ist am Zug." Streiks seien "überflüssig, verantwortungslos und ohne jedes Gespür für die derzeitige Situation".

Außer den Lokführern waren auch Zugbegleiter, Bordgastronomen und Disponenten zum Streik aufgerufen. In der vergangenen Woche hatten 91 Prozent der bei der Bahn angestellten GDL-Mitglieder in einer Urabstimmung für einen Arbeitskampf votiert. In dem Tarifstreit fordert die GDL unter anderem fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit.

Verhandlungen darüber scheiterten jedoch daran, dass die GDL auch für das übrige Personal im Zug verhandeln will, etwa für Zugbegleiter und Speisewagenmitarbeiter. Diese vertritt bislang die deutlich größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) - und diese hat kein Interesse daran, die Verhandlungen der GDL zu überlassen. Auch die Bahn lehnt das Bestreben der GDL ab.

Die Bahn-Führung schlug zuletzt vor, den Konflikt solange auszusetzen, bis das von der Regierung angekündigte Gesetz zur Regelung der Kompetenzen von Sparten- und Großgewerkschaften vorliegt. In der Zwischenzeit sollten die Lokführer zwei Prozent mehr Lohn erhalten. Dies hat die GDL abgelehnt.

vet/dpa/Reuters



insgesamt 12 Beiträge
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Tsaxndi 08.10.2014
1. Wie weltfremd ist eigentlich Weselsky?
Wie bereits in Spon und anderen Medien geschrieben läutet dieser Spinner mit seinen kruden Thesen den Untergang seiner eigenen "Gewerkschaft" ein. Gut so! Die bisherigen Reaktionen der Fahrgäste, bzw. der Bahn deuten bisher gottseidank nicht auf einen meßbaren Erfolg dieser radikalen Splittergruppierung hin. Ich bin eher links orientiert, aber die sollte man baldmöglich aussperren. Scheitert nur daran, daß die Bahn nichts mehr richtig planen kannm bzw. nichts mehr auf die Reihe kriegt.
reskator1981 08.10.2014
2. das stimmt nicht ganz
die Verhandlungen sind gescheitert weil die Bahn nur 1.4 % mehr mit Laufzeit von einem Jahr anbot und nicht weil GDL die Zugbegleiter und service Kräfte tarifieren will... da müssen Sie sich besserer informieren.
hans_olo_ 08.10.2014
3. 5% für alle
Ohne Kompromissbereitschaft. Wenn Cockpit, GdL nicht aufpassen kommt bald der Einheitstarif. Was ich aber eigentlich noch sagen wollte: an der Stammstrecke München hält sich das Leiden stark in Grenzen. Wie es im Großraum aussieht kann ich leider nicht sagen, aber Frühstück einpacken wäre eine Maßnahme ;)
Subco1979 08.10.2014
4. Tja
Mit Auto würde ich jetzt nicht hier sitzen und in irgendein Forum schreiben, sondern wäre unterwegs zu meiner Arbeit. Schließlich werde ich nach Stunden bezahlt. Aber in 1-2 Jahren ist es soweit, dann kann ich mich auf diese Streiks einstellen, da ich nicht länger abhängig davon bin, wie einige Pseudo-Politiker sich profilieren wollen: Eigenes Auto. Teurer aber immer noch billliger als Streiks. Wobei "sich einstellen" falsch ist. Dann brauche ich den ÖPNV und die Bahn gar nicht mehr.
randonneur13 08.10.2014
5. kein verständnis!
das ist schlichtweg eine lüge, wir fahrgäste hätten Verständnis. Resignation, Machtlosigkeit und Wut sind eher zutreffend!
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