Zugausfälle Streik ab Mittwoch - was Bahn-Reisende wissen müssen

Zwei Tage Streik im Personenverkehr: Ab Mittwochmorgen müssen sich Bahn-Passagiere auf massive Störungen einstellen. Wie erfahren Sie, ob Ihr Zug ausfällt - und welche Rechte haben Sie als Fahrgast?

Leere Gleise (Archivbild aus Berlin): Ab Mittwoch wird erneut gestreikt
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Leere Gleise (Archivbild aus Berlin): Ab Mittwoch wird erneut gestreikt


Auf die Bahn-Kunden rollt der nächste Streik zu: Für Mittwoch und Donnerstag kündigte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ihren nächsten Ausstand an. Von 2 Uhr morgens an sind zahlreiche Ausfälle und Verspätungen zu erwarten. Im Güterverkehr beginnt der Ausstand bereits am Dienstagnachmittag.

Die Einführung eines Ersatzfahrplans im Fernverkehr werde ab sofort vorbereitet, kündigt die Bahn an. Der Plan soll schon vor dem eigentlichen Streikbeginn greifen, um ihn verlässlich über den gesamten Ausstand durchzuhalten. Sobald er stehe, werde er bekannt gemacht, voraussichtlich am Dienstagnachmittag.

Die deutschen Fernbus-Anbieter erwarten nun einen Ansturm auf Tickets für die nächsten Tage. "Der Umsatz der Branche könnte wegen des Streiks um mehrere Millionen Euro steigen", sagte der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer (bdo), Matthias Schröter. "Sobald die Ankündigungen für den Ausstand kommen, spüren die Busunternehmen sofort eine sprunghafte Nachfrage auf ihren Webseiten."

Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Streik:

Wo gibt die Bahn Meldungen zu Ausfällen und Verspätungen bekannt?

Online werden auf der Webseite der Bahn ständig Informationen zu Beeinträchtigungen aktualisiert. Ein Live-Auskunft finden Sie hier, auch ein Notfallfahrplan soll noch im Laufe des Dienstags veröffentlicht werden. Eine kostenlose Servicenummer ist unter 08000-996633 eingerichtet.

Ab welcher Verspätung bekommen Bahnpassagiere eine Entschädigung?

Zuganzeige (Archivbild): Passagiere erhalten Geld zurück
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Zuganzeige (Archivbild): Passagiere erhalten Geld zurück

Kommt ein Fahrgast wegen des Streiks mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, muss das verantwortliche Bahnunternehmen 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent. Der Aufpreis für den ICE-Sprinter wird schon ab 30 Minuten Verspätung erstattet.

Wird im schlimmsten Fall eine Übernachtung nötig, muss die Bahn die Kosten für ein Hotelzimmer tragen. Bei einer zu erwartenden Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof kann der Fahrgast einen anderen Zug nehmen - auch einen höherwertigen.

Die Deutsche Bahn kann sich bei einem Streik nicht auf höhere Gewalt berufen, wie der Europäische Gerichtshof im September 2013 entschied (Rechtssache C-509/11).

Wie entschädigt die Deutsche Bahn Pendler mit Zeitkarten?

Besitzer von Streckenzeitkarten erhalten bei Verspätungen von einer Stunde eine pauschale Entschädigung. Bei Zeitkarten im Nahverkehr gibt es in der zweiten Klasse 1,50 Euro. Im Fernverkehr werden pauschal fünf Euro gezahlt. Grundsätzlich werden bei Zeitkarten maximal 25 Prozent des Fahrkartenwerts erstattet.

Die Bahn zahlt Entschädigungen aber erst ab einer Bagatellgrenze von vier Euro. Bahn-Kunden mit Zeitkarten im Nahverkehr müssen also mindestens drei Verspätungen von mindestens 60 Minuten im Gültigkeitszeitraum der Fahrkarte einreichen, um eine Entschädigung zu erhalten.

Können Bahnfahrer bei einer Verspätung auch von einer Reise zurücktreten?

Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, kann der Reisende auf die Fahrt verzichten und den kompletten Fahrpreis zurückverlangen. Ebenso kann er die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt beginnen und dann auch eine andere Streckenführung wählen.

Wie kann ich eine Entschädigung beantragen?

Das Beschwerdeformular ist in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder im Internet erhältlich (http://www.fahrgastrechte.info). Das Formular können Reisende entweder beim Begleitpersonal im Zug oder in den Fahrkarten-Verkaufsstellen an den Bahnhöfen einreichen. Wer keine Bestätigung für die Verspätung hat, nur eine Kopie der Fahrkarte einreichen will oder etwa eine Zeitkarte besitzt, muss sich per Post an das Service-Center Fahrgastrechte wenden. Entschädigungen muss die Bahn auf Wunsch bar auszahlen, ansonsten als Gutschein oder per Überweisung.

Wo gibt es Hilfe bei Streitfällen?

Die Bahn muss Beschwerden von Fahrgästen nach spätestens drei Monaten bearbeitet haben. Bei Streitfällen vermittelt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zwischen Kunden und Unternehmen. In mehreren Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen oder Berlin gibt es auch regionale Schlichtungsstellen.

Fernbus-Fahrgäste in Hannover: Auch diesmal werden viele umsteigen
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Fernbus-Fahrgäste in Hannover: Auch diesmal werden viele umsteigen

Welche Alternativen stehen zur Verfügung?

Neben Inlandsflügen und dem eigenen Auto sind in vielen Fällen Fernbusse ein geeigneter Ersatz für Bahnreisen. Die Firmen hätten seit längerem Erfahrung mit Streiks der Lokführergewerkschaft und stellten vor allem auf den Hauptstrecken nach Berlin, Frankfurt, München oder ins Ruhrgebiet umgehend zusätzliche Kapazitäten bereit, sagte der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (bdo), Matthias Schröter.

Die Busbranche kann zwar ohne Genehmigung keine zusätzliche Linie einrichten. Stattdessen setzen die Firmen laut dem Sprecher aber Doppeldecker oder mehrere Busse auf einmal ein. "Wir können die Kapazität auf einer Linie erhöhen." Erfahrungsgemäß steige die Nachfrage bei Streiks um das Sechsfache, der Umsatz letztlich um das Zwei- bis Dreifache.

Mietwagen lassen sich in der Regel unkompliziert online buchen. Bei einer Buchung über Internetportale ist üblicherweise eine Stornierung bis 24 Stunden vor Mietbeginn möglich, falls das Auto am Ende doch nicht gebraucht wird. "Wer die Bestätigung über die Buchung bekommt, dem steht der Mietwagen auch zu", sagt Falk Murko von der Stiftung Warentest. Allerdings müssen Reisende während des Streiks mit Überlastung und Wartezeiten bei den Anbietern rechnen.

Wem das zu teuer ist, dem empfehlen sich Mitfahrzentralen im Internet: Die Preise sind oft günstig, Reisende können außerdem neue Leute kennenlernen. "Wir beobachten, dass die Leute sich solidarisch zeigen, viel mehr Fahrten angeboten werden", heißt es beim Portal Mitfahrgelegenheit.de. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter werden außerdem unter dem Hashtag "#twitfahrzentrale" Mitfahr-Angebote angezeigt.

Was tun, wenn Sie warten müssen?

Ein paar Tipps, wie Sie sich beim Warten die Zeit vertreiben können, finden Sie hier im Survival-Kit für Bahnreisende!

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Wissen Sie, was ein Bahn-Kuss ist? Wie pünktlich ein Shinkansen ist? Und ob die Deutsche Bundesbahn wirklich mit Mondstaub zu scherzen wagte? Allerhöchste Eisenbahn für das SPIEGEL-ONLINE-Quiz. Volldampf voraus!

sto/dpa/AFP/Reuters



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Leser161 21.04.2015
1. Der Zugfresser
Als direkt Betroffener sage ich: Die Bahn soll mit den Spielchen aufhören. Solange sie der GDL Fake-Angebote macht wie "Ihr kriegt alles was ihr fordert, solange es nicht von dem abweicht, was die andern fordern." bin ich voll auf Seiten der GDL
Icestorm 21.04.2015
2. GDL raus aus DBB
dann wir die Streikkasse kleiner und der Spuk wäre vorbei.
Leser161 21.04.2015
3. Die Bahn
Allein schon der Fakt das die Bahn meint, das man für Verspätungen/Ausfälle mit einem Leberkäsgutschein oder 15 Euro fair abgegolten werden kann, zeigt die Denke dieses Unternehmens. Liebe Bahn, wenn ich 2 Stunden in der Pampe steh, weil ihr das nicht hinkriegt, dann ist mein Schaden je weit größer als der Gegenwert eines Brötchens mit Leberkäse.
WolfThieme 21.04.2015
4. Hut ab, Herr Weselsky
Ich lade alle Befürworter des GDL-Streiks auf dem Bahnsteig von Bad Belzig ein, wenn morgens (normalerweise) der Pendlerzug startet. Dort fahren Handwerker, das Pflegepersonal von Kitas, Hospizen und Altersheimen, Putzfrauen, alles einfache Leute, die in der Region keine Arbeit finden und für ihre Abo-Jahreskarte über 1000 € bezahlen. Mehr Geld für die GDL-Mitglieder, okay, aber was haben sie mit Weselskys Streit um die Einstufung zu tun? Alles auf ihrem Buckel. Kein Verständnis.
Der Meyer Klaus 21.04.2015
5.
Wieso bekommt man die Entschädigung nicht von der GDL? Die haben das zu verantworten. Wieso sollte ich der Bahn Schaden zufügen wollen? Schließlich schadet mir die GDL direkt.
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