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29. August 2014, 12:53 Uhr

Streik im Lufthansa-Konzern

"Germanwings hat uns verschaukelt"

Der Streik bei Germanwings ist beendet. Zwar gab es keine größeren Beeinträchtigungen, doch auch bei diesem Ausstand strandeten Reisende an vielen Flughäfen - zum Beispiel in Köln/Bonn. Schon am Wochenende könnte es erneut Ausfälle geben.

Köln/Bonn - Am Terminal 1 des Flughafens Köln/Bonn ist es an diesem Freitagmorgen sehr ruhig. Kein Rufen, kein Lachen ist zu hören. Die Abfertigungshalle von Germanwings ist weitgehend leer. Der Mann am Stand mit den belegten Brötchen sitzt auf einem Hocker und döst vor sich hin. Am Informationsstand der Fluggesellschaft bildet sich kurz darauf dann doch noch eine kleine Schlange von Reisenden. Sie sind gerade aus Island angekommen und wissen nun nicht weiter: Die Anschlussflüge sind gestrichen.

Grund sind die streikenden Piloten der Airline, die mit ihrer Aktion am Freitagvormittag den Erhalt ihrer Übergangsrente sichern wollen. Von 6 bis 12 Uhr war der Streik angekündigt. Und schon am Wochenende könnte es weitergehen: Ein Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) schloss am Freitag nicht aus, dass der Ausstand dann auch auf die Mutter Lufthansa ausgeweitet wird.

Die Lufthansa appellierte unterdessen an die Pilotengewerkschaft, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Am Donnerstag waren die Verhandlungen über eine Lösung der strittigen Fragen über den Vorruhestand der 5400 Piloten bei Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo gescheitert.

Die Informationspolitik ist laut den Betroffenen noch zu verbessern

Plakate der Vereinigung Cockpit sind an diesem Morgen im Flughafen Köln/ Bonn allerdings nicht zu sehen. Auch streikende Piloten sind nirgends zu entdecken. Nur die Reisenden, die nach Alternativen suchen. "Wir kommen aus Reykjavik und haben kurz dem Abflug erfahren, dass womöglich gestreikt wird. Wir wollen nach Dresden. Wir werden versuchen, mit dem Zug weiterzufahren, das bedeutet natürlich sieben Stunden", sagt ein junger Rucksacktourist, der seinen Namen nicht nennen will. Und dass "überversorgte Piloten versuchen, auf dem Rücken der Passagiere ihre Sache auszutragen", gefällt ihm gar nicht.

Verärgert ist auch ein älterer Island-Tourist, der nach Berlin-Tegel weiterfliegen will. Er sei seit mehr als 20 Stunden auf den Beinen, sagt er. "Die haben uns verschaukelt." Der Direktflug von Island nach Tegel sei schon eine Woche vorher abgesagt und in die Route über Köln/Bonn geändert worden. Auch er erhält ein Ticket für die Deutsche Bahn, die eine Etage tiefer abfährt.

Der Geschäftsmann und Vielflieger Uwe Kistmann aus der Schweiz ist auf dem Weg von einem Geschäftstermin im Rheinland nach Zürich. Er fährt mit der Bahn nach Frankfurt, um von dort einen Flug nach Zürich zu erwischen. So etwas habe er schon öfter erlebt, sagt er. "Das erschüttert mich nicht mehr." Allerdings sei die Informationspolitik von Germanwings ungünstig gewesen. Er habe weder eine E-Mail, noch eine SMS oder einen Anruf erhalten. "Das wäre das nächste Mal noch zu verbessern."

Schäden in zweistelliger Millionenhöhe bei der Airline

"Wen wir erreichen konnten, haben wir informiert", sagt Germanwings-Sprecher Heinz Joachim Schöttes. Die Erreichbarkeit hänge allerdings davon ab, ob die Passagiere direkt oder über einen Veranstalter gebucht hätten. Im zweiten Fall sei es schwierig. Passagiere müssen sich dann selbst auf der Website Germanwings.com über den aktuellen Status ihrer Flüge informieren.

Auch Familie Hopkins aus Kanada hat keine Warnung erhalten. Das Ehepaar war mit drei Kindern bei einer Hochzeit in Marokko und will zurück nach Hause. Erst kurz vor dem Rückflug aus Marrakesch in der Nacht zum Freitag erfuhr die Familie vom Streik. Sie wollen von Köln/Bonn nach London fliegen, wo sie den Anschlussflug nach Toronto gebucht haben. Diese Verbindung werden sie wohl nicht mehr erreichen.

Auch Fluggästen, die später fliegen, könnte es ähnlich gehen. Zwar ist der Ausstand um 12 Uhr offiziell beendet worden, allerdings könne es durch Verzögerungen und Verschiebungen auch am Nachmittag vereinzelt noch zu Streichungen kommen, teilte Germanwings mit. Durch den sechsstündigen Streik waren von geplanten 164 insgesamt 116 Flüge ausgefallen und rund 15.000 Passagiere betroffen.

Trotz des Ausstandes war es an den betroffenen Airports zu keinen größeren Behinderungen gekommen, bestätigen Sprecher der Flughäfen übereinstimmend. Viele Fluggäste hätten vorab Bescheid gewusst. Die Streiks hätten bei der Airline einen wirtschaftlichen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe verursacht, sagte ein Unternehmenssprecher.

Hier finden Germanwings-Kunden alle Informationen zu ihren Rechten beim aktuellen Streik.

emt/dpa

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