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Streik bei den Regionalbahnen: Starke bundesweite Störungen am Dienstag

Foto: Federico Gambarini/ picture-alliance/ dpa

Streik im Regionalverkehr Bahnkunden müssen mit Zugchaos rechnen

Die Bahngewerkschaften machen ernst: Ab 3 Uhr morgens wollen sie den Regionalverkehr stellenweise bestreiken. Vor allem in Bayern, Berlin und Hessen müssen Pendler mit Verspätungen und Ausfällen von Zügen rechnen - aber auch bundesweit dürfte es zu Störungen kommen.

Berlin/Nürnberg - Am Dienstag kommen erste Warnstreiks im Tarifkonflikt der deutschen Bahnbranche auf Zehntausende Pendler im Regionalverkehr zu. "Bundesweit sind erhebliche Störungen im gesamten Schienenverkehr zu erwarten", teilten die Gewerkschaften Transnet und GDBA mit. Zu den Aktionen, die im frühmorgendlichen Berufsverkehr anlaufen sollen, sind Beschäftigte mehrerer Privatbahnen und der bundeseigenen Deutschen Bahn (DB) aufgerufen. Auch bei Fernzügen könnte es Verspätungen geben.

Die "einzelnen Aktionen" sollten "nicht länger als drei Stunden dauern", sagte ein GDBA-Sprecher. Vor allem die Pendler in Großstädten müssten sich auf Ausfälle und Verspätungen einstellen. In welchen Städten und Regionen genau die Schwerpunkte der Warnstreiks sind, ließen die Gewerkschaften aber zunächst offen.

Laut einem Transnet-Sprecher soll ein Schwerpunkt der Warnstreiks Bayern sein. Dort werden vom frühen Morgen an die Privatbahnen Arriva, Veolia sowie die Deutsche Bahn bestreikt. "Konzeptionell wird ganz Bayern betroffen sein, auch wenn wir nicht überall voll reinlangen", sagte der Sprecher. Der Fernverkehr könne ebenfalls beeinträchtigt werden: "Wenn ein Signal auf Rot steht, dann halten alle Züge." Gestoppte Regionalzüge könnten auch ICE und Intercity blockieren.

Zu spüren sein sollen die Warnstreiks nach Informationen aus Gewerkschaftskreisen auch in Hessen und in der Hauptstadtregion Berlin/Brandenburg. Die S-Bahn Berlin soll aber verschont bleiben. Weniger betroffen sein sollen Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern.

Die Bahn empfiehlt Reisenden, sich vor der Fahrt unter der kostenfreien Info-Telefonnummer 08000-996633 und auf der Bahn-Internetseite  zu informieren. Weitere Serviceinformation zum Streik finden Sie hier.

Streikwelle bis späten Vormittag

Beginnen sollen erste Arbeitsniederlegungen bereits in der Nacht gegen 3 Uhr. Die Streikwelle mit soll sich dann bis in den späten Vormittag ziehen. Die Aktionen sind zunächst auf Dienstag beschränkt. "Sollten wir damit nicht vorankommen, sind weitere Arbeitskampfmaßnahmen unausweichlich", hieß es von den Gewerkschaftsspitzen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) beteiligt sich nicht an den Streiks.

"Wir hoffen, dass unser Signal von den Arbeitgebern verstanden wird", erklärten Transnet-Chef Alexander Kirchner und der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel. Die beiden Gewerkschaften sowie die Lokführergewerkschaft GDL verhandeln seit mehreren Wochen parallel mit sechs großen Privatbahnen und der DB über einheitliche Tarifstandards für die Branche. Damit soll ein Wettbewerb über die Lohnkosten vermieden werden. Die Einkommen bei privaten Konkurrenten liegen teils 20 Prozent unter DB-Niveau. Allein mit den Regionalzügen des Marktführers fahren täglich 3,4 Millionen Passagiere.

Bahn schlägt Schlichtungsverfahren vor

Um "Unannehmlichkeiten" für die Reisenden so gering wie möglich zu halten, will die Deutsche Bahn bundesweit mehrere hundert zusätzliche Mitarbeiter einsetzen. Verstärkt werde vor allem das Servicepersonal an Bahnhöfen und bei der telefonischen Reisendeninformation, teilte der Konzern mit.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber kritisierte die angekündigten Warnstreiks als "unbegründet und kontraproduktiv". Der Konzern sei überzeugt, dass eine Lösung am Verhandlungstisch möglich sei. "Wenn die Gewerkschaften glauben, mit Verhandlungen derzeit nicht weiterzukommen, schlagen wir vor, in ein Schlichtungsverfahren einzusteigen." Dies hatten auch die Privatbahnen Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Veolia und die Hessische Landesbahn angeboten. Ein Sprecher sagte zu den Warnstreiks: "Wir haben dafür kein Verständnis."

Die privaten Bahnunternehmen Abellio, Arriva, Benex, die Hessische Landesbahn, Keolis und Veolia Verkehr wollen bislang an den regional unterschiedlichen Einkommensniveaus festhalten. Die Deutsche Bahn ist zu einem Branchenvertrag bereit, wenn das darin festgelegte Tarifniveau das des Bahn-Konzerns nicht zu stark unterschreitet.

Die Privatbahnen hatten ein Angebot vorgelegt, das die Gewerkschaften aber als inakzeptabel ablehnen, da es deutlich unter dem Niveau der Bahn liege. Auch eine Schlichtung, die von den Privatbahnen vorgeschlagen wurde, lehnten Transnet und GDBA ab.