Streiks am Donnerstag und Freitag Was Lufthansa-Kunden wissen müssen

Die Gewerkschaft der Flugbegleiter hat bei der Lufthansa zum Streik aufgerufen. Insgesamt fallen am Donnerstag und Freitag 1300 Flüge aus. Diese Rechte haben Passagiere.

UFO-Streik bei den Lufthansa-Töchtern Eurowings und Germanwings (Oktober): Ausfälle am Ende der Woche?
Oliver Berg/ DPA

UFO-Streik bei den Lufthansa-Töchtern Eurowings und Germanwings (Oktober): Ausfälle am Ende der Woche?


Die Lufthansa wird zwei volle Tage lang bestreikt - am Donnerstag und Freitag, 7. und 8. November. Dazu hat die Gewerkschaft UFO die Flugbegleiter aufgerufen. Ein Eilantrag der Fluggesellschaft gegen den angekündigten 48-Stunden-Streik lehnte das Arbeitsgericht Frankfurt ab, auch eine Berufung beim Landesarbeitsgericht scheiterte.

Woher weiß ich, ob mein Flug ausfällt?

Die Lufthansa hat einen Ersatzflugplan für die Streikzeit bekannt gegeben, der auf der Website einsehbar ist. Fluggäste können sich unter Eingabe ihrer Flugnummer auf der Website über den Status ihres Fluges informieren.

Der Konzern strich für Donnerstag bei seiner Hauptmarke Lufthansa rund 700 der weltweit 1100 geplanten Flüge, am Freitag könnten 600 Flüge ausfallen. Vor allem an den Drehkreuzen München und Frankfurt bleiben viele Maschinen am Boden und auch ein Großteil der Überseeflüge fällt aus. An Flughäfen im In- und Ausland wurden Verbindungen nach Frankfurt und München abgesagt.

Von den rund 3000 geplanten Lufthansa-Group-Flügen könnten demnach nur 2300 durchgeführt werden. Insgesamt sind an den beiden Tagen rund 180.000 Fluggäste von insgesamt rund 1300 Flugstreichungen betroffen.

Die Group Airlines Eurowings, Germanwings, Sunexpress, Lufthansa Cityline, SWISS, Edelweiss, Austrian Airlines, Air Dolomiti und Brussels Airlines werden nicht bestreikt, hieß es in der Mitteilung weiter. Im Durchschnitt bietet die Lufthansa Group nach eigenen Angaben täglich 1540 Verbindungen an. Davon entfallen 580 Abflüge auf Deutschland und wiederum 380 auf die Kernmarke Lufthansa.

Muss ich selbst einen Ersatzflug suchen?

Nein. Alle betroffenen Passagiere sollten bis zum Mittwochabend auf andere Flüge umgebucht werden, heißt es auf der Webseite der Fluggesellschaft. Das ist kostenlos. Passagiere haben laut EU-Recht einen Anspruch auf eine Umbuchung.

Was ist, wenn ich trotzdem dem Streik ausweichen möchte?

Lufthansa bietet kostenlose Umbuchungen für Passagiere, die einen anderen Reisetermin vorziehen. Das gelte für Flüge von oder nach Frankfurt oder München mit Abflug am 7. oder 8. November. Das Ticket muss vor dem 4. November ausgestellt worden sein. Der alternative Flug muss spätestens am 15. November starten.

Innerdeutsche Flüge können über die Lufthansa-Website auch kostenlos in Bahntickets umgewandelt werden, unabhängig davon, ob der Flug gestrichen wurde. Die Anreise zum Flughafen sei dafür nicht notwendig.

Nach EU-Recht können Kunden einen streikbedingt gestrichenen Flug stornieren, sie bekommen dann ihr Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann. Ist ein Ersatzflug erst am kommenden Tag oder später möglich, muss die Airline Übernachtungen und Transfers zum Hotel bereitstellen.

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern Länge haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern nach vier Stunden.

Welche Regeln gelten für Pauschalurlauber?

Der Reiseveranstalter muss sich um eine alternative Beförderung kümmern. Ab einer Verspätung von mehr als vier Stunden am Ankunftsort können Urlauber außerdem ihren Reisepreis nachträglich anteilig mindern. Verkürzt sich ein ohnehin kurzer Urlaub durch die Streikmaßnahmen erheblich, kann der Gast die Reise auch beim Anbieter stornieren. Er bekommt dann den Reisepreis zurück.

Steht Betroffenen eine Entschädigung zu?

Ob Fluggästen bei einem Streik eine Entschädigung für Flugausfälle zusteht, ist juristisch umstritten. Der Bundesgerichtshof (BGH) befand im Jahr 2012, dass ein Pilotenstreik ein außergewöhnlicher Umstand ist. Die Folge: Die von Verspätungen und Annullierungen betroffenen Passagiere bekamen keine Entschädigung (Az.: X ZR 138/11; X ZR 146/11). Jedoch muss die Fluggesellschaft alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um die Folgen des Ausstands zu minimieren. Lufthansa hat angekündigt, an einem Sonderflugplan zu arbeiten.

Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass sich eine Fluggesellschaft bei einem wilden Streik nicht ohne Weiteres auf außergewöhnliche Umstände berufen kann (Az.: X ZR 111/17). Bislang ist dieses Urteil jedoch nicht unbedingt auf reguläre Streiks übertragbar - das muss der EuGH noch klären.

Die Verbraucherzentralen raten daher: Wer vorsorglich Entschädigung beantragt, hat im Fall einer für Verbraucher positiven Entscheidung dieser Frage eine gute Ausgangslage, Geld zu bekommen.

abl/dpa/AFP

insgesamt 13 Beiträge
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flyhi152 04.11.2019
1. Das beste ist es erst gar nicht mit Streik-Airlines zu buchen
Ich habe vor Jahren mehrere Tausend $$$ verloren weil Lufthansa den von mir gebuchten Flug von Philadelphia nach Frankfurt nicht durchführte. Die Nachricht, dass der Flug annulliert wurde, habe ich erst bei der Ankunft in Philadelphia erhalten, der alternative Flug über London kam erst 10 Stunden später an so dass ich wiederum meinen Anschlussflug verpasste. Im Endeffekt war die Reise völlig umsonst weil ich die Termine verpasste. Keinerlei Entschädigung von der Lufthansa, noch nicht einmal die "Erfrischungen" die mir rechtlich zugestanden hätten. Die hätte ich wohl im Nachhinein einklagen müssen.... Was ich aus dieser Lektion gelernt habe: nie mehr wieder mit einer Airline die ständig bestreikt wird.
100034.47 04.11.2019
2. Was ich nicht verstehe, ist ..
...warum hier nicht steht, was "Abflüge aus Deutschland" in der Ankündigung von UFO bedeuten soll. Nur internationale Flüge? Auch München Hamburg ist ein Abflug aus Deutschland. Ob der noch betroffen ist, interessiert ausser mir vermutlich keinen Lufthansa Kunden
pd1954 04.11.2019
3. Diese Perversion der
Rolle dieser Minderheitsgewerkschaften wie UFO und GDL muss endlich aufhören, insbesondere da sie ihren unsinnigen Streik auf dem Rücken der Passagiere austragen, die gar nichts für die masslosen Wünsche der Flugbegleiter können - aber deren Gehalt bezahlen !! Es gibt keinen Grund zu streiken, die LH Mitarbeiter sind besser versorgt als jeder andere in der Branche - also neben dem unsinnigen Gewerkschaftenwettstreit auch noch eine unsinnige Forderung der Streikenden !
klaus444 04.11.2019
4. Streik ist ein legales
Mittel bei Tarifauseinandersetzungen, das muss man akzeptieren! Und ein Streik muss logischerweise die Kunden des bestreikten Unternehmens treffen, sonst wäre er kein Druckmittel. Ein Streik, von dem niemand etwas merkt, ist nutzlos. Was soll also das Gejammer darüber, dass der Kunde die Folgen des möglichen Streiks der Flugbegleiter tragen muss? Ganz krass finde ich die Behauptung, der Streik sei unberechtigt, weil es der Berufsgruppe sooo gut geht. Kann das ein Außenstehender beurteilen? Kann er nicht! Keine Gewerkschaft, auch keine "Spartengewerkschaft" ruft nur aus Lust und Laune zur Urabstimmung auf, es wird schon handfeste Gründe haben, wenn es dann zu einem Arbeitskampf kommt. Wir, auch Sie als Kunde, werden es überleben.
Gluehweintrinker 05.11.2019
5. @2: jeder Flug, der in Deutschland abhebt
... kann betroffen sein, also natürlich auch innerdeutsche Verbindungen. Das hängt mir territorialen Regeln zusammen, denn wenn es ein Streik einer deutschen Gewerkschaft gegen ein deutsches Unternehmen ist, welches seinen Firmensitz in Deutschland hat und deutsche Tarifverträge betroffen sind, kann nicht Personal in Frankreich, Ägypten, USA oder Japan in den Streik treten, und erst recht nicht während eines Fluges. Soll also eine Besatzung beispielsweise am 7. November früh morgens von Paris CDG nach Frankfurt FRA fliegen, anschließend noch nach Hamburg und zurück nach Frankfurt und später nach Mailand, was einem Standard bei einem Kurzstreckenumlauf entspricht, dann darf die Crew nach der ersten Landung in FRA und nach dem Aussteigen der Passagiere in den Ausstand treten bzw. einzelne Besatzungsmitglieder, wer immer sich dafür entscheidet. Derzeit sucht LH per Aufruf Freiwillige, die auch bereit sind, aus der Freizeit, Urlaub oder Ruhezeiten zu fliegen und bestimmte stabilisierende Faktoren in der Dienstplangestaltung sind ausgesetzt, um einen Notflugplan bewältigen zu können. Da man von FRA aber sehr gut nach HAM, CDG, MUC oder AMS mit dem Zug reisen kann, jedoch nur sehr beschwerlich nach LIS oder ATH und nach Übersee gar nicht, dürfte klar sein, worauf der Hauptfokus liegt. Wie auch bei Winter-OPS mit Schneefall fallen bei Streiksituationen zuerst die innerdeutschen Verbindungen weg, was eigentlich logisch ist. In diesen Situationen besteht stets ein Abkommen mit der DB, so dass hier die Tickets problemlos als Bahnticket verwendet werden können. Darüber sollte am 5. und 6. November informiert werden, so dass man empfehlen kann, die Website der LH im Auge zu behalten und die Nachrichten zu verfolgen. Erschreckend hingegen finde ich die mangelnde Solidarität in dieser Gesellschaft mit Arbeitnehmern, die ihr gesetzlich verbrieftes Streikrecht wahrnehmen. Statt dessen erleben wir Neid und Missgunst jedem Menschen gegenüber, der vielleicht nur einen EUR mehr auf dem Lohnzettel stehen hat als der andere. Es muss nicht heißen "mir geht es mies, dann muss es den anderen bitte genau so mies gehen", sondern "was muss getan werden, damit es mir auch besser geht?" Aber diese Sehnsucht nach kollektivem Elend muss etwas sehr Deutsches sein. Anders kann ich es mir nicht erklären. Jeder Franzose würde sich bei solchen Auswüchsen der Selbstherabwürdigung angewidert abwenden, und das zurecht.
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