Streit um Fluglärm 400 Tonnen schwere Bedrohung aus der Luft

2. Teil: Welches Gebiet wäre vom Nordanflug betroffen? Lesen Sie hier weiter


Vorbereitungen für einen politischen Deal?

Die Schweizer Bürgerinitiativen befürworten den "gekröpften" Nordanflug, weil diese Variante über relativ dünn besiedeltes Gebiet direkt südlich des Hochrheins führt. Laut internationalem Standard müsste der Korridor beidseitig des Flugweges mindestens 3,5 nautische Meilen (5,6 Kilometer) breit sein, nach Norden hin ist allerdings bis zur deutschen Grenze zum Teil nur eine Meile Platz vorhanden. Das eidgenössische Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) verlangt deshalb eine spezielle Sicherheitsprüfung, die zurzeit von der Luftraumüberwachungsfirma Skyguide durchgeführt wird. "Der gekröpfte Nordanflug ist eine navigatorische Herausforderung und bei schlechten Sichtbedingungen nicht möglich", sagt Skyguide-Sprecher Patrick Herr. Er will dennoch keine Prognose über den Ausgang des Verfahrens geben. Das Ergebnis soll Ende Februar vorliegen.

Skyguide-Flugkontrollzentrum: Der "gekröpfte" Nordanflug würde teilweise deutsches Territorium betreffen
DPA

Skyguide-Flugkontrollzentrum: Der "gekröpfte" Nordanflug würde teilweise deutsches Territorium betreffen

Sollte die Sicherheitsprüfung auf eine Meile Nordbreite negativ ausfallen, müsste der "gekröpfte" Nordanflug teilweise deutsches Territorium belegen und die Idee würde wahrscheinlich an einem Veto aus der Bundesrepublik scheitern. Die Enttäuschung wäre gewiss groß, aber die Schuldigen säßen – zumindest aus Schweizer Sicht – jenseits des Rheins. Am 18. April dieses Jahres finden im Kanton Zürich Wahlen statt.

In den höheren Etagen der deutschen Politik hält man sich indes auffällig bedeckt. Über ein Treffen zwischen Vertretern beider Staaten in Bonn, an dem im vergangenen Monat auch Landrat Tilman Bollacher teilnahm, wird weitgehend Stillschweigen bewahrt. "Wir haben uns darauf geeinigt, nicht über alle Details öffentlich zu berichten. Für Arbeitsgruppen auf technischer Ebene ist das absolut üblich", beruhigt Bollacher. Das Bundesverkehrsministerium wollte zu den Entwicklungen keine Erklärung abgeben. Einige Vertreter der Bürgerinititiativen vermuten Vorbereitungen für einen Tauschhandel. Als Gegenleistung für ein deutsches Entgegenkommen im Luftraum könnte zum Beispiel die Verlängerung der A98 über Schweizer Gebiet bei Schaffhausen ermöglicht werden. Die Betroffenen lehnen solche "Paketlösungen" jedoch ab.

Und Ministerpräsident Oettinger? In einer Stellungnahme zum offenen Brief des Stadtpräsidenten Ledergerber erklärte der baden-württembergische Landesvater zwar, dass "die von der Bundesregierung erlassenen Anflugbeschränkungen" zu einer "merklichen Verbesserung der Lärmsituation" geführt haben, "auf die wir nicht verzichten können". Doch im nächsten Satz heißt es: "Wer einen Ausbau des Flughafens Zürich und eine Lockerung der Anflugbeschränkungen will, muss hierfür viel stärker als bisher um Vertrauen werben und Argumente vorlegen". Eine klare Absage klingt anders.



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Seite 1
Paolo, 31.01.2007
1.
---Zitat von sysop--- Die Terrorbedrohung hat zu immer schärferen Sicherheitskontrollen auf Flughäfen geführt. Viele Passagiere klagen über die zeitaufwändigen Prozeduren. Sollten vertrauenswürdige Fluggäste bevorzugt abgefertigt werden? Welche anderen Alternativen gibt es? ---Zitatende--- Wir haben zwar eine Zweiklassengesellschaft, was die "Unterbringung der Passagiere im Flieger angeht. Aber das jetzt eine Zweiklassengesellschaft eingeführt wird, die nach dem Prinzip des Nasenfaktors läuft - denn was anderes ist ja wohl das "Vertrauenswürdige" wohl kaum - setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Oder besser: Turban. Denn diese Passagiere dürften ab sofort nur noch im Anhänger mitfliegen...
fx33 31.01.2007
2.
---Zitat von sysop--- Die Terrorbedrohung hat zu immer schärferen Sicherheitskontrollen auf Flughäfen geführt. Viele Passagiere klagen über die zeitaufwändigen Prozeduren. Sollten vertrauenswürdige Fluggäste bevorzugt abgefertigt werden? Welche anderen Alternativen gibt es? ---Zitatende--- Welche Terrorbedrohung? Über diese ach so gefähliche Bande von islamistischen Flüssigsprengstoffmixern hat man nie wieder etwas gehört. Experten haben das ohnehin für Humbug gehalten, daß an Bord eines Flugzeugs Sprengstoff zusammengemixt werden kann. Es geht darum, die Terror*angst* am Köcheln zu halten, weil sich so für die Staaten der westlichen Welt, die ja über gewisse Freiheitsrechte für ihre Bürger verfügen, ein Überwachungsinstrumentarium zurechtbasteln können, was Sie ohne diese Angst nie im Leben gegen ihre Bevölkerung durchsetzen könnten. Diese Regelung mit den Flüssigkeiten an Bord ist absoluter Quatsch und soll nur die Aufmerksamkeit davon ablenken, daß im Hintergrund noch ganz andere Sachen passieren.
takeo_ischi 31.01.2007
3.
---Zitat von sysop--- Die Terrorbedrohung hat zu immer schärferen Sicherheitskontrollen auf Flughäfen geführt. Viele Passagiere klagen über die zeitaufwändigen Prozeduren. Sollten vertrauenswürdige Fluggäste bevorzugt abgefertigt werden? Welche anderen Alternativen gibt es? ---Zitatende--- Wenn die letzten Jahre des Terrorismus eines gezeigt haben ist es, daß niemand als absolut vertrauenswürdig eingestuft werden kann. Gelte ich als vertrauenswürdig wenn ich regelmäßig die gleiche Strecke fliege und bei allen bisherigen Kontrollen nichts Verdächtiges dabei hatte? Das würde nicht funktionieren. Ein Terrorist kann auch erst 20-mal mit einem 'falschen Hasen' einchecken und beim 21sten Mal dann, wenn er durchgewunken wird die Bombe dabei haben. Oder ist der automatisch vertrauenswürdig, der wichtige Fürsprecher hat, oder im Auftrag rennomierter Unternehmen unterwegs ist? Auch das würde nicht Funktionieren, da er ebenso käuflich sein könnte. Oder bin ich vertrauenswürdig wenn ich kein bärtiger Moslem bin? Das wäre noch absurder, außerdem diskriminierend und nicht grundgesetzkonform. Die einzige Variante die nicht bloße Augenwischerei und Scheinsicherheit wäre, ist die zusätzliche Anstellung von Sicherheitspersonal und die Ausweitung der Parallelabfertigung. Wobei dies dann wieder durch 'Ticketpreisanpassungen' auf den Kunden zurückfallen würde. Da würde dann erst das richtige Gezeter losgehen. Ich sehe gerade keine bessere Lösung als die Situation zu ertragen. Obwohl, eventuell könnte man separate 'Premium-Nutzer-Schalter' einführen. Deren Benutzung dann zwar teurer, aber dafür express wäre. Wenn sowieso die Firma des unter Zeitdruck Handlungsreisenden den Sonderkontrolleur finanziert wäre das doch eine feine Sache. Nachteil wäre eine sichtbare Zweiklassengesellschaft, die zum Unmut der Pauschalreisenden führen könnte. Aber dies wäre dann z.B. organisatorisch oder baulich zu lösen.
Reziprozität 31.01.2007
4.
---Zitat von sysop--- Die Terrorbedrohung hat zu immer schärferen Sicherheitskontrollen auf Flughäfen geführt. Viele Passagiere klagen über die zeitaufwändigen Prozeduren. Sollten vertrauenswürdige Fluggäste bevorzugt abgefertigt werden? Welche anderen Alternativen gibt es? ---Zitatende--- "Vertrauenswuerdige" Flugpassagiere, mit welchen Kriterien soll denn da eine Kategorisierung vorgenommen werden? Da sich die bis dato aus diversen Datanbankcocktails verquirlten Informationen ueber den "gruenen", "gelben" oder gar "roten" Status eines Passagiers (man erinnere sich an Cat Stevens und Edward Kennedy) allzuoft als grob falsch erwiesen haben, scheint es mir fuer potentielle Anschlagstaeter ein Leichtes zu sein sich den V-VIP-Status zuzulegen. Im Ergebnis waere das eine signifikante Verschlechterung der Flugsicherheit. @fx33: Sie haben vollkommen Recht! Nun muesste man den Verantwortlichen nur noch stecken, dass man bspw. aus Schiessbaumwolle Papier oder gar Stoffe, vulgo Buchseiten, herstellen kann, dann stehen bald alle im Eva-/Adamskostuem im Jet, denn den Sitzbezuegen kann man ja dann auch nicht mehr trauen... :-o
Marquis d`Anjou, 31.01.2007
5.
Orwells Vision u.Utopie hat uns mit erschreckender Wirklichkeit nicht einge- sondern bereits überholt. Was vor 9/11 bereits in den Köpfen derer schlummerte, die sich Sicherheits-Experten, Heimat-Schützer, Geheim-Dienstler, Daten-Verantwortlicher, Anti-Terror- Spezialisten etc...etc..nennen, haben in einer Art Blitz-Krieg der zivilisierten Welt ihr Sicherheits-Konzept übergestülpt und demontieren unter den Namen des Terrors die Freiheit. Anscheinend ist es noch wahrlich wenigen Menschen bewusst das jene Freiheit-1789- kein Kolateral-Schaden ist? Wir verlieren jene Freiheit an eine abstrakte Sicherheit die uns tagtäglich auf eine besondere paranoide Art und Weise in die Gehirne gehämmert wird. Freiheit, jene höchste Errungenschaft der zivilisierten Menschheit,ist in höchster Gefahr auszusterben.
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