Sturmschäden Bahn-Chaos am Morgen danach
Berlin - Insbesondere in den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Hamburg und Schleswig-Holstein fahren die Züge des Nahverkehrs wieder, teilweise jedoch langsamer als sonst, teilte die Bahn mit. Im Süden, Südosten und Nordosten sowie Nordrhein-Westfalen kommt es nach wie vor zu erheblichen Behinderungen. Die S-Bahnen in den Großstädten laufen weitgehend.
Züge des Fernverkehrs fahren dagegen nur vereinzelt. Reisende müssen mit großen Problemen rechnen. Die Bahn rät von allen nicht notwendigen Reisen ab. "Die Wiederaufnahme des Betriebs ist wie ein Puzzle, das geht peu à peu und wir sind jetzt bei den ersten Teilen", sagte Bahnsprecher Martin Walden am Morgen. Der S-Bahn-Verkehr sei leichter wieder in Gang zu bringen, weil in den Großstädten weniger Bäume auf die Gleise fallen können und die S-Bahnen meist geschlossene Systeme seien. Ausnahme ist München, wo manche S-Bahnstrecken in der Früh noch unterbrochen sind.
Grundsätzlich will das Transportunternehmen überall dort, wo die Sicherheit es zulasse, den Betrieb wieder aufnehmen. Viele Bahnstrecken, insbesondere in Bayern und Nordrhein-Westfalen, sind aber weiterhin wegen umgestürzter Bäume und abgerissener Oberleitungen nicht befahrbar. Mit einem geregelten Zugverkehr könne in Nordrhein-Westfalen erst am späten Nachmittag gerechnet werden, teilte die Bahn mit. Da am Morgen viele Pendler statt der Bahn ihre Autos nutzten, kam es auf den Autobahnen und Schnellstraßen zu zahlreichen Staus.
Berliner Hauptbahnhof wird wieder eröffnet
Der durch den Orkan "Kyrill" beschädigte Berliner Hauptbahnhof sollte am Mittag wieder geöffnet werden. Das sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn am Vormittag bei einem Vorort-Termin. Gestern war ein tonnenschwerer Stahlträger aus der Glasfassade aus 40 Meter herabgefallen. Am Morgen war der Bahnhof noch geschlossen. Es kommt zu erheblichen Beeinträchtigungen im Fern- und S-Bahn-Verkehr. Die Bahn bat Fernreisende die Bahnhöfe Spandau und Gesundbrunnen zu nutzen. Die Bundespolizei hatte den Bahnhof abgeriegelt.
Gestern hat die Deutsche Bahn am späten Nachmittag erstmals in ihrer Geschichte zeitweise ihren Betrieb ganz eingestellt. Passagiere wurden mit Bussen oder Taxis weiterbefördert, in Hotels untergebracht oder übernachteten zu Zehntausenden in Zügen und Bahnhöfen. Viele verbrachten die Nacht in den Bahnhöfen und wurden mit Decken, Schlafmöglichkeiten und Verpflegung versorgt. Die Reparaturarbeiten werden den ganzen Tag andauern, mancherorts auch länger, hieß es.
Grund der andauernden Probleme sind nicht nur die Schäden, sondern auch Züge, die ihre Ziele in der Nacht nicht erreicht haben und daher am Morgen auch nicht zur Verfügung stehen. Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte gestern Abend in Berlin: "So eine Situation haben wir in Deutschland noch nie gehabt."
Informationen können unter der bundesweit einheitlichen, kostenlosen Telefonnummer 08000-996633 abgerufen werden. Die Website der Bahn war dagegen heute Morgen, offenbar wegen Überlastung, nur eingeschränkt erreichbar.
Eurostar wieder in Betrieb
Heute morgen hat auch der französische TGV-Hochgeschwindigkeitszug Eurostar die Fahrten zwischen Paris und London wieder aufgenommen. Lediglich der Frühzug um 7.20 Uhr sei noch aus technischen Gründen ausgefallen, teilte die Bahngesellschaft SNCF mit. Der Orkan hatte gestern Nachmittag in Nordfrankreich eine Oberleitung zerstört, so dass der Betrieb eingestellt werden musste. Insgesamt streifte "Kyrill" Frankreich nur.
dab/abl/AP/vwd