Südkorea Ein Herz für Deutschland

Zwischen Tradition und multikulturellen Einflüssen: Neben alten Buddha-Tempeln und Restaurants mit frischen Quallen auf der Speisekarte verstecken sich in Südkorea einige Überraschungen aus der Heimat – deutsche Touristen wundern sich über Gartenzwerge und Goethe-Zitate.


Seoul - Tourismus in Südkorea hat viele Gesichter. Im Nationalmuseum von Seoul dürfen Kinder zum Beispiel toben und auch schon mal die Exponate umstoßen. Sie haben ihre eigene Abteilung mit kratzfesten Kopien historischer Kostbarkeiten. In Tempeln können Touristen übernachten: Koreas "Tempel Stay"-Programm lockt immer mehr Gäste an. Und im Grenzgebiet des geteilten Landes fasziniert Besucher aus aller Welt eine Bähnchenfahrt durch einen von Nordkoreanern geschaufelten Tunnel. Es war kein Bauwerk zur Flucht, "sondern zur Infiltration", erklärt der Reiseführer. Auch Hirsewein, Karussells und Zuckerwatte gehören zum Grenzausflug mit Kind und Kegel.

Traditionen und Geschichte werden in Südkorea oft spielerisch und lebensfroh präsentiert. Touristen haben Spaß, auf Entdeckungstour zu gehen, auch wenn es Sprachprobleme gibt, besonders in den Dörfern. Im Wirtschaftswunderland Südkorea rasen zwar Schnellbahnen über Stelzen, ragen Wolkenkratzer aus Gebirgsketten und verlaufen Autobahnen wegen der vielen Tunnel und Brücken ohne große Steigungen und Kurven. Doch Englisch sprechen bisher meist nur Gebildete und die Firmenmanager.

"Wir bauen gern und gut. Und wir lernen nun auch mehr Englisch", sagt die Reiseleiterin und Dolmetscherin Maria Shin und lächelt. Sie betreute bei der Fußball-WM 2002 in Korea das deutsche Team mit Rudi Völler. "Gäste aus Deutschland sind sehr beliebt bei uns", sagt Maria. Auch Goethe hat in Korea seine Fans. Der Wirtschaftsmagnat Shin Kyuk Ho war von den "Leiden des jungen Werther" und dessen Liebe zu Charlotte so angetan, dass er sein Imperium schon vor Jahrzehnten "Lotte" nannte. "Die Story bewegt unsere Gäste, gerade die deutschen", sagt Jung Lee, Generalmanager des Nobelhotels "Lotte" in Seoul. Und im "Deutschen Dorf" auf der Insel Namhae bestaunen Touristen - meist koreanische - schmucke Häuser, geharkte Blumenbeete und Gartenzwerge.

Knallgelbe Uniformen und goldene Buddhas

Knapp drei Autostunden sind es von Namhae mit seinen grünen Hügeln, Fischerhäfen und Stränden bis nach Gyeongju im Südosten des Landes. Einst war Gyeongju die Hauptstadt im Silla-Königreich, das bis zum 10. Jahrhundert existierte. Die Umgebung ist wegen ihrer Tempel, Gräber und Weltkulturdenkmäler ein riesiges Museum ohne Mauern. "Hello, good morning", begrüßt eine Lehrerin eine Touristengruppe aus Deutschland. Es ist eine spontane Begegnung vor dem Bulguksa Tempel, einem berühmten buddhistisches Heiligtum aus dem 8. Jahrhundert. Die etwa sechsjährigen koreanischen Schüler in ihren knallgelben Uniformen wiederholen lautstark den Gruß und winken in die Kameras.

In einer der Tempelhallen verneigt sich ein Hochzeitspaar vor einer vergoldeten Buddhastatue. Zwei Kinder berühren in einem Innenhof bunt bemalte Drachenköpfe. Die Eltern bewundern derweil die kunstvollen Steinmetzarbeiten der Dabotap-Pagode. Zu den weiteren Höhepunkten eines Besuches im Raum Gyeongju zählen die Seokguram-Grotte mit einer Buddhastatue, die ebenfalls zum Weltkulturerbe zählt, das Cheomsongdae Observatorium aus dem 7. Jahrhundert sowie die Silla-Königsgräber unter grünen Hügeln im Tumuli Park.

"All you can eat" mit Quallenbuffet

Korea muss für Touristen nicht teuer sein. Sushi, Quallen- und Sesamblattsalat, Fisch gekocht und gebraten, Seetangsuppe, Sardinen, Hühnchen und Reisnudeln gibt es im "Family Restaurant" am Rande des Silla-Parks. Ans "All you can eat"-Büfett geht es für umgerechnet 5 Euro, das große Bier kostet 1,50 Euro.

Die blühende Wirtschaft beschert Südkorea, das knapp 49 Millionen Einwohner hat und etwa so groß wie Portugal ist, Geschäftstouristen aus aller Welt. "Wir sind gut gebucht. Auch deutsche Manager sind unsere Kunden", sagt Kim Lee, Marketingchefin eines Hotels in Geoje. "Auf unserer riesigen Werft vor der Haustür feiern wir jede Woche eine Schiffstaufe." Das Land wolle nun aber auch verstärkt um Urlauber aus Europa werben und Geschäftsleute dazu bewegen, "ein paar Ferientage dranzuhängen", sagt John S. Lee, Europadirektor der Korea Tourism Organization (KTO) in Seoul.

Und wo machen die Südkoreaner Urlaub? "Wir lieben Jeju", sagt Lee. Die Insel im Süden des Landes gilt als Hochzeitsparadies. "Ich möchte mir mal das Geumgangsan-Gebirge in Nordkorea ansehen", sagt dagegen Dolmetscherin Maria Shin. Der Hyundai-Konzern macht es möglich: Wegen eines Vertrages mit der kommunistischen Regierung in Pjöngjang hat das Unternehmen Straßen und im Gebirge auch Hotels gebaut - seine Busse dürfen täglich die Grenze vom Süden in den Norden passieren.

Bernd Kubisch, gms



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.