Superluxus-Label Frankreich zeichnet Hotels als "Palace" aus

Fünf Sterne sind nicht genug, finden die Franzosen. Deshalb haben sie nun eine neue Luxusklasse für Hotels erfunden: das Label "Palace". Acht Häuser dürfen sich die Plakette mit der Auszeichnung an den Eingang schrauben - ausgerechnet eines von ihnen kritisierte die Ehrung.

AFP

Paris - Wer sich in Frankreich als Hotelier von den 127 Fünf-Sterne-Häusern abheben will, der muss es in Zukunft schon auf die Liste der "Palace"-Hotels schaffen. Das Fremdenverkehrsamt Atout France vergibt diese Klassifizierung seit vergangener Woche an Hotels mit "französischer Exzellenz".

Zu Frankreichs neuen Luxushotels zählen unter anderem die Pariser Hotels Meurice und das Plaza-Athénée - beide im Besitz des Sultans von Brunei - sowie das zur Oetker-Familie gehörende Hotel Le Bristol. "Es ist eine prestigeträchtige Auszeichnung", sagte Bristol-Chef Didier Le Calvez . "Wir erwarten dadurch einen wirtschaftlichen Auftrieb und noch mehr Ansehen."

Mit diesem Ziel hatte das französische Tourismusministerium die Klassifizierung im Jahr 2009 initiiert. "Das Wort 'palace' ruft in unserer Vorstellung gewisse Bilder hervor", sagte Frederic Lefebvre, Staatssekretär für Handel und Tourismus. "Es ist eine Einladung zum Reisen." Mit der Einführung des neuen Labels will die Tourismusbehörde Frankreichs Profil als Luxus-Reiseland schärfen.

Wer sein Hotel mit der Plakette schmücken will, muss allerdings strenge Kriterien erfüllen. Diese betreffen die Lage des Hotels, sowie die historische und architektonische Bedeutung des Gebäudes, außerdem den Zimmerkomfort, den Service, die Qualität des Abendessens, Sprachkenntnisse der Mitarbeiter und das Wellness-Angebot. In der Jury saßen unter anderem Schriftsteller, Filmproduzenten, Journalisten und Architekten, überwacht wird das Ranking durch Atout France.

"Bitterer Beigeschmack"

Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Auszeichnung äußerte ausgerechnet einer der Gewinner: "Die Ehrung hat einen bitteren Beigeschmack", sagte Francois Delahaye, Geschäftsführer der Dorchester-Gruppe, zu der die als "Palace" klassifizierten Hotels Meurice und Plaza-Athénée gehören. Der Grund für seinen Unmut: Die ebenfalls zum Unternehmen gehörenden Pariser Hotels Ritz und George V fielen bei dem Ranking durch.

Ausgezeichnet dagegen wurde außerdem ein weiteres Pariser Hotel: das Park Hyatt. Zwei weitere Häuser mit dem Luxusstatus - das Cheval Blanc sowie Les Airelles - stehen im Ski-Gebiet Courchevel in den französischen Alpen. Zudem wurde das Hôtel du Palais in Biarritz an der Atlantikküste geehrt sowie das Grand-Hôtel du Cap-Ferrat in der Nähe von Nizza. Die Häuser dürfen das Label zunächst fünf Jahre lang führen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version wurde das französische Wort "palace" als "Palast" übersetzt. Richtig wäre jedoch "Luxushotel" gewesen - die Auszeichnung nennen wir nun "Palace"-Label. Wir bitten, den Übersetzungsfehler zu entschuldigen.

jus/Reuters/AFP



insgesamt 6 Beiträge
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jObserver 09.05.2011
1. Wie immer.
Egal, wie man eine Auszeichnung nennt: Weder darf man ihr je blind vertrauen, noch muss man bei nicht-klassifizierten Einrichtungen grundsätzlich alles vermissen. Türkische 5 Sterne entsprechen (teilweise) nichtmal 3 Sternen in Deutschland, 3 Sterne dort oder in Italien wären hier nicht selten bestenfalls Hostel/Jugendherbergs-Niveau. Wer hier in Deutschland Sterne haben will, braucht dafür studenabhängig z.B. Flure mit einer bestimmten Breite oder eine bestimmte Anzahl Weine auf der Karte. 7 Sterne, wie in Dubai, gäbe es hier nichtmal bei einem Privatschloß - es gibt es einfach nicht, bei fünf ist Schluss. Und für "Palast" gilt das gleiche. Schon amüsant, das ganze... Und genial ist auch der Wahn der deutschen Pauschalreisenden, die für 499 pauschal 1 Woche im "Sternehotel" auf dem Ballermann buchen. Stern steht dran, also ist Stern drin. Oder auch nicht? Ich habe ein 5-Sterne-Hotel in Frankreich gesehen, das zudem zum durchaus angesehenen "Bündnis" "Small luxurious hotels of the world" gehört, da blätterte bei Preisen von regulär mehreren hundert Euro das Emaille in der Badewanne ab. In Deutschland: ko-Kriterium. Dort zählt aber z.B. das Essen weitaus mehr...
franzosen 09.05.2011
2. Die französischen Hoteliers...
beklagen sich schon seit langem darüber, dass in anderen Ländern die Sterne-Einteilung sehr viel lockerer gesehen wird und so nicht dem internationalen Standard entsprechen. Les palaces sind nun eine Sonderklasse, in der allerdings kaum ein normaler Sterblicher nächtigen wird. Wen juckt es also ??
der_rookie 09.05.2011
3. Wurde da nun gemessen oder bewertet?
Das Problem in Deutschland mit den 5 Sternen ist doch, dass das alles "objektivierte" Kriterien sind. Sprich: Gibt es 24h Rezeption, einen Pool von Länge X Metern, ein Präsent auf dem Zimmer, etc. Dabei wird nicht gemessen wie die Qualität der Angebote ist (Ist der Rezeptionist fähig und freundlich, ist der Pool sauber, ist das Präsent mehr als ein 5 Gramm Schokoladenblatt?) Ich kenne eine Reihe 3 und 4 Sternehotels denen es zwar an einem objektiven Kriterium fehlt, die subjektiv aber den meisten 5-Sterne Hotels himmelweit überlegen sind. Der Artikel klingt so als hätte da eine Jury abgestimmt, als wäre also versucht worden das nicht-messbare zu bewerten. Dies hat Charme (siehe oben), zieht aber natürlich immer Kritik auf sich (da per definition nicht objektiv)
Parismatique, 09.05.2011
4. Palast -- 'ne olle Satire
Zitat von sysopFünf Sterne sind nicht genug, finden die Franzosen. Deshalb haben sie nun eine neue Luxusklasse für Hotels erfunden: das Label "Palast". Acht Häuser dürfen sich die Plakette mit der Auszeichnung*an den Eingang schrauben - ausgerechnet eines von ihnen kritisierte die Ehrung. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,761455,00.html
Die Marotte eines dümmlichen Staatssekretärs namens Lefebvre, der seinen Platz in einer dümmlichen Regierung bekam, weil er jahrelang als Sprecher Sarkozys dümmliche Angriffe auf die menschliche Intelligenz unternahm. "Palace" war übrigens hier in Frankreich in den achtziger Jahren ein TV-Mega-Hit, der den ganzen Palast-Fimmel satirisch aufs Korn nahm.
carranza 09.05.2011
5. Lizenz zum Geld drucken
Zitat von der_rookieDas Problem in Deutschland mit den 5 Sternen ist doch, dass das alles "objektivierte" Kriterien sind. Sprich: Gibt es 24h Rezeption, einen Pool von Länge X Metern, ein Präsent auf dem Zimmer, etc. Dabei wird nicht gemessen wie die Qualität der Angebote ist (Ist der Rezeptionist fähig und freundlich, ist der Pool sauber, ist das Präsent mehr als ein 5 Gramm Schokoladenblatt?) Ich kenne eine Reihe 3 und 4 Sternehotels denen es zwar an einem objektiven Kriterium fehlt, die subjektiv aber den meisten 5-Sterne Hotels himmelweit überlegen sind. Der Artikel klingt so als hätte da eine Jury abgestimmt, als wäre also versucht worden das nicht-messbare zu bewerten. Dies hat Charme (siehe oben), zieht aber natürlich immer Kritik auf sich (da per definition nicht objektiv)
Diese Jurys an sich, bzw. die Zertifizierungen, die sie durchführen, stellen eine Lizenz zum Geld drucken dar. Die Hotelliers spielen halt mit, weil sie sich dadurch Mehreinnahmen versprechen, bzw. sich auf jemanden berufen können, der sie beurteilt hat. Pech für den Gast, wenn das Hotel z. B. zwei Sterne bekommen hat, einen für den Pool, den anderen für die Küche, er dort aber weder schwimmen noch essen will.
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