Sylt Im Winter ist die Insel noch einsam

Die Nordseeinsel Sylt zeigt in der kalten Jahreszeit ein vollkommen anderes Gesicht als zur überlaufenen Sommersaison. Spaziergänge an einsamen Stränden sowie urgemütliche Unterkünfte mit Angeboten für Leib und Seele machen den Stress des Alltags ganz schnell vergessen.


Spaziergang am Strand von Sylt: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung
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Spaziergang am Strand von Sylt: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung

Sylt - Wenn der Nebel übers Watt wabert und das Wasser in den Prielen gluckert, dann kommt Mankell'sche Krimi-Stimmung auf. Es fehlen nur noch die obligatorische Leiche in den Dünen und ein Inselpolizist, der den einsamen Strand entlang stapft. Schon Stunden später statt Nieselregen dann fliehende Wolken und ein Himmel wie blau schimmernde Seide. Auf Sylt wechseln die Kontraste wie kaum anderswo. Und wie nirgendwo sonst gilt hier der alte Grundsatz: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Denn gerade in der kalten Jahreszeit hat die Nordseeinsel ihre ganz besonderen Reize, vor allem für jene, die es kuschelig mögen mit einem Hauch von Luxus.

Nach dem Touristenansturm und dem permanenten Promi-Alarm der Sommermonate atmet das Eiland jetzt spürbar durch, die Gäste genießen bizarre Landschaft und Wattenmeer. Abseits der Inselmetropole Westerland und des Society-Trubels im Nobel-Ort Kampen gilt Keitum mit seiner Beschaulichkeit zwischen reetgedeckten Friesenhäusern als schönster Ort der Insel. In dem Ensemble mit bis zu 300 Jahre alten Kapitänshäusern laden malerische Hotels zu Übernachtung und Wohlfühlen ein. Nicht weit entfernt und mit einem ausgiebigen Spaziergang am Watt entlang bequem zu Fuß zu erreichen liegt Munkmarsch, einstiger Inselfährhafen für die Verbindung zum Festland, ehe der Hindenburgdamm mit seiner Bahnlinie gebaut wurde.

Viele Herbergen auf Sylt haben in den vergangenen Jahren aufwändig investiert und verbinden luxuriöse Übernachtung mit Spitzenküche und Wellness-Angeboten unter einem Dach. Diese Kombination hat zwar ihren Preis, doch wer wirklich einmal abschalten, die Seele baumeln lassen und seinem Körper etwas Gutes tun will, der bekommt etwas für sein Geld. Beste Unterkünfte dafür sind das romantische Hotel Aarnhoog inmitten von Keitum und das Hotel Fährhaus direkt am Munkmarscher Hafen.

Was äußerlich wirkt, als sei es leicht ein paar Jahrhunderte alt, birgt hinter seinen Backsteinmauern Luxus nach modernsten Aspekten: Nur zwölf Suiten und ein Doppelzimmer hat das Aarnhoog, doch dafür ist jedes Zimmer mit allen erdenklichen Annehmlichkeiten ausgestattet. Man wohnt meist auf zwei Etagen, im Erdgeschoss je mit eigener Terrasse, und jedes Appartement ist in individuellem Stil Haute Couture eingerichtet, teils mit Kamin und dezent mit Antiquitäten ausgestattet.

Mehrere Suiten haben einen individuellen Zugang zum Wohlfühlbereich mit Romantik-Pool, Sauna, Dampfbad und Beauty-Bereich. Der liegt unterirdisch unter dem Rhododendron-Garten und verbindet das Hotel mit dem historischen Bau. Dieser beherbergt neben der Rezeption auch eine kleine Bar, die gemütliche Tee- und Kaffeestuuv mit offenem Kamin und unter dem Reetdach eine Bibliothek in britisch-vornehmer Clubatmosphäre, Internet-Zugang inklusive.

Serviert jedem Gast sein Leibgericht: Meisterkoch Alexandro Pape vom Hotel Fährhaus am Munkmarscher Hafen
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Serviert jedem Gast sein Leibgericht: Meisterkoch Alexandro Pape vom Hotel Fährhaus am Munkmarscher Hafen

Der Wohlfühl-Tag fängt mit dem Frühstück an - und das gibt es im Aarnhoog genau wie im Schwesterhotel Fährhaus in Munkmarsch ausgedehnt bis zwölf Uhr. Wer möchte, kann sich hier, unmittelbar am Fährhafen gelegen, den Brunch auch ans Bett bringen lassen, als Erlebnis der besonderen Art: Denn viele der ebenfalls in unterschiedlichem Stil eingerichteten Suiten im Fährhaus bieten von ihrem großen Doppelbett aus eine phantastische Aussicht weit aufs Meer hinaus. Auch hier erreicht der Gast Sauna- und Wellness-Bereich bequem im Bademantel - er fährt mit dem Lift direkt bis an den Pool.

Wer nach der Wanderung durchs Watt oder nach einer Tour durch die malerischen Dünen an der Sylter Westküste wohlig schauernd in die heimelige Wärme zurückkehrt und sich in der Sauna aufgewärmt hat, der findet anschließend die Krönung im exklusiven Labsal für den Magen.

Im Aarnhoog etwa verwöhnt Köchin Ulla Lange die Gäste mit ihrer berühmten Eierlikörtorte. Im Fährhaus sorgt Meisterkoch Alexandro Pape dafür, dass Feinschmecker auf ihre Kosten kommen. Seit 2002 kann er einen der begehrten Michelin-Sterne vorweisen. Und zu seinen Kreationen reicht die erst 28-jährige, aber schon vielfach preisgekrönte Sommelière Birgitta Quendler die besten Tropfen aus dem exklusiv bestückten Weinkeller.

Wenn dann die Holzscheite im Kamin krachen und der Abend ausklingt, während draußen wieder einmal kräftig der Nordwestwind heult, dann ist der Alltag so weit wie die See vor Sylt. Und so mancher fühlt sich nach einem verlängerten Wochenende, als sei er wenigstens zwei Wochen auf der Insel gewesen.

Von Michael Best, ddp



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