Per Gondel zum Gipfel Tansania plant Seilbahn zum Kilimandscharo

Der Kilimandscharo gilt als technisch relativ leicht zu besteigen - daher sind es jedes Jahr Zehntausende, die den Gipfel erreichen wollen. Tansania will nun eine Seilbahn auf den höchsten Berg Afrikas bauen.

Gipfel des Kilimandscharo: Bald per Seilbahn erreichbar?
Ibrahim Suha Derbent/ The Image Bank/ Getty Images

Gipfel des Kilimandscharo: Bald per Seilbahn erreichbar?


Jedes Jahr klettern etwa 50.000 Touristen auf das höchste Bergmassiv Afrikas, den 5895 Meter hohen Kilimandscharo. Tansanias Regierung sind das nicht genug: Sie will mit dem Bau einer Seilbahn noch mehr Besucher anlocken, wie Tourismusminister Constantine Kanyasu sagt.

Zurzeit prüfe das Land mögliche Routen der Anlage auf den Gipfel, sagte der Minister der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir führen gerade noch eine Machbarkeitsstudie durch, ob das Projekt funktionieren könnte", sagte er. Zwei Unternehmen hätten Interesse bekundet - eines aus China und eines aus einem westlichen Land.

Die Regierung erstellt laut Kanyasu zurzeit Wirtschaftspläne, sucht nach Investoren und berechnet den möglichen Gewinn. Auch die Länge der Seilbahn stehe noch nicht fest, es gebe verschiedenen Optionen je nach Kosten und technischen Möglichkeiten. Die Auswirkungen auf die Umwelt würden ebenfalls untersucht. Der Tourismusminister weist darauf hin, dass es auch woanders Seilbahnen in geschützten Gebieten gebe - wie etwa am Tafelberg in Kapstadt.

Die Pläne stoßen auf Widerstand bei den Verbänden der Tourenanbieter. Bergführer und Träger, die die Touristen auf Kilimandscharo bringen, protestieren. Sie fürchten um ihr Geschäft, sobald der Gipfel leicht per Seilbahn erreichbar wäre. Zwischen dem Kilimandscharo und dem Meru, einem Gipfel in der Nähe, würden etwa 20.000 Träger arbeiten, sagt Loishiye Mollel von Tansanias Trägervereinigung.

"Der Berg sollte so bleiben, wie er ist"

Die Wanderer würden etwa eine Woche am Kilimandscharo verbringen. "Ein Besucher aus den USA beschäftigt bis zu 15 Leute - darunter 13 Träger, ein Koch und ein Führer. All diese Jobs wären durch eine Seilbahn bedroht", sagt Mollel. "Der Berg sollte so bleiben, wie er ist."

Auch Bergsteiger sind gegen die Pläne der tansanischen Regierung. Einer von ihnen, Mark Gale, hat eine offizielle Petition auf Change.org gestartet: "Lets keep Kilimanjaro 'cable car' free". Umweltschützer befürchten, dass eine höhere Zahl an Touristen das empfindliche Ökosystem am Berg bedrohen würde. Das Massiv wurde bereits 1987 von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt, schon seit 1973 gibt es den Kilimandscharo-Nationalpark.

Bergsteiger auf dem Weg zum Gipfel des Kilimandscharo
R. Tyler Gross/ Aurora Open/ Getty Images

Bergsteiger auf dem Weg zum Gipfel des Kilimandscharo

Der Kilimandscharo gilt als ein technisch relativ leicht zu besteigender Fünftausender. Die größte Schwierigkeiten sind die Höhe und die extremen Temperaturunterschiede vom Fuß bis zum Gipfel - daher erreicht nur ein Teil der Wanderer den höchsten Punkt. Zur Akklimatisierung müssen sie fünf bis sieben Tage einplanen.

Der Tourismus ist der Hauptdevisenbringer in Tansania. Die Einkünfte stiegen 2018 um etwa sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr, auf rund 2,2 Milliarden Euro.

abl/Reuters



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