Oldtimer über Hamburg Lufthansa stellt "Tante Ju"-Rundflüge ein

Die Rundflüge mit der "Tante Ju" in Hamburg sind Geschichte. Die Lufthansa will den Betrieb des beliebten fliegenden Oldtimers nicht mehr bezuschussen.

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Ihr sonores Brummen am Himmel gehörte zum Hamburger Hafengeburtstag wie das Tuten der Schiffshörner: Als Deutschlands bekanntestes Oldtimer-Flugzeug ist die Ju 52 mit dem Kennzeichen D-CDLH (historisch D-AQUI) seit Jahrzehnten ein beliebter Werbeträger für die Lufthansa.

Die stets gefragten Tickets für die Rundflüge über dem Hamburger Hafen und andere Einsätze wird es aber in Zukunft nicht mehr geben. Der Lufthansa-Konzern hat die Passagierflüge mit der bald 83 Jahre alten Maschine aus Kostengründen gestoppt.

"Der Flugbetrieb der Ju 52 wurde Jahr für Jahr mit hohen Beträgen bezuschusst. Ein wirtschaftlicher Betrieb war auch perspektivisch nicht zu erreichen", begründet das Unternehmen den bei Fans unpopulären Schritt. Schließlich gehört der Veteran zu der Handvoll flugfähiger Maschinen des in den Dreißigerjahren extrem erfolgreichen Passagier- und Transportflugzeugs, von dem über 9000 zivile und militärische Exemplare gebaut wurden.

Ob und zu welchen Anlässen das "fliegende Denkmal" künftig noch abheben wird, ist unklar. Normale Fluggäste aber werden nicht mehr an Bord sein können. Tickets gebe es keine mehr, "gültige Gutscheine werden kulant erstattet", heißt es bei der zuständigen Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung.

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"Tante Ju": Aus für Hamburg-Rundflüge

Das künftige Konzept müsse nun erarbeitet und vom Vorstand abgesegnet werden, sagt Stiftungssprecher Wolfgang Servay. Vorstellbar seien beispielsweise Rundflüge ohne Passagiere etwa bei großen Luftfahrtveranstaltungen. Zum diesjährigen Hafengeburtstag wird es aber wohl nichts.

Zum Leidwesen ihrer leidenschaftlichen Piloten wird die Ju künftig wohl seltener abheben. "Die Motoren einer Ju 52 anzulassen, ist jedes Mal unheimlich schön", schwärmte Chefpilot Uwe Wendt zum 80. Geburtstag von "Tante Ju" im Jahr 2016: "Das ist Handarbeit und man braucht auch Muskelkraft."

Wendt erzählte von den Fluggästen, die oft eigene Erinnerungen an das Flugzeug hatten, zum Beispiel beim Transport von Verwundeten im Zweiten Weltkrieg. Die Ju 52 wurde zwar nicht als Militärflugzeug entwickelt, Flugzeuge des Typs sind jedoch auch als Hilfsbomber eingesetzt worden.

Zwei Oldtimer, zwei Sorgenkinder

Die im April 1936 ausgelieferte Ju wurde bei den Junkers-Werken in Dessau gebaut und ist nicht der einzige Oldtimer, der der Lufthansa Sorgen bereitet. Bereits im vergangenen Jahr hat der Konzern wegen überbordender Kosten das Projekt eingestellt, im US-Staat Maine eine "Lockheed Super Star" aus dem Baujahr 1957 wieder für Passagierflüge fit zu machen. Die auch als "Super Constellation" bekannte Propellermaschine mit vier Motoren erwies sich als Fass ohne Boden, in das nach unbestätigten Berichten schon 100 bis 200 Millionen Dollar geflossen sein sollen.

Fehlende Pläne, aufwendige Neukonstruktionen und modernere Werkstoffe sowie komplexe Genehmigungsverfahren waren auch bei der einstigen "Königin des Nordatlantiks" die Kostentreiber. Das stets als besonders schön beschriebene Flugzeug soll zerlegt und laut der Stiftung noch in diesem Jahr nach Deutschland verschifft werden. Ob es je wieder abheben wird, ist fraglich und ebenfalls Gegenstand der noch ausstehenden Neukonzeption für die Lufthansa-Oldtimer. Passagiere wird sie aber auch sicher nicht mehr an Bord nehmen.

Wie gefährlich der Betrieb alter Flugzeuge werden kann, zeigt der noch nicht restlos aufgeklärte Absturz einer Ju 52 im Schweizer Kanton Graubünden im vergangenen August. Sie war mit 16 Passagieren und vier Crewmitgliedern voll besetzt, niemand überlebte. An den Wrackteilen zeigten sich Rostschäden, die bei den Routinekontrollen unentdeckt geblieben waren, so das Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt. Die Behörde untersagte der Gesellschaft Ju-Air den Betrieb mit zwei weiteren Ju 52-Flugzeugen bis auf Weiteres. Man hoffe auf eine Betriebserlaubnis für diesen Sommer, heißt es bei dem Unternehmen in Dübendorf bei Zürich.

11.500 Flugstunden seit 1984

Die Hamburger Ju hat eine wechselvolle Geschichte mit Stationen in Norwegen, auf südamerikanischen Ölplattformen und bei US-Flugshows hinter sich. Die genaue Zahl der geleisteten Flugstunden kennt niemand. Für die Lufthansa, die den Flieger auf Initiative begeisterter Piloten 1984 zurück erwarb und in der Hansestadt umfassend restaurierte, hat sie seitdem rund 11.500 Stunden absolviert.

Aktuell steht die alte Dame in einem Hangar in München und wird während der Winterliegezeit repariert. Zuletzt wurde ein Schaden an der Motoraufhängung festgestellt, für die ein neues Teil mit modernen Werkstoffen gebaut werden muss. "Das kann man ja nicht einfach beim Hersteller bestellen", sagt Wolfgang Servay. "Man muss es mit hohem Ingenieursaufwand neu entwickeln." Es ist nur einer der Gründe für die hohen Kosten des Ju-Betriebs.

Christian Ebner, dpa



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ohminus 24.01.2019
1. "Der Flugbetrieb der Ju 52 wurde Jahr für Jahr mit hohen Beträgen..."
...bezuschusst" Bitte? Als ob das für die Lufthansa wirklich hohe Beträge wären. Aber sich schön in der Bordzeitschrift damit brüsten, dass eine Tante Ju zur Flotte gehören würde...
j1958 24.01.2019
2. Geier Sturzflug
Nun, wenn man gerade mal 3 Milliarden Gewinn gemacht hat bleibt halt für soziale oder historische Nettigkeiten nichts übrig, da muss man Verständnis aufbringen. Konzentration auf das Notwendigste: noch mehr Profit.
spon_7302413 24.01.2019
3. Zur Standardfolklore ...
... gehört es inzwischen, sich bei Entscheidungen zu Einsparungen und Aufgabe des Erhalts von Traditionen auf unspezifische Angaben über angebliche Unsummen zu stützen. Als ob in Zeiten von Einzelanfertigungen im CNC-Fräsverfahren aus beinahe beliebigen Werkstoffen, und Druckern, die jede beliebige Form nachbilden können, die Kosten der Teilefertigung ein überbordender Faktor sein können, wenn es um das Bewahren von Reststücken und dem besondere Extra geht. Ich sehe immer öfter die Reduktion auf die Gier nach dem Mehr und das Totsparen dessen, was die Kultur und die Gemeinschaft, das Erinnern und Bewahren, das Erhalten der Freude als Kontrapunkt zur reinen Produktivität und Gewinnmaximierung ausmacht. Statt Recycling und Erhalt Wegwerfmantalität, statt Kultur und Feingesit, BWLProseminar-und-McKinsey. Jämmerlich.
kalsu 24.01.2019
4. Schaden an der Motoraufhängung
Was vor mehr als 80 Jahren mit der Hand gebaut und 80 Jahre gehalten hat, muss man nicht mit hohem Ingenieursaufwand neu entwickeln sondern mit handwerklichen Fähigkeiten nachbauen. Mir kommt da der Artikel über Michael Schmiedl, Fachmann für Fliesenverlegung, Balkon- und Terrassensanierung im niederbayerischen Landkreis Kelheim in den Sinn: Zitat" So ein (Automobil)ingenieur, der hat im Normalfall zwei linke Hände, die können überhaupt nichts. Die können nicht mal einen Nagel in die Wand klopfen. Das sind komplette Theoretiker."
betonklotz 24.01.2019
5. Möglicherweise ist das Kostenargument nur vorgeschoben
Ich könnte mir vorstellen das in Wahrheit Sicherheitsbedenken das eigentliche Motiv sind. Ein Restrisiko bleibt natürlich immer auch bei modernen Maschinen. Aber bei solchen Oldtimern ist es ganz besonders schwer abzuschätzen.
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