Tarifstreit Fluglotsen-Streik ist vorerst abgewendet

Seit Tagen bangen Urlauber, deren Abflug kurz bevor steht: Treten die Fluglotsen in Streik oder nicht? Nun scheint der drohende Ausstand vorerst vom Tisch. Zunächst will die Deutsche Flugsicherung die Schlichtung anrufen.


Frankfurt/Main – Die Gewerkschaft der Flugsicherung hat das Verhandlungsangebot der Arbeitgeber am Mittag abgelehnt. Dennoch scheint es vorerst Entwarnung für einen sofortigen Streik zu geben, denn nach Angaben aus Verhandlungskreisen wird jetzt damit gerechnet, dass die Deutsche Flugsicherung die Schlichtung einleitet. Dann würde für 14 Tage eine Friedenspflicht gelten. Nach Ablauf der Frist wären Streiks aber wieder möglich.

Als Schlichterin sei nach Informationen der Deutschen Presseagentur die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) vorgesehen. Bereits bei einer früheren Tarifrunde war es zu einer Schlichtung, damals unter dem früheren Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU), gekommen. Damals war Biedenkopf von den Arbeitgebern und Däubler- Gmelin von den Arbeitnehmern als möglicher Schlichter genannt worden.

Am Mittwoch hatte der Arbeitgeber ein erstes konkretes Angebot vorgelegt, das aber wichtige Fragen noch ausklammert. Die Gewerkschaft der Fluglotsen (GdF) hatte sich bereits gestern sehr skeptisch zu dem Angebot geäußert. Die Fluglotsen verlangen vier Prozent mehr Lohn für die Zeit vom 1. November 2006 bis zum 31. Oktober 2007. Die Flugsicherung hat unter anderem eine Erhöhung der Vergütung um drei Prozent angeboten.

Bis zu 6000 Flüge wären von einem Streik betroffen

Die Flugsicherung habe mit ihrem unnötig langen Zögern die Gewerkschaft zur Vorbereitung des Streiks gedrängt. Ihr Verhalten während der Tarifauseinandersetzung sei "unterirdisch", sagte GdF-Sprecher Marek Kluzniak heute im ZDF-"Morgenmagazin". "Es wurden Vorstandsmitglieder massiv bedroht, es wurde ihnen nachgeschnüffelt, es wurde insgesamt ein Klima der Angst innerhalb der Firma verbreitet, es wurden hier Zahlen manipuliert", kritisierte der GdF-Sprecher. Das sei unverständlich in "einer Luftfahrtbranche, der es momentan blendend geht" und "wo ein Rekord nach dem nächsten gebrochen wird".

Nach bisherigen Plänen soll der Streik binnen weniger Tage beginnen. Dann wären vorübergehend nur noch ein Viertel aller Flüge von und nach sowie über Deutschland möglich. Hunderttausende Passagiere in Europa müssten sich auf Ausfälle und lange Warteschlangen gefasst machen. Bundesweit könnten täglich bis zu 6000 von insgesamt 8000 Starts, Landungen und Überflügen betroffen sein.

abl/ffa/ddp/Reuters/dpa



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