Taufe der "MSC Magnifica" Klein-Italien im Hamburger Hafen

Eine italienische Diva lässt sich mit Champagner feiern: Die "MSC Magnifica" wird am Samstag in Hamburg getauft. Das riesige Kreuzfahrtschiff der neapolitanischen Reederei MSC Crociere brachte südländischen Charme mit in die Hansestadt - und ein bisschen Chaos.

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Schiffstaufe "MSC Magnifica": Italien in Hamburg
Ein Hauch von Italien liegt in der Winterluft von Hamburg. Mitgebracht hat es eine Diva mit Heimathafen Venedig: das Kreuzfahrtschiff "MSC Magnifica", die "Großartige". Nicht nur palavern Offiziere in blauer Uniform mit viel Armeinsatz auf der Gangway, der Kellner im Restaurant schäkert mit einem Augenblinzeln - es herrscht auch Chaos an Bord. Wenn man so will, könnte es sogar an Neapel erinnern. An die italienische Hafenstadt, die des Öfteren mit Organisationsproblemen zu kämpfen hat und zugleich Firmensitz der Eignerin der "Magnifica" ist, der Reederei MSC Crociere.

Schon morgens ab 11 Uhr hätten die Gäste der Überführungsfahrt von Frankreich das Schiff verlassen sollen. Fünf Stunden später warten in Bars und Lounges noch immer Hunderte Kreuzfahrer auf ihren Aufruf zum Auschecken. Dick verpackt in Mäntel und Schals, inzwischen wortlos und mürrisch. "Eine Katastrophe!", zischt eine Passagierin, die mit ihrem Rollkoffer dem Schiff entkommen konnte und zum Hamburger Hauptbahnhof strebt, "mein Zug nach Hause ist weg."

Einem Täufling aber sollten solche Kinderkrankheiten zu verzeihen sein. Auch dass Pasta und Pizza in den Bordrestaurants an einen Testlauf denken lassen, wie eine Kreuzfahrerin mit grauer Haarwelle bemerkt. Doch die "Magnifica" erhält erst am Samstagabend in Hamburg ihre Champagnerdusche und viele "Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel"-Wünsche auf den Weg. Wie immer bei der Reederei MSC ist Sophia Loren Patin, eine weitere italienische Diva. Eros Ramazzotti und der Deutsche Sasha werden ihre Ständchen beitragen

40 Prozent mehr Gäste als im Vorjahr

Die Reederei, die ihre letzten Schiffe meist in wärmeren Gefilden wie Barcelona oder Venedig taufen ließ, lockt der gute Ruf Hamburgs als Kreuzfahrt-Metropole in den Norden. Immerhin wurden im vergangenen Jahr rund 41 Prozent mehr Passagiere als im Vorjahr im Hafen abgefertigt, ein Rekordergebnis - dazu kommt die anhaltende Schiffsbegeisterung der Hanseaten. Erst im Februar taufte Aida Cruises aus Rostock ihren Neuzugang mit einer opulenten Tauffeier offiziell auf "Aida Blu". Und auch die italienische Gigantin - mit fast 300 Metern Länge und über 93.000 BRZ um einiges größer als die "Blu" - lässt wieder Schaulustige zum Grasbrookkai pilgern.

Gerade um die Deutschen mit ihrem enorm wachsenden Interesse an Schiffsfahrten buhlt MSC, die vor über fünf Jahren ihre Tochter MSC Kreuzfahrten in München stationiert hat. Im vergangenen Jahr profitierte die italienische Marke ähnlich wie ihre Konkurrentinnen: Die Reederei zählte 20 Prozent mehr deutsche Gäste als im Vorjahr, sagte der Münchner Geschäftsführer Falk-Hartwig Rost, international legte der Konzern um 40 Prozent bei den Passagierzahlen zu.

Im Gegensatz zur ersten Fahrt nach Hamburg - hier dominierte die Generation 60 plus - sollen künftig noch mehr Familien an Bord sein. Für 2010 rechnet Rost mit rund 200.000 Passagieren aus Deutschland auf der MSC-Flotte, die dann auf elf Schiffen insgesamt 1,2 Millionen Gäste befördern will.

Pompeji-Fresken und asiatische Skulpturen

Auch der Neuzugang "Magnifica" soll mit seiner Kapazität von bis zu 3000 Gästen dazu beitragen. Die "Großartige" ist nach "Musica", "Orchestra" und "Poesia" die vierte Schwester der "Musica-Klasse" und unterscheidet sich von diesen nur durch den "Magrodome", einen Pool mit Schiebedach für kühlere Reiseziele. Ansonsten dominiert wieder strenges Schwarzweiß die Fassade - und im Inneren der 13 Decks überwältigt italienische Grandezza: Marmor, Messing und Säulen sorgen für den nötigen Pomp. Glitzernde Halogendeckenstrahler, Tütenleuchten und Spiegel bringen Licht und Reflektion in die 17 Bars und Lounges und fünf Restaurants, in das "Royal Theatre" und die Einkaufspassage.

Das südeuropäische Ambiente wird nur im "MSC Aurea Spa" durchbrochen. Hier im Massage- und Sauna-Bereich setzen die Designer von MSC - ebenso reflexartig wie Aida Cruises und Co. - auf den Zauber Asiens. Mit einem freundlichen "Sabai di kah" begrüßen thailändische Therapeutinnen ihre Kundinnen. Zu Vogelskulpturen geknotete Handtücher thronen auf Tresen und unter asiatischen Skulpturen. Nur den Eingang zieren noch Pompeji-ähnliche Fresken mit flötenspielenden Römern - natürlich zwischen Säulen.



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DonLucio 06.03.2010
1. Chaos? Welches Chaos?
Zitat von sysopEine italienische Diva lässt sich mit Champagner feiern: Die "MSC Magnifica" wird am Samstag in Hamburg getauft. Das riesige Kreuzfahrtschiff der neapolitanischen Reederei MSC Crociere brachte südländischen Charme mit in die Hansestadt - und ein bisschen Chaos. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,682142,00.html
Chaos? 5 Stunden warten bis zum Aus-checken? Pizza ungenießar? Das dürfte wirklich nur dem Umstand geschuldet sein, dass es sich um die allererste Fahrt des Schiffes und somit auch den ersten echten Einsatz der Besatzung gehandelt hat. Ich habe jedenfalls mit MSC andere Erfahrungen gemacht, auf der nochmal etwas größeren "MSC Fantasia", vor gut 1 Jahr in Dienst gestellt. Ein Riesendampfer, aber mit - nahezu - perfekter Organisation und ausgezeichneter Küche. Einen detaillierten Bericht über eine 11-Tage-Mittelmeerkreuzfahrt mit der "MSC Fantasia" kann man im Netz z.B. hier finden: http://kreuzfahrt2.zworks.de/main.php?C=1&V=T2 Dort ist auch von Chas ziemlich wenig die Rede. Vielleicht war ja auch die etwas behäbige Hamburger Hafenwirtschaft für die Wartezeit verantwortlich?
altruist 06.03.2010
2. MSC nie mehr
MSC-Nie wieder. An Bord ist nichts von italianita zu spüren.Der Service besteht von Zimmer bis zu dem Restaurantpersonal überwiedend aus Asiaten mit mehr oder minder guten Manieren. Die Offiziere sind eingebildete Machos und die Kapitäne herablassend. Kät`ns-Dinner - Fehlanzeige, nur Fototermin mit Absahne durch den Bordfotograf.Anschliessend nur Cocktailempfang.Und wenn es dem capitano nicht gefällt oder die Kasse nicht stimmt,wird einfach eine Anlaufstation ausgelassen (das Wetter/der Seegang ist schuld) und ein langweiliger Seetag mit slow go daruas gemacht-Ersatzleistung keine. Selbst die Seenotübung ist ein Termin für den Bordfotografen, eigenes Fotoshooting unerwünscht. Auch hier gilt-ich muss es mal deutlich sagen-was nix kostet,ist auch nix!!!gilt auch für die lieben ;-)) Mitreisenden. Noch ein Hinweis für Reisende auf italienischen Schiffen;nie im ferroagosto (Sommerferien) fahren,überfüllt mit Kindern,weil die gratis bzw.stark verbilligt mitreisen dürfen.Dagegen wird von Alleinreisenden ein horrender Einzelkabinenzuschlag gefordert,der im Prinzip die Kinder mitfinanziert.
gugugy 07.03.2010
3. Artenschutz passé?
Welche Schlafmütze beim Zoll hat Sophia Loren mit ihrer Handtasche aus mutmaßlichem Krokoleder einreisen lassen? Ich finde, es ist ein Skandal wie ungeniert sich die Diva damit in Hamburg den Presse-Fotografen zeigte. Und ebenso ein Skandal, dass die MOPO ein Foto der Loren mit dieser Handtasche zeigt und dies verpennte. Oder fällt die Loren selbst schon unter Artenschutz und genießt Prommi-Immunität?
axelkli 07.03.2010
4. @ altruist
das gilt übrigens auch für Costa. MSC..MSC? das ist doch ein Laden der ehrenwerten Gesellschaft....
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