Taufe in der Hamburger Hafencity "Mein Schiff 3" nimmt Kurs

Feuerwerk auf der Elbe: "Mein Schiff 3" ist in der Hamburger Hafencity getauft worden. Das Event bedeutet zugleich den Abschied von TUI-Cruises-Chef Richard Vogel, der die Reederei in der Hansestadt aufgebaut hat.

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Festgetäut am Pier vor der Hamburger Hafencity hat ein 295 Meter langer blauweißer Oceanliner auf seine große Stunde gewartet: Am Nachmittag taufte Schlagersängerin Helene Fischer den Neubau der Reederei TUI Cruises auf "Mein Schiff 3", am Freitag geht es zur Jungfernfahrt Richtung Mallorca. Der interessantesten Kreuzfahrt-Neuheit des Jahres wäre dabei zwar ein modernerer Name zu gönnen: "TUI Hideaway" oder "TUItertia" vielleicht oder - der Bordsprache entsprechend - "Fahr Bar" oder "Mach Bar".

Seine Fans aber hat die 99.400 BRZ große und großzügig gestaltete "Mein Schiff 3" schon vor der Taufe gefunden: "Ein Schiff wie ein lichter Sommertag", titelt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", und auch die Reisebüromitarbeiter, die bereits die neuen Kabinen einweihen konnten, sind überwiegend begeistert: "Geniales Schiff, innovative Details" lautet ein Kommentar auf der Facebook-Seite. Nur die Umweltschützer vom Nabu sind erwartungsgemäß wenig erfreut - sie fordern auch für das bisher umweltfreundlichste Schiff auf dem Markt Rußfilter und den Verzicht auf Schweröl.

TUI Cruises, vor sechs Jahren als Joint Venture von TUI und Royal Caribbean Cruises gestartet, setzt sich mit "Mein Schiff 3" nach zwei erfolgreichen Second-Hand-Kähnen seinen ersten Neubau vor die Haustür. Ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag habe er gekostet, sagt Reederei-Chef Richard Vogel. Noch vor dem Aufschwimmen geriet der Oceanliner in schwere See: Die Bauwerft STX Finland in Turku ist angeschlagen, eine Insolvenz droht.

TUI-Cruises-Schwester hinkt hinterher

"Mein Schiff 3" ist zwar noch glimpflich mit nur wenigen Tagen Verzögerung davongeschippert. Doch ihre Schwester "Mein Schiff 4", die 2015 auf den Markt kommt, liegt erst zu 45 Prozent fertig gestellt im Dock, und auch angedachte Nachfolgerinnen sollten hier gebaut werden. Noch könnte es klappen: Zurzeit laufen Gespräche zwischen der Meyer Werft in Papenburg und dem finnischen Staat über eine gemeinsame Übernahme von STX Finland, wie Meyer-Werft-Sprecher Peter Hackmann bestätigt. Ein Ergebnis sei nicht in Sicht.

Die unsichere Finanzlage der finnischen Werft brachte Richard Vogel mit seinem Projekt "Wohlfühlflotte" nicht von einem erfolgreichen Kurs ab: Schon jetzt ist die "Mein Schiff 3" für den kommenden Sommer fast ausgebucht. Im vergangenen Jahr lag die Auslastung der beiden ersten Schiffe bei knapp 102 Prozent (auch Zustellbetten wurden gebucht), die Durchschnittsrate bei 157 Euro pro Person und Tag.

Die Aussichten für das junge Unternehmen bewertet der Mutterkonzern TUI als "ausgesprochen attraktiv", eine Ausweitung mit eine neuen Marke in den britischen Markt sowie weiteres Flottenwachstum sei denkbar. Damit liegt TUI Cruises im Trend: Die Kreuzfahrtbranche wächst nach wie vor mit erstaunlichen Raten; im vergangenen Jahr gingen 1,7 Millionen Deutsche an Bord, 9,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Allein Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, Halbschwester von TUI Cruises und Sorgenkind des Konzerns, hinkt hinterher.

Im Geschäftsjahr 2012/2013 lag die Auslastung der Hapag-Lloyd-Flotte bei nur knapp 71 Prozent, das Ergebnis der Reederei mit einem zweistelligen Millionen-Betrag im Minus. Im vergangenen Quartal soll sich der Umsatz wieder erhöht haben. Aber die 2013 in Dienst gestellte "Europa 2" liegt Hapag-Lloyd Kreuzfahrten weiter auf der Tasche. Das Unternehmen muss das Superluxusschiff für fast 30 Millionen Euro im Jahr von einem 82-jährigen Fan, dem Ex-Unternehmer Otto Mihm, pachten, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete. Zu viel angesichts der geringen Auslastung - noch vor der Jungfernfahrt musste der damalige Geschäftsführer Sebastian Ahrens gehen.

Vogel setzt Segel

Auch bei TUI Cruises steht ein Personalwechsel an. Ungeplant wurde am Tag vor der "Mein Schiff 3"-Taufe bekannt, dass Geschäftsführer Richard Vogel zu neuen Ufern aufbrechen will. Er werde "außerhalb des TUI-Konzerns eine neue Aufgabe im Top-Management" übernehmen, lautet die Pressemitteilung. Vogel sagte demnach: "Für mich persönlich ist dies ein guter Zeitpunkt, noch einmal einen anderen Kurs einzuschlagen." Welchen allerdings gibt er noch nicht bekannt.

Der 58-jährige Richard Vogel hat der deutschen Kreuzfahrtbranche entscheidende Impulse gegeben: Bei Aida-Cruises machte er als Marketingchef das Konzept der Clubschiffe bekannt, beim TUI-Konzern war er für die Gründung von TUI Cruises zuständig, initiierte als CEO die All-Inclusive-Politik an Bord und sprach die Generation der Baby-Boomer als Zielgruppe an. "Seine Nachfolge ist entschieden und wird in den nächsten Wochen bekannt gegeben", sagt der TUI-Vorstandsvorsitzende Friedrich Joussen. Dann ist die "Mein Schiff 3" schon längst auf Kurs.

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Probefahrt vor der Taufe: So sieht "Mein Schiff 3" aus

Information zu "Mein Schiff 3"

Taufe: Am 12. Juni ab 16.30 Uhr hat Helene Fischer "Mein Schiff 3" in Hamburg am Cruise Center in der HafenCity (Großer Grasbrook) getauft.Ab 19 Uhr wird bei einem Live-Konzert auf dem St. Pauli Fischmarkt weitergefeiert. Um 21 Uhr legt der Täufling ab. Gegen 22.30 Uhr gibt es ein Feuerwerk auf der "Mein Schiff 3" vor dem Fischmarkt.
Routen: Die Jungfernfahrt führt die "Mein Schiff 3" nach Mallorca. Dann stehen Turns ab Malta ins westliche Mittelmeer und entlang der Adria auf dem Programm. Den Winter verbringt das Schiff auf den Kanaren. Eine Ein-Wochen-Tour im Mittelmeer kostet zum Beispiel in einer Balkonkabine bei Doppelbelegung circa 1800 Euro pro Person inklusive Flug.

insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
andihh75 12.06.2014
1.
Hauptsache die Leute haben Spaß an Bord! Was zählen da schon Umwelt und Naturschutz oder gar der ökologische Fußabdruck! Es ist irre wie sehr das Volk sich steuern lässt und meint jedem sogenannten Trend folgen zu müssen!
at.engel 12.06.2014
2. optional
Keine Ahnung wie ökologisch Kreuzfahrten sind, oder auch nicht. Aber wenn ich mir vorstelle, dass da tausende von Leuten alle mit ihrem SUV, oder was sonst, gleichzeitig immer in die gleichen Städte einfallen, finde ich die Lösung mit der Kreuzfahrt schon besser.
mascho44 12.06.2014
3. Kreuzfahrten
Liebe andihh75. Wenn du keine anderen Probleme hast.als auf Kreuzfahrtschiffe zu schimpfen, dann solltest du dich mal in der Welt umschauen. Warte mal ab, wenn das Freihandelsabkommen mit den USA kommt!!! Dann fliegt uns die Umwelt um die Ohren!!! Die Kreuzfahrer werden dann zu einem kleineren Problem.
mascho44 12.06.2014
4. MeinSchiff 3
Liebe/r andihh75 Wenn du mal Zeit hast, solltest du dich mal mit dem Freihandelsabkommen zwischen EU und USA befassen! Was da auf uns zukommt- Oha! Dagegen sind die Kreuzfahrer wie ein Pups meiner Katze. Ansonsten finde ich es auch unmöglich, dass bei dem Stand der heutigen Technik die Dinger noch als Dreckschleudern umherfahren !
seppfrieder 12.06.2014
5. Einfältig
Einfältiger Schiffsname, der sich so nach Prahlhans und Prahlmarie anhört Mein Haus, meine Auto, mein Boot und jetzt halt mein Schiff. "Käthe Dimpfelhuber" wäre ein wenigstens nicht so einfälltiger nach Prahlhans Neureich riechender Name. Geld allein macht halt auch nicht gescheit.
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