Technische Neuerung Deutsche Bahn minimiert Lautsprecherdurchsagen

Weniger Durchsagen am Gleis: Die Deutsche Bahn will an Tausenden Bahnhöfen die regulären Lautsprecheransagen streichen. Als Ersatz soll es bald ein moderneres System mit neuen Anzeigetafeln und Stimmen vom Band geben.


Berlin/Wiesbaden - Die Deutsche Bahn wird auf den bundesweit 4500 kleinen Bahnhöfen keine regulären Lautsprecheransagen mehr machen. Wie die "Bild"-Zeitung berichtete, soll es nur noch Durchsagen bei Verspätungen, Gleisänderungen oder einer neuen Reihenfolge der Wagen geben.

Fahrgäste im Berliner Hauptbahnhof: 59 Millionen Menschen nutzten in der ersten Hälfte des Jahres 2008 den Fernverkehr der Bahn.
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Fahrgäste im Berliner Hauptbahnhof: 59 Millionen Menschen nutzten in der ersten Hälfte des Jahres 2008 den Fernverkehr der Bahn.

Grund für die Änderung sind die von den Regulierungsbehörden vorgeschriebenen einheitlichen Standards für Ansagen auf allen Bahnhöfen. Bei der Umsetzung hatte die Bahn Schwierigkeiten, weil die Fahrdienstleiter, die auch Schranken und Signale bedienen, häufig überlastet waren und Ansagen ausfielen.

Bahn-Sprecher Martin Walden bestätigte die Pläne, erklärte aber: "Wir werden auch zukünftig alle für den Reisenden wichtigen Informationen durchsagen. Dabei gewährleisten wir eine einheitlich hohe Qualität der Durchsagen." Auf kleinen Bahnhöfen will die Bahn in den nächsten Jahren automatische Ansagen vom Band abspielen.

Das sei jedoch keine Kürzung der Leistungen der Bahn, sagte André Zeug, Chef der DB Station & Service AG. Im Gegenteil: Es bedeute eine Modernisierung. Die Bahn wolle die Information der Fahrgäste auf kleinen Bahnhöfen durch technische Neuerungen verbessern. Ab 2009 soll probeweise ein neues elektronisches Programm für Anzeigetafeln und Durchsagen gestartet werden, das Fahrgäste auch weiterhin über Abweichungen vom Fahrplan wie zum Beispiel Verspätungen oder Gleiswechsel informiert.

Derweil freut sich die Bahn über mehr Fahrgäste. Denn vor allem die gestiegenen Benzinpreise haben dazu geführt, dass allein im ersten Halbjahr 2008 rund 59 Millionen Menschen die Fernzüge der Bahn benutzten - das sind 2,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Im öffentlichen Nahverkehr ging die Zahl der Fahrgäste zwar etwas zurück - um 0,4 Prozent auf 5,2 Milliarden - Grund dafür sei aber ein mehrwöchiger Streik in Berlin. Insgesamt legten die knapp 5,2 Milliarden Fahrgäste im Nahverkehr pro Fahrt durchschnittlich 9,3 Kilometer zurück. Reisende im Fernverkehr fuhren durchschnittlich 290 Kilometer.

Das deutliche Plus bei den Fahrgastzahlen hängt mit einem ebenso deutlichen und überdurchschnittlichen Anstieg der Mobilitätskosten zusammen. In der vergangenen acht Jahren, so das Statistische Bundesamt, sei Superbenzin 42,5 Prozent teurer geworden, der Preis für Diesel kletterte sogar um 75,9 Prozent. Mit einer Steigerung um 36,3 Prozent haben die Preise im öffentlichen Nahverkehr zugelegt, Bahntickets sind um 27 Prozent teurer geworden.

car/ddp/AFP/AP



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