Reisen am Ruhetag Tel Aviv startet Busverkehr am Sabbat

Der öffentliche Nahverkehr steht am jüdischen Ruhetag Sabbat vielerorts in Israel still. In Tel Aviv soll sich das nun ändern - mit Buslinien, die am Samstag fahren. Massive Kritik daran ist zu erwarten.

Geparkte Busse in Tel Aviv: "Soziale Gerechtigkeit erreichen"
Corinna Kern/ Reuters

Geparkte Busse in Tel Aviv: "Soziale Gerechtigkeit erreichen"


Künftig soll es in Tel Aviv einfacher sein, sich am Wochenende von A nach B zu bewegen: Die israelische Stadt will am jüdischen Ruhetag Sabbat öffentlichen Busverkehr anbieten. Sieben Buslinien sollen bis zum Jahresende starten, teilte die Stadtverwaltung mit. Sie sollen die Stadt unter anderem mit mehreren Vororten verbinden.

Damit stellt sich Tel Aviv - zweitgrößte Stadt des Landes - gegen Teile der rechts-religiösen Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Nach jüdischem Religionsgesetz ist am Sabbat, der von Freitagabend bis Samstagabend dauert, unter anderem die Benutzung von Bussen und Autos verboten.

In den meisten Gegenden in Israel fahren daher während des Sabbats keine öffentlichen Verkehrsmittel. Eine Ausnahme ist die Hafenstadt Haifa. Hier lebt eine große arabische Gemeinde, Busse verkehren das ganze Wochenende über.

In der 430.000-Einwohner-Stadt Tel Aviv fahren am Sabbat bisher nur Kleinbusse als Sammeltaxis auf mehreren Linien, allerdings ohne feste Haltestellen. Die Benutzung der nun angekündigten Busse soll zunächst kostenlos sein.

"Verkehrsmittel spielen eine große Rolle darin, soziale Gerechtigkeit zu erreichen", sagte Meital Lehavi, Vizebürgermeisterin und verantwortlich für den Verkehr. Es gehe um gleiche Mobilität für alle, auch für diejenigen, die kein Auto oder keinen Führerschein hätten. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass der Betrieb der Busse am Sabbat pro Jahr rund 3,2 Millionen Euro kosten wird.

Strengreligiöse Regierungsmitglieder hatten ähnliche Initiativen in der Vergangenheit scharf kritisiert. Kürzlich hatte auch die Stadt Ramat Gan nahe Tel Aviv öffentlichen Busverkehr am Sabbat gebilligt. Die Partei Vereinigtes Tora-Judentum sprach laut der Zeitung "Times of Israel" anschließend von der "Zerstörung religiöser Werte und der Heiligkeit des Sabbats".

Sehen Sie hier Fotos von Tel Avivs legendärem Busbahnhof

jus/dpa



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