Terror in Thailand Bomben zielten auf Touristen

Bei Bombenanschlägen in einem Touristenort im Süden Thailands sind am Wochenende vier Menschen getötet und mehr als 70 verletzt worden. Es ist der erste Anschlag in der von Separatistenunruhen erschütterten Region, der sich gezielt gegen Touristen richtete.


Hat Yai - Sechs Bomben explodierten am Samstagabend in dem Ort Hat Yai fast zeitgleich vor Kaufhäusern, Cafés und einem Hotel, wie die Polizei mitteilte. Dabei wurden drei Thailänder und ein Kanadier getötet. Unter den 72 Verletzten waren 14 Ausländer, wie Gesundheitsminister Pinit Jarusombat sagte. Deutsche kamen demnach nicht zu Schaden. Hat Yai liegt in der Provinz Songkhla im Süden von Thailand und ist ein beliebtes Ziel von Touristen aus Malaysia, Singapur und Indonesien.

Die Region an der Grenze zu Malaysia wird seit Anfang 2004 von Unruhen erschüttert. Bislang kamen mehr als 1400 Menschen ums Leben. Der Anschlag in Hat Yai war dabei der erste, der sich gezielt gegen Touristen richtete. Für die drei südthailändischen Provinzen Narathiwat, Yala und Pattani hat die Regierung im letzten Jahr den Notstand ausgerufen. Das deutsche Auswärtige Amt rät seitdem vor Reisen in diese Provinzen und sowie die in der Nachbarschaft liegende Provinz Songhkla an der Grenze zu Malaysia dringend ab. Nach Informationen des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalter-Verbands hat kein größerer Reiseveranstalter in Deutschland die Region im Programm.

Ein Sprecher der Polizei sagte, zwei Sprengsätze seien inmitten eines beliebten Kneipenviertels auf Motorrädern platziert und per Handy gezündet worden. Die vier anderen Bomben seien demnach an den Eingängen zweier Kaufhäuser und eines Hotels detoniert. Die Behörden evakuierten unmittelbar nach den Explosionen fast tausend ausländische und thailändische Touristen aus den umliegenden Hotels, wie die Zeitung "Nation" berichtete. Der Kanadier habe als Englischlehrer gearbeitet, sagte der Gouverneur der Provinz Songhkla, Somporn Thaibanyong. In den Krankenhäusern wurden gestern noch etwa 20 Schwerverletzte behandelt, betonte Somporn.

Gewalt in Südthailand eskaliert

Experten warnten am Sonntag vor einer Eskalation der Lage in Südthailand. Der Süden des überwiegend buddhistischen Thailand ist mehrheitlich von Moslems bewohnt. Die Gegend nahe der Grenze zu Malaysia wird immer wieder von Anschlagserien erschüttert. Ende August explodierten in der südöstlichen Provinz Bomben in 22 Banken. Am 2. August detonierten fast 100 Bomben und Brandbomben. Ende Juni richtete sich eine Anschlagserie gegen 46 Einrichtungen von Polizei, Regierung und Wirtschaft.

Der Politologe Dana Dillon von der Heritage Foundation in Washington sagte, dass nun erstmals Touristen angegriffen worden seien, heiße "dass der Krieg definitiv ausgeweitet wird". Sunai Phasuk von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sagte, die Gewalt im Süden Thailands eskaliere derzeit "bezüglich der Zahl der Anschläge, bezüglich ihrer Wirkung und in Bezug auf ihre Tödlichkeit".

Wer hinter den Anschlägen steckt, ist unklar. Experten vermuten als Urheber ein Netzwerk aus Islamisten und Separatisten mit Verbindungen zum organisierten Verbrechen. Eine Verbindung zu den Terrororganisationen al-Qaida oder Jemaah Islamiah sehen sie hingegen nicht. In der Region brodeln gewalttägige Unabhängigkeitsbestrebungen, seit Thailand vor einem Jahrhundert ein unabhängiges Sultanat annektierte.

abl/AFP/dpa



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