Terroralarm in Mumbai Was Indien-Urlauber beachten müssen

Sicherheitstipps für Touristen: Das Auswärtige Amt warnt davor, Mumbai zu bereisen, zahlreiche Veranstalter stellen ihre Routen um. Doch nicht jeder Indien-Reisende kann jetzt problemlos umbuchen.


Düsseldorf/Berlin - Die Terrornacht von Mumbai hat bei vielen Menschen Entsetzen und Angst ausgelöst - nicht zuletzt bei den Fans von Asien-Reisen. Wer gerade einen Indien-Aufenthalt plant oder ihn schon gebucht hat, dürfte sich nun verstärkt Gedanken um seine persönliche Sicherheit auf dem Subkontinent machen. Und was das Auswärtige Amt in Berlin in seinem Reisehinweis zu Indien schreibt, trägt nicht zur Beruhigung bei: "Mit weiteren Anschlägen auf bevorzugte Reiseziele von Touristen in Indien muss gerechnet werden", heißt es dort. Einen Grund, Indien-Touren mit Reiseveranstaltern jetzt absagen zu können, bietet dieser Satz alleine aber nicht.


"Solche Hinweise stehen bei vielen Ländern im Reisehinweis", sagt Beate Wagner, Juristin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Entscheidend sei, dass das Ministerium konkret vom Besuch eines Zieles abrät. Das ist seit Donnerstag der Fall: Von Reisen nach Mumbai wird nun "bis auf weiteres abgeraten", erklärt das Ministerium auf seiner Internet-Seite. Wer schon in der indischen Metropole ist, sollte sich "in geschlossenen Räumen aufhalten, bis die lokalen Behörden die Lage für ausreichend sicher halten". Das reicht nach Wagners Ansicht, um Mumbai-Reisen jetzt kostenlos absagen zu dürfen.

Entsprechend verhalten sich auch einige Reiseanbieter. Die Lufthansa zum Beispiel bietet kostenlose Stornierungen und Umbuchungen zu anderen Zielen in Indien an, und zwar für alle Tickets mit dem Ziel Mumbai, bei denen die Reise bis zum 1. Dezember beginnt.

Kostenlose Umbuchung nicht immer möglich

"Bis auf weiteres" ermöglicht auch der Veranstalter Studiosus das kostenfreie Umbuchen und Stornieren von Indien-Studienreisen - allerdings nur, wenn im Reiseplan ursprünglich ein Mumbai-Aufenthalt vorgesehen war. Ab sofort macht Studiosus zwar einen Bogen um die Metropole und bietet dort weder Übernachtungen noch Besichtigungen an. Stattdessen werden bei den Gruppen zum Beispiel Badeaufenthalte in Goa verlängert, sagt Sprecher Frano Ilic in München.

Karte: Die Anschlagsorte in Mumbai
SPIEGEL ONLINE; Google Earth

Karte: Die Anschlagsorte in Mumbai

Wer eine dieser Touren gebucht hat, hatte aber möglicherweise besonders den Tag in Mumbai auf der Rechnung - und darf deshalb nun stornieren. Für alle anderen Indien-Reisen gilt das nicht. Kostenlose Stornos und Umbuchungen sind bei Dertour und Meier's Weltreisen derzeit nicht möglich.

Auch andere deutsche Reiseveranstalter meiden jetzt allerdings die Stadt Mumbai. So hat der Konzern Thomas Cook für eine Reisegruppe, die am Wochenende nach dem Anschlag die Metropole besuchen sollte, eine neue Route ausgearbeitet. Die TUI, deren Indien-Gäste ohnehin höchstens mal für ein Abendessen während einer Umsteigepause vom Flughafen in die Stadt fuhren, hat diese kurzen Ausflüge ebenfalls "bis auf weiteres" gestrichen, so Sprecherin Anja Braun in Hannover.

Für den Indien-Tourismus aus Deutschland spielt Mumbai ohnehin nur eine kleine Rolle. Dertour hat nur zwei, Meier's Weltreisen drei Partnerhotels in der Stadt. Für viele Indien-Urlauber ist Mumbai der Start- oder Endpunkt einer Rundreise, zum Teil mit einem Badeaufenthalt verbunden. "Das ist kein Massenziel, sondern vor allem ein Geschäftsreisen- und Studienreisenziel", sagt Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV) in Berlin.

Dies zeigt auch die Zahl der Gäste, die einzelne Veranstalter in der Terrornacht in Mumbai untergebracht hatten: Wie das Branchenblatt "fvw" aus Hamburg in seiner Online-Ausgabe berichtet, waren es bei Studiosus und beim Asien-Spezialisten Tischler Reisen aus Garmisch-Partenkirchen jeweils genau zwei Urlauber. "Ein Großteil der Indien-Reisenden sind Geschäftsreisende", sagt DRV-Sprecher Schäfer - und die buchen nun mal nicht über Veranstalter, sondern individuell.

Die langfristigen Folgen der Terrornacht von Mumbai für den Indien-Tourismus aus Deutschland sind schwer abzuschätzen. In das Land mit der zweitgrößten Bevölkerungszahl der Welt reisten im Jahr 2007 nach DRV-Angaben schätzungsweise etwa 137.000 Bundesbürger. Im Vergleich etwa zu den 537.000 deutschen Thailand-Reisenden im gleichen Jahr wirkt diese Zahl ziemlich klein.

Doch die offenbar gezielte Jagd auf westliche Ausländer, zu der es in Mumbai gekommen ist, könnte dafür sorgen, dass potentielle Indien-Urlauber ihre Entscheidung für oder gegen das Land noch stärker als bisher von der Frage nach ihrer persönlichen Sicherheit leiten lassen.

Von Christian Röwekamp, dpa



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