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Testbetrieb Körperscanner-Einsatz am Hamburger Flughafen gestartet

In Deutschland sind die ersten Körperscanner an einem Flughafen in Betrieb genommen worden. Nach monatelangem Streit startete der halbjährige Test der Sicherheitsschleusen in Hamburg. Die Kontrolle mittels Millimeterwellen ist für die Passagiere freiwillig.

Hamburg - Nach monatelanger Diskussion über die Privatsphäre von Fluggästen hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Montag in Hamburg die bundesweit ersten beiden Körperscanner in Betrieb genommen.

"Der heutige Tag ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Sicherheit im Luftverkehr", sagte de Maizière beim offiziellen Start des auf sechs Monate angelegten Feldversuchs. Er hoffe, der Test werde erfolgreich sein und die Sicherheitskontrollen nicht nur sicherer, sondern auch effektiver und schneller machen. Noch gebe es bei den getesteten Geräten aber "zu viele Fehlalarme".

Ob und in welcher Form die Körperscanner künftig am deutschen Flughäfen eingesetzt werden, lasse sich daher erst nach Abschluss des Testlaufs beurteilen, sagte der Innenminister. Die Benutzung der Geräte am Hamburger Airport ist während der Testphase freiwillig. Wer nicht durch die Scanner gehen möchte, kann sich auf herkömmliche Weise kontrollieren lassen.

Die Schleusen sollen helfen, am Körper verborgenen Sprengstoff oder Waffen aufzuspüren. Es gebe dabei keine echten Körperbilder, hatte der Innenminister wiederholt versichert. Verdächtige Gegenstände würden auf einer schematischen Personendarstellung ("Strichmännchen") angezeigt.

In den Niederlanden und Großbritannien arbeiten die Scanner an Flughäfen bereits im Testbetrieb, in Italien wurde in der vergangenen Woche ein Probebetrieb wieder eingestellt. Deutschlandweit hatte es in den vergangenen Monaten eine hitzige Debatte über die Einführung sogenannter Nacktscanner gegeben.

Die Securityscanner wurden bei der Bundespolizei-Führungsakademie in Lübeck unter Laborbedingungen getestet. Die Geräte arbeiten nicht mit Röntgenstrahlen, sondern mit Millimeterwellen. Für den Praxistest wurde der am nächsten gelegene große Flughafen - Hamburg - ausgesucht. 2009 nutzten gut zwölf Millionen Passagiere den Hamburger Flughafen. Damit ist er der fünftgrößte Airport in Deutschland.

Datenschutzbeauftragter fordert Sichtschutz

Der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, hatte darauf hingewiesen, dass sich beim Einsatz der Geräte mehr Menschen als bisher einer Nachkontrolle unterziehen müssten - "und dies häufig in sehr sensiblen Bereichen". Besonders betroffen seien Menschen, die medizinische Hilfsmittel bei sich führten, wie etwa Windeln oder künstliche Darmausgänge.

Diese würden nicht als solche sichtbar gemacht, aber als potentiell gefährlicher Gegenstand in der entsprechenden Körpergegend ausgewiesen und farblich markiert. Es sei unerlässlich, dass diese Bilder nur vom Kontrollpersonal und nicht von Passagieren einsehbar sein dürften, forderte Schaar.

Der Flughafenverband ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen) begrüßt den Test unter Realbedingungen. "Voraussetzungen für einen deutschlandweiten Einsatz an den Flughäfen sind, dass die Geräte funktionieren und eine geringe Fehlalarmquote haben", teilt ADV-Präsident Eggenschwiler mit. Größe und Gewicht der Körperscanner sollten jedoch noch reduziert werden, da künftig auch neue Flüssigkeitsdetektoren in den Kontrollstellen integriert werden müssten.

abl/dpa/AFP
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