TGV-Méditerranée Mit Hochgeschwindigkeit in die Provence!

Paris rückt näher ans Mittelmeer - Von der Hauptstadt bis ans sonnige Mittelmeer braucht der 300 Stundenkilometer schnelle TGV ab Sonntag nur noch drei Stunden - bislang waren es immerhin viereinhalb.


TGV's am Start
AP

TGV's am Start

Paris - Von den französischen Medien bejubelt, startete der blau und silbern gestreifte Hochgeschwindigkeitszug am Donnerstag von Paris zu seiner Jungfernfahrt in das 783 Kilometer entfernte Marseille. Die 250 Kilometer des letzten Bauabschnitts zwischen Valence und der Hafenstadt am Mittelmeer verschlangen rund 25 Milliarden Franc (7,4 Milliarden Mark) bei fünf Jahren Bauzeit. Bis 2003 will die französische Staatsbahn mit dem Superzug rund sechs Millionen Fahrgäste hauptsächlich vom Flugzeug in die Bahn locken.

Seit 1981 die erste TGV-Strecke von Paris nach Lyon eingeweiht wurde, hat der Superzug die Franzosen wieder für die Bahn begeistert. "800 bis 850 Millionen Reisende fuhren seitdem im TGV. Im vergangenen Jahr waren es allein 80 Millionen", sagt der Chef der Staatsbahn SNCF, Louis Gallois. Den Tempo-Rekord auf der Schiene hält allerdings noch immer die japanische Magnetschwebebahn, die im April 1999 westlich von Tokio 552 Stundenkilometer erreichte.

Der Kartenverkauf für die neue Verbindung von Paris nach Marseille boomt. "Es sind bisher 670.000 Fahrkarten für die nächsten beiden Monate verkauft worden", berichtete Gallois. Für das Vergnügen, mit Hochgeschwindigkeit durch die Provence zu rasen, zahlt der Fahrgast in der zweiten Klasse für die Hin- und Rückfahrt 812 Francs (242 Mark), das ist etwas mehr als für einen Flug. Die High-Tech-Züge fahren im Stundentakt und in Stoßzeiten sogar alle 30 Minuten.

Im Vergleich zum Flugzeug sitzt der Reisende in den grau gestreiften Sitzen etwas bequemer. "Im TGV kann ich gut arbeiten und habe mehr Platz als im Flugzeug, um meine Beine auszustrecken", sagt ein leitender Angestellter in Paris. Die Air France stellt sich auf harte Konkurrenz ein.

Dagegen verspricht sich die Hafenstadt Marseille, von hoher Arbeitslosigkeit geplagt, von der Bahnverbindung einen wirtschaftlichen Aufschwung. Auch die anderen Städte mit Haltebahnhöfen wie Avignon und Aix-en-Provence wollen profitieren. Entlang der Strecke schießen Unternehmen wie Pilze aus dem Boden.

Die Zukunft der Bahn sieht Gallois jetzt in der Vernetzung Europas. Nach den Verbindungen mit den Zügen Thalys nach Brüssel und dem Eurostar nach London sind die nächsten Strecken nach Mailand, Barcelona und Amsterdam geplant. Auch nach Deutschland soll das Bahnnetz ausgebaut werden. "Bis 2006 wird es den TGV nach Straßburg geben". Dann liege es an den Deutschen, für die Verbindung zu sorgen. "Bislang hat sich die Deutsche Bahn aber kaum dafür begeistert".

Birthe Blechschmidt und Petra Klingbeil, dpa



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