Zwei Bielefelder auf Bali Thomas-Cook-Urlauber werden im Luxusresort festgehalten

Ricardo Gaße und Charlotte Gericke haben auf Bali ihren Traumurlaub in ihrem Traumhotel verlebt - bis Thomas Cook pleite ging. Jetzt sollen sie erneut Tausende Euro für die Übernachtung zahlen, sonst sitzen sie fest.

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Ein Interview von


Update: Die Situation der beiden Urlauber hat sich inzwischen entspannt. Mehr dazu am Ende des Artikels.

Ob in Spanien, Griechenland oder Türkei - in vielen Ländern sind Kunden von Thomas Cook von der Pleite ihres Reiseveranstalters überrascht worden. Und bei vielen kleinen Touristikunternehmen ist die Angst groß, dass sie ihre Auslagen und Kosten nicht mehr erstattet bekommen.

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Thomas-Cook-Insolvenz: Vom Traum- zum Horrorurlaub

Hoteliers in Tunesien oder Kuba etwa haben daher Zwangsmaßnahmen ergriffen und forderten in den vergangenen Tagen den Übernachtungspreis von den Gästen, die bereits im Voraus bezahlt hatten. Sonst dürften sie das Hotel nicht verlassen. Erst als sich Regierungen und Botschaften einschalteten, konnten sie abreisen.

Auch deutsche Reisende sind betroffen - wie etwa Ricardo Gaße, 30, und Charlotte Gericke, 37. Die beiden Bielefelder sind zurzeit im Urlaub auf Bali, über Internettelefon erzählen sie von dem Schock der letzten Tage:

Ricardo Gaße und Charlotte Gericke im Hotel auf Bali
Ricardo Gaße/ Charlotte Gericke

Ricardo Gaße und Charlotte Gericke im Hotel auf Bali

SPIEGEL: Wie geht es Ihnen, Herr Gaße?

Gaße: Meine Freundin und ich sind verängstigt, müde und fühlen uns ziemlich allein gelassen.

SPIEGEL: Was ist passiert?

Gaße: Wir sind zurzeit im Urlaub auf Bali im Padma Resort Legian, einem Fünf-Sterne-Hotel bei Kuta, das wir über Thomas Cook gebucht haben. Am Dienstag fanden wir ein Schreiben auf dem Zimmer, dass wir uns beim Hotelmanager melden sollten. Der erzählte uns dann von der Insolvenz und sagte uns, dass wir den vollen Übernachtungspreis bezahlen müssten, sonst könnten wir nicht abreisen. Da hatte allerdings erst das britische Mutterunternehmen und nicht die deutsche Thomas-Cook-Tochter Insolvenz angemeldet - aber das war dem Manager egal.

SPIEGEL: Wie hoch ist die Summe?

Gaße: Das Hotel ist eins der teuersten vor Ort - für die 15 Tage sollen wir allein für die Übernachtung etwa 5700 Euro zahlen. Wir haben für die Reise ein Jahr lang gespart. Bali ist ein Traum von uns - im vergangenen Jahr waren wir schon einmal in diesem Hotel, und es hatte uns so gut gefallen, dass wir wiedergekommen sind.

SPIEGEL: Wurden Sie körperlich bedroht?

Gaße: Wir werden nicht beobachtet und nicht bedroht, aber sehr bedrängt. Der Manager sagt, dass wir auch verstehen sollten, dass er sich absichern will. Und wir befürchten, dass die Hotelangestellten uns morgen nicht gehen lassen.

SPIEGEL: Am Donnerstag würde Ihr Rückflug starten?

Gaße: Am Abend um 20 Uhr geht unser Flugzeug nach Deutschland mit Singapore Airlines. Die Agentur hier hat uns versichert, dass mit dem Flug alles in Ordnung ist, da Veranstalter die Fluglinien im Voraus bezahlen müssten. Hotels aber bekämen ihr Geld erst nach der Abreise.

SPIEGEL: Was haben Sie bisher unternommen?

Gaße: Wir haben gestern mit dem deutschen Konsulat in Jakarta gesprochen. Dort wurde uns gesagt, wir sollten mit dem Thomas-Cook-Reiseleiter vor Ort Kontakt aufnehmen. Der sagte uns wiederum, wir sollten den vollen Betrag bezahlen und später bei der Insolvenzversicherung Zurich einreichen. Heute wurde dann gemeldet, dass auch die deutsche Thomas Cook insolvent ist. Wir haben bei der Zurich angerufen. Dort wurde uns gesagt, dass sie nicht in Vorkasse treten können. Wir sollten aber nur die Kosten von Bekanntgabe der Insolvenz bis zur Abreise zahlen - das wären ja nur zwei Tage. Darauf geht das Hotel aber nicht ein, sie wollen den vollen Betrag.

SPIEGEL: Könnten Sie die Summe denn bezahlen?

Gaße: Wir könnten es per Kreditkarte bezahlen. Inzwischen haben wir unsere Bank angerufen, und die hat den Kreditrahmen erhöht. Mein Arbeitgeber, ein großes Unternehmen in Bielefeld, würde im Zweifel auch Geld vorstrecken.

SPIEGEL: Sie zögern dennoch.

Gaße: Ja, wenn wir es bezahlen, hätten wir die Schulden bei unserer Bank. Und man weiß ja nicht, ob der Versicherungsschutz von insgesamt 110 Millionen Euro für die deutsche Thomas Cook ausreicht und wir unser Geld zurückbekommen. Und wir hatten ja noch eine Panne.

SPIEGEL: Welche?

Gassi: Wir waren vor ein paar Tagen noch auf Flores, einer anderen indonesischen Insel, und auch da gab es Probleme: Wir hatten über ein Internetportal Flüge gebucht, konnten aber nicht einchecken - und wir mussten dann noch einmal 200 Euro bezahlen.

So ein Vorgehen wie das des Hotels Padma Resort Legian verurteilt der Deutsche Reiseverband. "Das ist eine inakzeptable Situation", sagte der Geschäftsführer Torsten Schäfer. Die Urlauber hätten ihren Reisepreis voll bezahlt, und der Rückversicherer Zurich habe am Morgen zugesagt, die Kosten für die Hotels von Thomas-Cook-Pauschalreisegästen zu übernehmen. Die Hotels hätten daher keinen Grund, sie aus Angst vor Zahlungsschwierigkeiten des Reiseveranstalters zur Kasse zu bitten.

Das Auswärtige Amt (AA) wiederum rechnet nicht mit massenhaft im Ausland festsitzenden deutschen Urlaubern. Dennoch sei in den betroffenen Tourismusregionen die Zahl der Mitarbeiter in den Auslandsvertretungen verstärkt worden, sagte ein AA-Sprecher der Deutschen Presseagentur. Der Behörde sei kein konkreter Fall von Menschen bekannt, die nicht wissen, wie sie zurückkommen sollen. Allerdings sei ihr bekannt, dass teils Zahlungen vor Ort verlangt werden.

Das Bielefelder Paar hofft jetzt, dass der Rückversicherer Zurich ihnen ein Dokument auf Englisch schickt. Das sollte dem Hotelmanager versichern, dass die Versicherung die Kosten für sie übernehmen wird. Und sonst? Ist die deutsche Auslandsvertretung in Indonesien gefragt. Donnerstagabend wollen Ricardo Gaße und Charlotte Gericke nach Hause fliegen - ohne Schulden.

Update Donnerstag, 26. September: Ricardo Gaße und Charlotte Gericke haben eine Bestätigung des Rückversicherers Zurich über eine Kostenübernahme erhalten. Zudem haben Hotelmanager ihnen in Anwesenheit von zwei Vertretern der deutschen Botschaft mitgeteilt, dass sie keine Zahlung leisten müssen, und sich entschuldigt. Nach Information der Bielefelder waren noch vier weitere Paare in dem Hotel betroffen.

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