Folgen für Hunderte Hoteliers Thomas-Cook-Pleite beunruhigt Tourismusbranche weltweit

Thomas Cook hat Urlaub in Ländern weltweit angeboten - und in vielen ist die Sorge vor den Folgen der Insolvenz groß. Hoteliers in Griechenland, auf den Kanaren und in der Türkei fürchten um ihre Existenz.

Touristen in Griechenland: Großer Schaden für die Branche
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Touristen in Griechenland: Großer Schaden für die Branche


Die Hotel- und Tourismusbranche weltweit ist beunruhigt - die Pleite der britischen Thomas-Cook-Gruppe wird erhebliche Folgen auch für sie haben. Länder wie Griechenland bis Gambia rechnen mit hohen Verlusten: Vor allem für viele kleinere Unternehmen könnten die zahlreichen vom insolventen britischen Reiseveranstalter nicht bezahlten Rechnungen zusammen mit dem nun befürchteten Wegbleiben von Millionen von Touristen das Ende bedeuten.

Insgesamt sind etwa 22.000 Menschen bei der Thomas Cook Group angestellt, Urlauber aus 17 Ländern buchten bei dem Veranstalter und seinen Tochterfirmen. (Welche Auswirkungen die Pleite für deutsche Urlauber haben, lesen Sie hier.)

Eine Übersicht über die Reaktionen aus den Gastgeberländern:

Spanien: Hunderte Hoteliers könnten pleite gehen

In Spanien trifft das Aus von Thomas Cook vor allem die Kanaren und die Balearen sowie Andalusien, Valencia und Katalonien. Mit dem Veranstalter waren im vorigen Jahr rund 3,6 Millionen der insgesamt 82 Millionen ausländischen Touristen nach Spanien gekommen. Auf den Kanaren machten Thomas-Cook-Kunden nach amtlichen Angaben 20 Prozent aller ausländischen Besucher aus, auf den Balearen 10 bis 15 Prozent.

Die Lage ist ernst: Der Tourismus hat in der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone einen Anteil von gut elf Prozent am BIP. Die Madrider Tourismusministerin Maria Reyes Maroto wollte sich deshalb nach eigenen Angaben schon am Dienstag mit Politikern und Unternehmern der am stärksten betroffenen Regionen treffen, um über Strategien für die Zukunft zu beraten.

Schon wegen der offenen Rechnungen wird die Tourismusbranche mindestens 200 Millionen Euro verlieren, erwartet der Vizepräsident des Reiseunternehmerverbandes Exceltur, José Luis Zoreda. Diese Verluste würden große Hotelketten wie Meliá und Iberostar, aber auch mittlere und kleinere Unternehmen treffen.

Allein auf Mallorca bleiben Firmen schätzungsweise auf 100 Millionen Euro sitzen, wie die Regionalzeitung "Ultima Hora" unter Berufung auf Branchenkenner berichtete. Betroffen sind demnach vor allem zahlreiche Hotels sowie Handling- und Cateringfirmen. Schon nach Beginn der diesjährigen Hochsaison habe Thomas Cook die Zahlungen hinausgezögert, hieß es.

Die Präsidentin des Hotelierverbandes von Mallorca (FEHM), Maria Frontera, warnte, wegen der Thomas-Cook-Pleite sei "die Zukunft vieler Unternehmen ernsthaft gefährdet". Die Konsequenzen der Pleite für Mallorca seien "von einer bisher nie dagewesenen Dimension". Hilfe des Staates werde auf jeden Fall nötig sein.

Die Insolvenz werde die spanische Wirtschaft treffen und insbesondere die der Kanarischen Insel, sagte Melisa Rodriguez, eine spanische Politikerin und Vertreterin von Teneriffa der BBC. Tausende Jobs seien bedroht, da große Teile der Wirtschaft der spanischen Inseln direkt abhängig von Thomas-Cook-Verträgen seien. Hunderte Hotelbetreiber könnten pleite gehen, wenn sie keine Zahlungen von Thomas Cook erhalten oder zu spät.

525 Flüge von Thomas Cook nach Spanien seien in den kommenden zwei Wochen geplant gewesen, davon seien 70 Prozent der Strecken von und nach Großbritannien. 30.000 Urlauber sind laut Rodriguez zurzeit auf den Kanaren gestrandet, 3000 auf den Balearen.

Portugal: Schon länger Furcht vor Brexit-Folgen

Portugal hofft auf begrenzte Auswirkungen der Insolvenz. Segundo Joao Fernandes, Präsident der Tourismusbehörde der Algarve, sagte der Nachrichtenagentur AP, Thomas Cook habe bereits sein Geschäft in der südportugiesischen Region reduziert. Viele Pauschalreisen würden bereits mit anderen Fluglinien durchgeführt. Nur 20.000 Passagiere, die vom Hauptflughafen der Region, Faro, 2019 fliegen, hätten bei Thomas Cook gebucht, sagte er der Zeitung "Expresso" - das seien 0,2 Prozent aller Fluggäste.

Auf lange Sicht müssten Hoteliers andere Reiseveranstalter finden und aggressivere Marketingkampagnen starten, um britische Urlauber anzulocken, sagte Pedro Costa Ferreira, Präsident der portugiesischen Reiseagenturen. Schon jetzt fürchtet die Branche, dass wegen des drohenden Brexits weniger Touristen kommen werden. Eine Kampagne wirbt auf der britischen Insel mit "Brelcome" und "Portugal wird euch niemals verlassen".

Griechenland: "Ein Erdbeben der Stärke sieben"

Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns schockiert den griechischen Tourismussektor. Für die Wirtschaft sei dies "der stärkste Schlag seit der Finanzkrise", schreibt die Wirtschaftszeitung "Naftemporiki".

Der Tourismusverband Sete rechnet mit Einbußen von 250 Millionen bis 500 Millionen Euro. Eine andere Berechnung, die des Verbandes Hellenischer Hoteliers (GTP), schätzt den Verlust für die griechische Tourismusbranche auf 300 Millionen Euro. Im Ranking der fünf wichtigsten Destinationen von Thomas Cook lag Griechenland auf Platz drei, 2018 brachte das Unternehmen rund 2,8 Millionen Besucher ins Land. Zudem betrieb es vier eigene Hotels dort und beschäftigte 640 Mitarbeiter.

Vor allem Hoteliers auf Kreta, Rhodos und Kos arbeiteten laut GTP eng mit den Briten zusammen. "Das ist ein Erdbeben der Stärke sieben, und der Tsunami kommt erst noch", sagte der Präsident des kretischen Tourismusverbandes, Michalis Vlatakis, griechischen Medien. Auf Kreta hätten rund 70 Prozent aller Tourismusunternehmen Verträge mit dem Reise-Riesen.

Allein 2019 habe Thomas Cook gut 400.000 Besucher nach Kreta gebracht. "Derzeit sind noch etwa 20.000 da", sagte Vlatakis. Die Pleite könnte die Hoteliers auf der Insel zwischen 80 Millionen und 100 Millionen Euro kosten, wie der Präsident des Hotelierverbandes in Heraklion, Nikos Chalkiadakis, dem Nachrichtensender Skai sagte.

Sorgen bereiten den Hoteliers in Griechenland vor allem die noch ausstehenden Zahlungen des Konzerns. "Es wird unvermeidlich zu Ausfällen kommen", sagte Tourismusminister Charis Theocharis dem griechischen Fernsehsender Skai. Sein Ministerium wolle einen Plan ausarbeiten, damit Griechenland nach dem Zusammenbruch des Unternehmens keine Marktanteile verliere.

In ganz Griechenland sind etwa 50.000 Thomas-Cook-Urlauber gestrandet. Die ersten 15 Flugzeuge für die Menschen seien organisiert, teilte das griechische Tourismusministerium mit. In den kommenden drei Tagen sollen demnach rund 22 000 Touristen zurückgeholt werden.

Bulgarien: "Ernsthafte Schwierigkeiten"

Bulgarien befürchtet nach Aussage der Regierung in Sofia "ernsthafte Schwierigkeiten" für die dortige Tourismusbranche. Auch die Sommersaison 2020 werde davon betroffen sein, warnte Tourismusministerin Nikolina Angelkowa. Thomas Cook bringe im Sommer zwischen 350.000 und 450.000 Touristen an die bulgarische Schwarzmeerküste. Nach Angaben der britischen Botschaft in Sofia hielten sich zuletzt rund 2500 Kunden von Thomas Cook in Bulgarien auf.

Türkei: Hohe Schulden bei kleineren Hotels

Der Zusammenbruch von Thomas Cook könnte 600.000 bis 700.000 weniger Touristen jährlich in der Türkei bedeuten. Dies sagte der Vorsitzende des türkischen Hotelverbandes, Osman Ayik, zu AP. Das Unternehmen schulde kleineren Hotel umgerechnet 110.000 bis 220.000 Euro. Zurzeit seien etwa 45.000 Kunden von Thomas Cook aus Europa im Land. Davon seien mehr als 21.000 aus Großbritannien, teilte das türkische Tourismusministerium mit.

Wie das Ministerium per Twitter mitteilt, seien die Zahlungen der Gäste über die britische Versicherung Air Travel Organiser's Licence (ATOL) abgesichert. Hotels, die von Gästen Geld verlangen würden oder sie zwängen, den Aufenthalt abzubrechen, würden strafrechtlich belangt. Unternehmen, die durch die Pleite der Briten leiden, würde ein Kreditpaket zur Verfügung gestellt werden.

Tunesien: Zehn Prozent der Touristen sind Briten

Angesichts noch offener Rechnungen in Millionenhöhe ist der tunesische Hotelverband FTH besorgt über die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook. Derzeit warteten tunesische Hotels noch auf Zahlungen in Höhe von rund 70 Millionen Euro, sagte Mouna Ben Halima vom Hotelverband.

Rund Hundert Unterkünfte in Hammamet und auf der Ferieninsel Djerba seien betroffen. 40 Hotels arbeiteten ausschließlich mit Thomas Cook zusammen. "Wir sind sehr besorgt, was die Zukunft dieser Hotels betrifft", sagte Ben Halima. Jährlich reisen nach Angaben des Hotelverbandes rund 205.000 Touristen mit Thomas Cook nach Tunesien. Britische Urlauber machen rund zehn Prozent der europäischen Reisenden aus.

Der Tourismus in Tunesien war von mehreren schweren Anschlägen 2015 hart getroffen worden und erholte sich erst langsam wieder davon. "Ein zweiter Schock wie nach den Anschlägen vor vier Jahren würde die Branche hart treffen", so Ben Halima. Man warte jetzt ab, wie sich die Situation mit den Tochtergesellschaften weiter entwickele.

Gambia: "Unter Auswirkungen leiden"

Die gambische Regierung hat ein Notfalltreffen einberufen. Auf das winzige afrikanische Land könnte die Insolvenz von Thomas Cook verheerende Auswirkungen haben - mehr als 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts seien vom Tourismus abhängig. Die Touristensaison beginne im Oktober, sagte der Kunsthandwerker Boubacarr Bah zu AP, "wir werden unter den Auswirkungen [der Insolvenz] leiden".

abl/dpa/AP/Reuters



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cwokel 24.09.2019
1. US und China
Ein Tipp an die Journalistengilde: Die chinesische Investmentfirma Fosun ist bereit zusammen mit mehreren Banken die Thomas Cook Gruppe zu übernehmen. Plötzlich fehlen noch 200 Millionen. Mehrere Sektoren aus der Tourismusbereich kratzen nochmals 100 Millionen zusammen, doch die britische Regierung ist nicht bereit, eine Garantie für den verbleibenden Betrag zu übernehmen, sondern lieber 600 Millionen für die Rückführung auszugeben. Plus die im Artikel erwähnten Folgeschäden und tausende von Angestellten auf der Straße. UK kurz vorm Brexit, und als Hauptverbündeter USA, die einen Handelskrieg mit China führen, wobei wir wieder am Anfang meines Beitrags sind. Hat BoJo auf Wunsch seines Halbbruders Trump Thomas Cook an die Wand fahren lassen, damit die Chinesen keinen Fuss ins britische Traditionsunternehmen setzen können?
justus65 24.09.2019
2. Nicht immer so eine Panik
OK, wer noch auf ausstehende Zahlungen wartet, wird wohl vergeblich warten. Alle Reisen, die jetzt kurzfristig ausfallen werden wohl auch nicht stattfinden. Aber die Menschen wollen reisen, andere Veranstalter werden in die Lücke springen und Angebote machen Schon für die Wintersaison werden TUI und Co in den Startlöchern stehen. Wer die Finanzdecke nicht hat, um jetzt mal 2 Monate mit weniger Gästen auszukommen und auch sonst kein Geld bekommt, der hat in der Tat Pech, muss sich aber auch fragen lassen, was hat er in den letzten Jahren mit den Einnahmen gemacht, dass er keine Rücklagen hat und die Banken ihm nichts geben. Ich möchte auch mal wissen, wie viele in dem Chaos jetzt doppelt kassieren.
herkurius 24.09.2019
3. Vielleicht mal Konsumverhalten überdenken...?
Die angebliche Gastfreundschaft steht natürlich in jedem Prospekt, egal über welches Reiseland. Aber Berichte, wonach in Tunesien die Hotelgäste gefangengehalten wurden und Security sie daran hinderte, über den Strand zu fliehen (BBC), oder, weniger bekannt, dass z.B. in Mallorca von Urlaubern die Hotelkosten ein zweitesmal verlangt und ihnen auch der Heimflug verweigert wurde (https://www.mallorcazeitung.es/lokales/2019/09/23/thomas-cook-pleite-deutsche-urlauberinnen/71308.html), sollten doch nachdenklich machen. Wer auf Studienreisen und das Kennenlernen fremder Kulturen aus ist, nimmt sowieso nicht den Massenveranstalter. Was ist falsch daran, für einen Badeurlaub den Klopeiner See und für's Wandern oder sich es gut gehen zu lassen, die deutschen Mittelgebirge zu wählen - zumal behauptet wird, daß das schöne Wetter uns in unsere Breiten entgegenkommt?
markus2boeing 24.09.2019
4. Panik!
Zitat von justus65OK, wer noch auf ausstehende Zahlungen wartet, wird wohl vergeblich warten. Alle Reisen, die jetzt kurzfristig ausfallen werden wohl auch nicht stattfinden. Aber die Menschen wollen reisen, andere Veranstalter werden in die Lücke springen und Angebote machen Schon für die Wintersaison werden TUI und Co in den Startlöchern stehen. Wer die Finanzdecke nicht hat, um jetzt mal 2 Monate mit weniger Gästen auszukommen und auch sonst kein Geld bekommt, der hat in der Tat Pech, muss sich aber auch fragen lassen, was hat er in den letzten Jahren mit den Einnahmen gemacht, dass er keine Rücklagen hat und die Banken ihm nichts geben. Ich möchte auch mal wissen, wie viele in dem Chaos jetzt doppelt kassieren.
Klar werden andere Veranstalter einspringen, werden aber nicht in der Lage sein, so schnell das gesamte Programm abzudecken. Dazu fehlen die Flugzeuge. Das mit der Finanzdecke ist so eine Sache. Die Hoteliers verdienen fast ihren gesamten Jahresumsatz in der Sommersaison (Mitte Juni bis Mitte September). Thomas Cook hat noch keinen Cent für diese Zeit bezahlt. Hinzu kommt die Aussicht, dass auch in den nächsten Monaten nicht fiel laufen wird. Die Kosten sind allerdings schon entstanden. Wieviele Unternehmen kennen Sie, die den Ausfall der Einnahmen eines vollen Jahres aushalten? Für mittlere und mittelgrosse Betriebe bedeutet dies das Ende.
nixerich 24.09.2019
5. Einfach mal an die fleißigen Gastgeber denken
Da ich derzeit als sog. Individualtourist durch Griechenland reise, kann ich nur sagen, dass eine Vielzahl der geschädigten Hotels und Pensionen von Familien geführt werden, die gerade erst mit enormem Fleiß und unter großem Einsatz die Krise überwunden haben. Meine Hotelbetreiberin berichtete mir heute auf Nachfrage, dass sie in der Nacht zu Montag erfahren habe, dass sie die 30.000.- Euro, die ihr nach der Saison von Thomas Cook Zuständen, vergessen könne. Die Frau schuftet mit Mann und Kindern Tag und Nacht für Ihre Urlaubsgäste. Auf meine Frage, wie dies denn sein könne, erwiderte sie, es sei normal, dass Thomas Cook erst nach drei (!) Monaten die Beträge an die Vertragspartner weiterleite. Es geht hier nicht nur um die riesigen "All you can Drink Bettenburgen" über die sich hier von allen Seiten Häme und Spott ergießen. Hier geht es um Existenzen.
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