Thrombose-Tod Platzmachen unerwünscht

Nach dem Thrombose-Tod einer jungen Flugreisenden denkt die britische Luftfahrtbehörde über neue Richtlinien zur Größe der Sitze nach. Die Airlines geben sich indessen wenig beeindruckt.


London/ Frankfurt - "Es ist schon mehr als ein Jahrzehnt her, seit die Bestimmungen zur Minimumgröße der Sitze erlassen wurden, und es ist an der Zeit, das neu zu beurteilen", meinte ein Sprecher der Behörde nach einem Bericht der "Times" vom Dienstag. "Die Lufthansa wird die Sitzabstände nicht verändern", sagte Lufthansa-Sprecherin Karin Weber.

Economy-Class: "Aspirin nehmen"
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Economy-Class: "Aspirin nehmen"

In Deutschland ist die Sitzplatzgröße nach Auskunft des Luftfahrtbundesamts in Braunschweig nicht gesetzlich geregelt. Vorgeschrieben seien nur die Mindestabstände zu den Notausgängen, sagte die Sprecherin Cornelia Eichhorn. Die Flugzeughersteller müssten sicherstellen, dass ein Flugzeug innerhalb von 90 Sekunden evakuiert werden könne.

Dabei kommt es auf die optimale Verteilung der Sitzplätze an. Die Behörde, die für die Zulassung eines Flugzeugs zuständig ist, entscheidet auch über den Abstand zwischen den Plätzen. Im Fall von Boeing sind das Vertreter der amerikanischen Luftfahrtbehörde.

Nach Angaben des britischen Gesundheitsministeriums sterben jedes Jahr "Dutzende" von Flugpassagieren an Blutgerinnseln. "Durchschnittlich große Leute passen einfach nicht mehr in diese Sitze", sagte Farrol Kahn, Direktor des Instituts für Fluggesundheit in Oxford.

Obwohl die Menschen immer größer werden, haben die meisten Fluggesellschaften die Beinfreiheit der Passagiere eingeschränkt, um mehr Sitze in einer Maschine unterbringen zu können.

"Die Thrombose entsteht dadurch, dass die Knie gegen den vorderen und die Waden gegen die seitlichen Sitze gepresst werden. Dadurch kann das Blut nicht mehr zum Herzen zurückgepumpt werden."

Die Airlines sehen in Sachen Holzklasse keinen Handlungsbedarf
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Die Airlines sehen in Sachen Holzklasse keinen Handlungsbedarf

Die Deutsche Lufthansa vertritt die Ansicht, dass gefährdete Passagiere sich vor dem Flug an den medizinischen Dienst der Fluglinie wenden sollten. Außerdem biete das Unternehmen in einem "Flyrobic"-Video Entspannungsübungen während des Flugs an, sagte Weber.

Der Abstand zwischen den Sitzen reicht von 81 Zentimetern in der Economy-Klasse bis zu 1,22 Metern in der Business-Klasse auf Langstreckenflügen. First-Class-Passagiere sitzen in 2,16 Meter Abstand.

Auch British Airways (BA) lehnte die Forderung nach mehr Platz ab. "Diese Krankheit könnte potenziell auch jemanden in der Business-Class, auf einem Traktor oder im Theater treffen", sagte ein Sprecher der "Times". Ähnlich äußerte sich die australische Gesellschaft Qantas:

"Das kann es auch in Bussen oder Zügen oder sogar in Privatwagen bei langen Reisen geben." Die an der Thrombose gestorbene Britin war in der Touristenklasse einer Qantas-Maschine von Sydney nach London geflogen.

Nach Angaben von BA und Qantas sind Thrombosen durch lange Flüge äußerst selten. Britische und australische Ärzte bestreiten das. So sagte die Gefäßchirurgin Gabrielle McMullin aus Sydney, mindestens einmal im Monat behandele sie einen Patienten, der nach einem Langstreckenflug Thrombosen habe.

"Nur ein geringer Prozentsatz dieser Menschen fällt nach dem Aussteigen tot um", sagte sie. "Häufiger ist ein Schaden der Blutgefäße in den Beinen, der 10 oder 20 Jahre später zu chronischen Geschwüren führen kann." Britische Ärzte empfahlen Passagieren, vor dem Flug eine Aspirin-Tablette zu schlucken: Die verdünne das Blut und könne dadurch vor einer Thrombose schützen.



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