Ticketsteuer-Flucht Passagiere nutzen verstärkt ausländische Flughäfen

Die Flughäfen von Maastricht und Eindhoven können sich in diesem Jahr über märchenhafte Zuwachsraten freuen - weil sie nahe an der deutschen Grenze liegen. Denn ein Großteil der Neukunden sind Passagiere von Billigfliegern, die in keine Ticketsteuer in Deutschland zahlen wollen.

Ryanair-Maschine in Frankfurt-Hahn: Starker Rückgang der Passagierzahl
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Ryanair-Maschine in Frankfurt-Hahn: Starker Rückgang der Passagierzahl


Frankfurt am Main - Wer sparen will, fliegt von ausländischen Flughäfen: Seit dem Start der neuen Flugticketsteuer im Januar machten Passagiere von Billigfliegern verstärkt einen Bogen um deutsche Flughäfen und starteten lieber von grenznahen Airports wie etwa Maastricht oder Eindhoven in den Niederlanden, teilte der Flughafenverband ADV am Mittwoch mit.

Vor allem das Ryanair-Drehkreuz Hahn im Hunsrück habe darunter gelitten: Dort ging die Zahl der Passagiere in der ersten Jahreshälfte um 13,7 Prozent zurück. Zum Teil dürfte das allerdings auch daran liegen, dass Ryanair dort einige Flüge gestrichen hat. Am Flughafen Köln/Bonn, wo die Lufthansa-Tochter Germanwings stark vertreten ist, lag das Minus bei 1,6 Prozent. Auch das ist noch verhältnismäßig viel, da die Luftfahrt derzeit boomt. Im ersten Halbjahr starteten und landeten an deutschen Flughäfen 8,1 Prozent mehr Passagiere - insgesamt 92,6 Millionen.

Der Verkehr der Billigflieger wie Ryanair oder Easyjet an deutschen Flughäfen ging nach Berechnungen des ADV im ersten Halbjahr um 0,8 Prozent zurück. Betrachte man nur den innerdeutschen Verkehr dieser Gesellschaften, habe das Minus nach Streckenstreichungen sogar bei 22,6 Prozent gelegen.

Fast 72 Prozent Zuwachs in Maastricht

Grenznahe ausländische Flughäfen dagegen legten überdurchschnittlich zu: Eindhoven steigerte demnach die Fluggastzahl in den ersten sechs Monaten um 29,7 Prozent, Maastricht um 71,8 Prozent. Vor allem gegenüber diesen grenznahen Flughäfen in den Nachbarstaaten sei die deutsche Luftverkehrssteuer ein handfester Standortnachteil, beklagte die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen.

Die Steuer müssen Fluggesellschaften pro Passagier bezahlen, und zwar nach Entfernung gestaffelt. Bis 2500 Kilometer einfache Strecke werden 8 Euro fällig, bis 6000 Kilometer 25 Euro und für Langstreckenflüge 45 Euro. Damit trifft die Steuer Unternehmen mit vielen Kurzstrecken im Programm sowie mit geringen Gewinnmargen stärker als andere.

Vor allem Europas größter Billigflieger Ryanair hatte heftig gegen die Steuer protestiert und vorsorglich Flugzeuge aus Deutschland abgezogen. Die Maschinen werden an anderen europäischen Flughäfen eingesetzt. Damit folgt die Airline ihrer Strategie, sich vor allem an jenen Flughäfen niederzulassen, an denen die Gebühren und Steuern niedrig sind.

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Luftverkehrsabgabe: Welche Flüge teurer geworden sind

sto/Reuters/dpa



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topas 20.07.2011
1. Wen wundert es
Es ist doch bekannt, dass Weeze nicht zuletzt auch durch die niederländische Flugsteuer gestärkt wurde. Wenn jetzt statt in den Niederlanden (welche die Steuer ja wieder abgeschafft haben) die Steuer in Deutschland erhoben wird wechseln die Airlines ein paar Kilometer weiter westlich. Und aus Umweltsicht steuert die Steuer gar nichts - erzeugt bestenfalls zusätzliche Umweltbelastungen. Beim Interkontinentalflug wird ein kurzer Zubringer dazugebucht, so dass ein zusätzlicher Start/Landung dazukommen. Beim Kurzstreckenflug fährt man noch ein paar Kilometer weiter um die Steuer zu vermeiden. Und Luftfracht, bei der es problemloser wäre, wenn das beförderte Gut statt 2 Stunden 12 Stunden unterwegs ist wird von der Steuer ausgenommen. Aber Hauptsache, die Bundesregierung hat ihr sinnloses Steuergeschenk der Mehrwertsteuerbefreiung für Hotelübernachtungen refinanziert.
Wolfgang Schmidt 20.07.2011
2. Schöner fliegen
---Zitat--- Vor allem Europas größter Billigflieger Ryanair hatte heftig gegen die Steuer protestiert und vorsorglich Flugzeuge aus Deutschland abgezogen. ---Zitatende--- Na DAS ist doch mal eine gute Nachricht.
Dominik Menakker, 20.07.2011
3.
Merkelchen will ja heimlich grüner werden. Auf Deutsch. Blinder Aktionismus, nix denken, Folgen ausblenden, hauptsache wir haben was getan. Wann werden die Schwarzen endlich wieder schwarz und damit wählbar? Die grüne Einheitssoße kotzt mich an ( sorry, das musste raus! )
Ursprung 21.07.2011
4. Raffer statt Politik
Die "Ticketsteuer" ist nur ein i-Tuepfelchen mehr im Gruselkabinett innovativer Abkoche von den Buergern. Sowas von Raffermentalitaet, was unser heutiges Administrationsmanagement glaubt, den Buergern antun zu koennen, ist in dem Ausmass noch nie vorher dagewesen. Nicht mal in der Nazizeit. Die hatten damals ein anderes, verbrecherisches Anliegen. Kein Politiker aus unserem dem SED-vergleichbarem Parteiensystem hat noch Interesse, an dem eingerissenen System der Umverteilung von unten nach oben, von den ohnehin finanziell Schwachen an die reichen Privaten und Unternehmen etwas zu aendern. Kein Wunder, es winken ja satte Provisionen in Form von Pensionen, "Aufwandsentschaedigungen", dotierten Scheinposten, letztere bezahlt von den Nutzniessern des Umverteilungssystems. Gazprom-Schroeder, Banken-Merkel, Solar-Trittin laesst gruessen. Eine echte Bananrepublik hier mittlerweile. Mit dem Nachteil, dass nicht mal Bananen dabei herauskommen. Man kann nur jedem Buerger anempfehlen, so innovativ wie moeglich die Abkoche zu umgehen. Auch durch Ticketkaeufe auf grenznahen Auslandsflughaefen.
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