Ferien-Tipps Mein schönstes Frankreich-Erlebnis

Finalstimmung am Strand, ein magischer Klosterbesuch und eine Wandertour zum Fürchten: Hier berichten SPIEGEL-ONLINE-Redakteure von ihren tollsten Frankreich-Erlebnissen.

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Nachts auf dem Klosterberg

Die letzten Sonnenstrahlen fallen in das Gotik-Gewölbe, ein Musiker zupft an seiner Gitarre, im Kirchhof spielen Kinder Fangen. Der Mont Saint-Michel mit seinem Benediktinerkloster zählt ohne Zweifel zu den zauberhaftesten Orten Europas. Wo Normandie und Bretagne aufeinander treffen, thront auf einer kleinen Insel eine Ansammlung jahrhundertealter Gemäuer, 80 Meter über dem Meer.

Jedes Jahr kommen dreieinhalb Millionen Besucher, um durch mittelalterliche Gänge zu wandeln - und sich darüber zu wundern, wie man vor mehr als tausend Jahren auf die Idee kommen konnte, so einen gigantischen Gebäudekomplex auf einem Felsen zu errichten. Normalerweise schrecken mich solche Touristenattraktionen eher ab. Doch als ich las, dass man den Klosterberg auch nachts besichtigen kann, setzte ich ihn für eine Tour durch den Norden des Landes auf meine Reiseroute.

Von Mitte Juli bis Ende August ist der Mont Saint-Michel täglich (bis auf sonntags) bis 23 Uhr geöffnet. Der späte Eintritt ist perfekt für alle, die keine Lust auf lange Schlangen haben. Wo sich tagsüber die Touristen drängen, herrscht in der Dämmerung Stille. Kunstvolle Illuminationen erhellen die Gänge und Wandelhallen, die sich um den Felsen winden. In Krypten brennen Kerzen, durch den Rittersaal schwingen die zarten Töne einer Harfe.

Eigentlich wollte ich noch ein Omelett essen, das traditionell in den Lokalen des Klosterbergs serviert wird. Doch als ich oben in der Abteikirche angekommen war, konnte ich mich nicht trennen - von der Musik und dem Blick aufs Watt. Die Abendsonne ließ den Schlick schillern und mir wurde klar, warum viele im Mont Saint-Michel ein "Wunderwerk des Abendlandes" sehen.

Julia Stanek

DPA

Marseille mit Mätzäldäärr

Ein Tag am Mittelmeer, derbe Sommer- und Mittagshitze, eine freundliche Brise strich über Marseille. Der französische Fußballreporter absolvierte anspruchsvolle Ausspracheübungen: Bier'off… Si-gö… Mätzäldäärrr… Scheremi... Am 30. Juni 2002 waren wir mit französischen Freunden unterwegs. WM-Finale in Yokohama, Deutschland gegen Brasilien.

Vor einer Riesenleinwand direkt am Strand blinzelten 500 Franzosen plus zwei Deutsche in die Sonne. Les Bleus waren, obschon amtierender Weltmeister, ruhm- und torlos gleich in der Vorrunde gegen Giganten wie Senegal oder Dänemark untergegangen. Parbleu! Fortan fehlte es den Franzosen an echtem Enthusiasmus - im Zweifel hielten sie zu Brasilien.

Wir mochten Ronaldinho oder Rivaldo auch mehr als deutsche Rumpelfüßler wie Ramelow oder Linke, hielten aber unbedingt zum "weißen Brasilianer" Bärnt Schneidärrr alias Schnix, als er den anderen Dribbelinhos zeigte, was Straßenfußballer aus Jena so können. Unser Fernapplaus half nicht: Ronaldo netzte doppelt ein. Et voilà, binnen Sekunden schrumpfte ein Torwarttitan auf Normalmaß. Ein wunderschöner Nachmittag wurde es in Marseille trotzdem.

Jochen Leffers

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Einsam auf Korsika

Das Tal der Einsamkeit (Cirque de Solitude) auf Korsika hat schon so einige Wanderer das Fürchten gelehrt. Über schwindelerregenden Abgründen hält man sich an Ketten fest, klettert über brüchiges Gestein und kommt immer wieder in Situationen, in denen man weiß, dass ein falscher Schritt tödlich sein könnte.

Klettersteig-Profis mit jahrelanger Erfahrung meistern solche Etappen mit links, doch viele der Fußgänger auf dem GR20-Weg sind solche Angstmomente nicht gewohnt. Auch meine Begleiterin nicht, die zum ersten Mal auf einer mehrtägigen Wandertour war und deshalb ein wenig psychologische Fürsorge brauchte, um bis zum rettenden Schlussanstieg durchzukommen.

Doch wer so eine Etappe geschafft hat, genießt den Rotwein in der Hütte am Abend ganz besonders, und im Nachhinein sind die Angstmomente schnell vergessen. Eine Nachahmung dieser Etappe ist leider derzeit unmöglich, weil das Tal nach einem schweren Erdrutsch im Juni 2015 gesperrt wurde. Nun gibt es eine Umleitung und weniger Nervenkitzel, und der Rest des Weges ist immer noch traumhaft schön - eine spektakulärere Inselwanderung als den GR20 wird man in Europa kaum finden.

Stephan Orth

AFP

Einmal Robinson Crusoe, bitte

"Ihr steht garantiert zwei Stunden im Stau auf der Küstenstraße bis zum Hafen in Le Lavandou." "Das ist kein Tagesausflug." "Das lohnt sich nicht. Ihr werdet schon sehen." Alle Warnungen habe ich ignoriert - gedanklich bin ich schon längst auf der der französischen Mini-Insel Port-Cros an der Côte d'Azur. Versteckte südseegleiche Strände, kein einziges Auto, eine Handvoll Einwohner, Schnorchelausflüge zu Mondfischen und Meerpfauen - das klingt einfach zu verlockend nach Robinson-Crusoe-Abenteuer.

Erst am späten Nachmittag erreichen wir mit der Fähre die winzige Hafenbucht des Naturparks Port-Cros. Wir laufen gegen einen Strom von Wanderern den schmalen Küstenpfad durch grüne Macchia entlang, der zum Plage de Palud führt. Dass wir den mit Bojen markierten Unterwasser-Parcours gänzlich alleine für uns haben, gibt uns auch nicht zu denken. Im Gegenteil: Völlig beseelt schnorcheln wir über wogende Seegrasfelder, an Schwärmen von Goldstriemen und dem ein oder anderen Meerpfau vorbei. In Seelenruhe lesen wir die Unterwasser-Schilder zur Flora und Fauna, die an Bojen befestigt sind.

Als wir am Abend in die halbmondförmige Hafenbucht zurückkehren, ist kein Tourist mehr zu sehen. Die letzte Fähre hat schon abgelegt. Es sei schließlich September und nicht mehr Hochsaison, sagt man uns in der Tropenbar mit den knallorangenen Markisen und dreht uns das letzte Zimmer für über 100 Euro an. Macht nichts: Ziemlich gut gelaunt denke ich mir bei einem Mojito unter Palmen, manchmal sollte man Dinge eben einfach durchziehen, auch wenn man ausdrücklich davor gewarnt wird.

Bettina Hensel

DPA

Tanzen in Lyon

Als mein Dozent damals in der Sprachschule fragte, ob wir Paris oder Lyon schöner fänden, wusste ich keine Antwort. Heute würde ich sofort rufen: Lyon! Die Stadt im Südosten Frankreichs ist entspannter als Paris - und weniger touristisch. Dort macht man noch Urlaub unter Franzosen, was auch bedeutet, dass man mit Englisch nicht weit kommt.

Die EM-Monate Juni und Juli sind perfekt für einen Besuch in Lyon: Dann finden die "Nuits de fourvière" statt, Konzert- und Theaternächte in einem wunderschönen Theater aus der Römerzeit. Ende Juni beginnt außerdem das Event "Tout l'monde dehors!" (Alle Welt nach draußen!): So gut wie jeden Abend gibt es eine kostenlose Veranstaltung - von Open-Air-Kino bis Tanzkurs. Auch schön: der riesige Park Tête d'Or und das Museum im Haus der Brüder Lumière.

Sophia Schirmer

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