Tipps zum Streik Was Lufthansa-Passagiere jetzt wissen müssen

Sie haben einen Flug bei der Lufthansa gebucht und wissen nicht, ob er während des Streiks stattfindet? Welche Rechte haben Sie, wenn Ihre Verbindung storniert wurde? SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen zum Pilotenstreik.
Stillstand für Lufthansa-Maschinen: Der Pilotenstreik soll bis Donnerstag dauern

Stillstand für Lufthansa-Maschinen: Der Pilotenstreik soll bis Donnerstag dauern

Foto: Lukas Barth/ dpa

Frankfurt/Main - Um Mitternacht sind die Piloten der Lufthansa in einen viertägigen Streik getreten, massive Störungen des Luftverkehrs sind programmiert. Am Montag werden nach Einschätzung der Lufthansa etwa 800 Flüge ausfallen. Das wären etwa zwei Drittel der Flüge, die von der Gewerkschaft bestreikt werden können. Das restliche Drittel der Flüge soll abheben.

Wann und wo wird gestreikt, was steht Passagieren bei stornierten und verspäteten Flügen zu und welche Ausweichmöglichkeiten bietet die Lufthansa an?

SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen zum Pilotenstreik:

  • Wann genau wird gestreikt?
Begonnen hat der Ausstand der Piloten in der Nacht zum Montag, 22. Februar, 0 Uhr. Der Streik soll erst am späten Donnerstagabend, 25. Februar, um 23.59 Uhr beendet sein.

  • Wie groß ist der Streik?
Der bundesweite Ausstand wird sicherlich einer der größten Streiks in der Geschichte der Lufthansa - vor allem wegen der langen Dauer von vier Tagen. Bei dem Pilotenstreik im Jahr 2001 war die Lufthansa nur tageweise betroffen und konnte deshalb vergleichsweise leicht umdisponieren. Mit massiven Behinderungen, Verspätungen und zahlreichen Flugausfällen ist also zu rechnen.

Auch Auswirkungen auf andere Länder und Kontinente sind wahrscheinlich - schließlich sind die Airports in München und Frankfurt am Main wichtige internationale Drehkreuze.

  • Wer streikt?
Aufgerufen sind 4500 Piloten und Co-Piloten in Passagier- und Frachtmaschinen bei der Lufthansa sowie bei ihrer Tochter Germanwings. Wie viele Piloten tatsächlich streiken werden, ist offen. Weil die Vereinigung Cockpit bei den Beschäftigten des Lufthansa-Kernkonzerns einen hohen Organisationsgrad hat, ist mit einer hohen Streikbeteiligung zu rechnen.

  • Was wollen die Piloten mit ihrem Streik erreichen?
Sie wollen vor allem ihre gut bezahlten Arbeitsplätze im Lufthansa-Konzern schützen. Nach Darstellung der Gewerkschaft werden diese zunehmend in billigere Gesellschaften verlagert. Ursprünglich wollten die Piloten zudem 6,4 Prozent mehr Gehalt - bei einem Stopp der Auslagerung ihrer Jobs wären die Piloten aber wohl zu einer Nullrunde bereit.

  • Wie reagiert die Lufthansa?

Um die Auswirkungen des Streiks in Grenzen zu halten, setzt die Lufthansa auf manchen Strecken Piloten anderer Gesellschaften sowie eigene Manager mit Fluglizenz ein, die ohnehin Flugzeiten sammeln müssen, um die Lizenzen zu erhalten. Lufthansa-Töchter wie Swiss wollen größere Flugzeuge einsetzen.

Beim Billigflieger Germanwings sollen rund zwei Drittel der Flüge trotz Streiks stattfinden. Maschinen und Besatzungen wurden von anderen Gesellschaften angemietet. Die Lufthansa-Regionalpartner wie Cityline oder Eurowings, die auf weniger stark nachgefragten Routen unterwegs sind, werden nicht bestreikt.

  • Welche Rechte haben Passagiere bei Verspätungen?
Laut der EU-Fluggastrechte-Verordnung können Fluggäste schon bei kürzeren Verspätungen Rechte geltend machen: Bei Abflugsverzögerungen von zwei Stunden bei Kurzstrecken (bis 1500 Kilometer), drei Stunden bei Mittelstrecken (bis 3500 Kilometer) und vier Stunden bei Langstrecken muss auf Wunsch "für das leibliche und kommunikative Wohl" des Fluggastes gesorgt werden, wie die Verbraucherzentralen betonen.

Im Klartext: Passagiere haben dann Anspruch auf kostenlose Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Faxe oder E-Mails sowie - falls nötig - Hotelübernachtungen inklusive Transfer. Wer seine Reise nicht mehr antreten will, kann bei einer mindestens fünfstündigen Flugverspätung sein Geld zurückverlangen.

  • Was tun, wenn der Flug gestrichen wird?
Wer am Flughafen erfährt, dass seine Verbindung gestrichen wurde, hat die Wahl, den Ticketpreis erstattet zu bekommen oder sich mit einem Ersatzflug zum Ziel bringen zu lassen. Die Fluggesellschaft muss dann eine alternative Beförderung unter gleichen Reisebedingungen und zum frühestmöglichen Zeitpunkt ermöglichen. Gegen Schadensersatz- oder Ausgleichszahlungen wehren sich die Fluggesellschaften in der Regel und verweisen oft auf die außergewöhnlichen Umstände - auch bei Streiks.

Die Lufthansa bietet seit vergangener Woche wegen des Streiks kostenfreie Umbuchungen  an: Fluggäste, die einen Lufthansa-Flug im Zeitraum vom 22. bis 25. Februar gebucht hätten, könnten einmalig kostenfrei auf einen anderen Lufthansa-Flug umbuchen, hieß es am Mittwoch. Voraussetzung hierfür ist den Angaben zufolge, dass das Ticket vor dem 18. Februar ausgestellt worden ist, das neue Reisedatum vor dem 31. Mai liegt und die Start- und Zielpunkte der Reise nicht verändert werden.

Beim Ausfall innerdeutscher Flüge können Lufthansa-Fluggäste die Züge der Deutschen Bahn nutzen. Dafür muss das elektronische Ticket (etix) an einem Lufthansa-Check-in-Automaten in einen Reisegutschein umgewandelt werden. Wenn es ins Ausland gehen soll, versucht das Unternehmen nach eigenen Angaben versuchen, den Fluggast umzubuchen.

  • Wie bekommen Passagiere Informationen über ihre gebuchten Flüge?
Die Lufthansa hat eine kostenfreie Service-Nummer geschaltet, unter der ihre Kunden Informationen zu ihren Buchungen erhalten: 0800-8506070. Zu konkreten Flugverbindungen erhalten die Passagiere Informationen im Internet .

  • Was sollten Passagiere noch tun?
Fluggäste sollten sich bei einer Flugannullierung den konkreten Grund am Flughafen schriftlich bestätigen lassen. Damit können sie ihre Rechtsposition unter Umständen verbessern, falls es später vor Gericht geht. Wer sich offiziell beschweren will, muss sich dazu an das Luftfahrt-Bundesamt wenden.

abl/apn