Todesdrama am K2 "Das war wie der Marsch der Lemminge"

Traurige Gewissheit: Durch eine Eislawine sind am zweithöchsten Berg der Welt, dem K2, insgesamt elf Bergsteiger in den Tod gerissen worden. Zu dem Unglück war es während eines Massen-Gipfelsturms gekommen.

Islamabad - Die Zahl der am Wochenende am K2 getöteten Bergsteiger ist nun auf elf gestiegen. Der Staatssekretär für Tourismus, Shahzad Qaiser, sagte am Montag nach einem Krisentreffen in Islamabad, auch der Tod eines Franzosen und eines weiteren Pakistaners sei inzwischen bestätigt. Außerdem waren drei Koreaner, zwei Nepalesen, ein Norweger, ein Serbe, ein Ire und ein Pakistaner ums Leben gekommen. Weitere Opfer seien bei dem Drama an dem mit 8611 Metern zweithöchsten Berg der Welt nicht zu erwarten, fügte Qaiser hinzu. "Wir haben keine vermissten Bergsteiger mehr."

Die Rettungskräfte bemühten sich weiter um die Rettung eines noch am K2 festsitzenden Italieners. Marco Confortola sei bereits von einem Rettungsteam gesichtet worden, der Hubschrauber habe jedoch nicht landen können. Im Laufe des Tages war ein erneuter Rettungsversuch geplant. Ein zweiter Italiener habe das Lager bereits erreicht.

Der Sprecher des Flugrettungsdienstes Askari Aviation, Mohammed Ilyas, erklärte, zwei niederländische Bergsteiger, die Erfrierungen erlitten hatten, seien mit einem Hubschrauber ausgeflogen worden. Wilco van Rooijen und Cas van de Gevel müssten wegen der Erfrierungen möglicherweise Gliedmaßen amputiert werden, erläuterte Qaiser. Insgesamt seien zum Zeitpunkt des Unglücks 15 Bergsteiger am Unglücksort am K2 unterwegs gewesen.

"Man glaubte, dass der an der Spitze weiß, was er tut"

Augenzeuge und Helfer bei Bergungsarbeiten war der Schwede Fredrik Sträng. Er wertete den Tod der Bergsteiger als Resultat von "Ruhmsucht und übertriebenen Ehrgeiz". Sträng hatte seinen eigenen Aufstieg zusammen mit einem weiteren Bergsteiger vor der Unfallserie abgebrochen und sich später an der Bergung von Verletzten und Toten beteiligt. Er sagte am Sonntagabend im TV-Sender SVT über den Massenaufstieg zwei Tage zuvor: "Das war wie der Marsch der Lemminge. Man glaubte ganz einfach, dass der an der Spitze schon wissen würde, was er tut."

Sträng kritisierte, dass unerfahrene Bergsteiger bei ihrem Bestreben, den Gipfel des K2 zu erreichen, die Notwendigkeit eines gesicherten Abstiegs vernachlässigt hätten. "Einige kamen ja noch um 20 Uhr abends am Gipfel an. Da war es schon dunkel, und sie mussten oben übernachten."

Der im Karakorum-Gebirge im chinesisch-pakistanischen Grenzgebiet gelegene K2 gilt unter Bergsteigern als der am schwersten zu bewältigende Achttausender. Die Todesrate der Kletterer liegt beim K2 bei 27 Prozent und somit dreimal so hoch wie beim höchsten Berg der Erde, dem Mount Everest. Als Erste hatten 1954 die Italiener Achille Compagnoni und Lino Lacedelli seinen Gipfel erreicht.

Eislawine am Bottleneck

Die am Freitag verunglückten Kletterer waren an einer Stelle namens "Bottleneck" ("Flaschenhals") unterwegs, einem Engpass, der mit Hilfe von Fixseilen überwunden werden muss. Am Freitag hatte den Alpinisten eine Eislawine in 8200 Metern Höhe den Rückweg abgeschnitten. Mehrere von ihnen wurden dann am Samstagmorgen von einer mächtigen zweiten Lawine mitgerissen, während sie nach Möglichkeiten für den Abstieg suchten. Mindestens zwei weitere Bergsteiger waren bereits kurz zuvor abgestürzt.

Das Drama am K2 ist das zweite Unglück innerhalb kurzer Zeit im pakistanischen Himalaja: Erst Mitte Juli scheiterte eine Expedition von drei Südtirolern an der Besteigung des Nanga Parbat. Der 37-jährige Expeditionsleiter Karl Unterkircher bezahlte den Versuch, den mit 8125 Metern neunthöchsten Berg der Erde auf einer neuen und schwierigen Route zu besteigen, mit seinem Leben. Er stürzte in eine Gletscherspalte.

Seine beiden Kameraden wollten die Expedition abbrechen, mussten wegen des schwierigen Geländes jedoch erst auf knapp 7300 Meter aufsteigen, bevor sie einen sicheren Abstieg antreten konnten. Wegen schlechten Wetters saßen sie mehrere Tage fest. Nach einer neuntägigen Odyssee wurden Simon Kehrer und Walter Nones schließlich in etwa 5700 Metern Höhe von Hubschraubern erfolgreich geborgen.

abl/dpa/AP/AFP

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