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Deutsche Urlauber: Touristen als Wirtschaftsfaktor

Foto: Corbis

Deutsche Touristen im Ausland Das gute Gewissen reist mit

Bringt Urlaub in armen Ländern die dortige Entwicklung voran? Eine Untersuchung der Wirtschaftsdaten kommt zu dem Ergebnis: Reisen hilft.

Fernreisen in Schwellen- und Entwicklungsländer liegen zwar groß im Trend, sorgen aber im Bekanntenkreis stets für Diskussionen: Darf man das? Wen unterstützt man mit der Reise? Die Herrscher-Elite, profitgierige Reiseveranstalter - oder bekommt auch die Bevölkerung des Gastlandes etwas ab von dem vielen Geld, das Touristen mit ins Land bringen?

Darüber debattieren nicht nur ethisch bewusste Touristen, sondern auch die Tourismusbranche, die Politik und die Wissenschaft. Letztere war nun vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft beauftragt, eine Studie mit gesicherten Zahlen zu erstellen: Dient der Tourismus der Entwicklung eines Landes, oder kommt das Geld nie bei den einfachen Menschen an? Auf ihrer Jahrestagung in Berlin stellen der Verband und dessen Präsident Michael Frenzel am Montag die Ergebnisse des vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln erstellten Gutachtens vor.

Demnach geben die Deutschen in Entwicklungs- und Schwellenländern von den Anden bis zur Südsee insgesamt 13,5 Milliarden Euro aus, was in den Ländern zu einem Effekt auf das Bruttosozialprodukt von 19,2 Milliarden Euro führt. Jeder deutsche Tourist leistet, volkswirtschaftlich gesehen, einen Beitrag von 620 Euro für die Wirtschaftskraft des Landes, in das er reist.

Grafik: Was deutsche Touristen für das BIP bringen

Grafik: Was deutsche Touristen für das BIP bringen

Foto: DER SPIEGEL

15 Touristen - ein Arbeitsplatz

Für Entwicklungspolitiker ist allerdings noch interessanter, ob das Geld aus Deutschland auch für Beschäftigung sorgt. Global betrachtet kommt das Kölner Institut dabei auf 1,8 Millionen Arbeitsplätze, die deutsche Touristen durch ihren Besuch stiften. Rein statistisch gesehen sichern 15 deutsche Touristen einen Arbeitsplatz in ihren Reiseländern.

Das IW hat sich neben Kontinenten zudem fünf exemplarische Länder herausgesucht, um diese beschriebenen Effekte zu untersuchen. Besonders hoch sind die Beschäftigungseffekte demnach in Mexiko und Thailand. Interessant ist, dass in den untersuchten Staaten die ins Land eingebrachten Devisen unterschiedliche Effekte erzielen. In Vietnam und Kenia etwa tragen sie Beträge einer ähnlichen Größenordnung zum Bruttoinlandsprodukt bei (110 Millionen und 80 Millionen Euro). In Vietnam sorge jeder ausgegebene Euro allerdings für deutlich mehr Beschäftigung, so die IW-Forscher.

In einem weiteren Schritt versuchten die Ökonomen herauszufinden, ob sich die Länder durch den Tourismus modernisieren. Sie konnten dabei nachweisen, dass sich etwa durch die Verdoppelung der Übernachtungszahlen internationaler Touristen der Alphabetisierungsgrad um 1,1 Prozentpunkte erhöht, beim Zugang zu sauberem Wasser beträgt die Steigerung 1,9 Prozent.

Ein weniger positives Phänomen konnten die Forscher bei der Frage von Ungleichheit zwischen Arm und Reich in den Ländern ausmachen. Mit anspringendem Tourismus verringert sie sich, mit zunehmendem Wachstum der Besucherzahlen nimmt die Ungleichheit aber wieder zu. Bei den gesellschaftlichen Effekten des Tourismus seien andere, politische und wirtschaftliche Einflüsse offensichtlich stärker, was erklären würde, warum die Effekte "tendenziell als nicht überaus stark einzuschätzen sind", so das Fazit der Forscher. "Vernachlässigbar sind sie aber dennoch nicht."

Der Tourismusverband schöpft aus den Zahlen aber dennoch Argumentationshilfe gegen die Vorwürfe, die der Branche häufig entgegengebracht werden. "Die Entwicklungspotenziale durch Tourismus werden oftmals nicht ausreichend genutzt", glaubt dessen Präsident Michael Frenzel, der die Bundesregierung zur Zusammenarbeit auffordert. Beide Seiten könnten voneinander profitieren, sagt Frenzel, der bis 2013 Vorstandschef des Branchenriesen TUI war.

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