Tourismus in Liechtenstein "Wir sind jedem dankbar, der kommt"

Kleinstaat im Aufwind: Erstmals ist Liechtenstein dieses Jahr mit einem eigenen Stand auf der Reisemesse ITB vertreten. Im Interview erklärt Martina Michel-Hoch vom Fremdenverkehrsverband des Landes, warum die Steueraffäre ein Glücksfall für den Tourismus sein könnte.


SPIEGEL ONLINE: Frau Michel-Hoch, was ist für Sie der typische Liechtenstein-Tourist?

Michel-Hoch: Es gibt bei uns sehr viele Tagestouristen, weil wir ein so kleines Land sind. Wer nach Österreich oder in die Schweiz fährt, nimmt oft noch einen Tag in Liechtenstein mit. Aber speziell im Alpengebiet gibt es auch Feriengäste, die für ein oder zwei Wochen bleiben. Das ist besonders bei Familien beliebt.

SPIEGEL ONLINE: Bleiben wir bei den Tagestouristen - wie viel Prozent davon sind Steuerbetrüger?

Michel-Hoch: So was wird bei uns nie diskutiert, da kann ich Ihnen keine Prozentzahl nennen. Aber wir sind jedem dankbar, der kommt und das Land genießen möchte. Es gibt so viel zu entdecken in Liechtenstein.

SPIEGEL ONLINE: Hat denn die Steueraffäre Auswirkungen für den Tourismus in Liechtenstein?

Michel-Hoch: Die Medien sind ganz geil auf Liechtenstein, aber wir sehen das positiv. Viele kannten das Land bisher gar nicht, jetzt schaut jeder mal auf die Europakarte, wo das eigentlich liegt. Die Fernsehbilder wecken Interesse am Ferienland Liechtenstein, weil die Leute die schönen Landschaften sehen und denken, "das will ich auch mal sehen". In den letzten zwei oder drei Wochen hatten wir vier- bis fünfmal mehr Zugriffe auf unserer Internetseite als sonst.

SPIEGEL ONLINE: Aber bekommt Ihr Land durch die Berichterstattung nicht ein negatives Image?

Michel-Hoch: Das glaube ich nicht - die Attraktionen des Landes sind geblieben, wir sind immer noch ein schönes, kleines Land. Da kann uns so etwas nicht umhauen.

SPIEGEL ONLINE: Im Mai startet im Liechtensteinischen Landesmuseum eine Sonderausstellung zur Geschichte der Polizei und des Verbrechens in Liechtenstein - Kriminalität scheint gerade ein großes Thema zu sein…

Michel-Hoch: Bei uns gibt es nicht mehr Faszination für Verbrechen als in anderen Ländern. Wir haben seit 1868 kein eigenes Militär mehr, aber eine eigene Landespolizei, die in diesem Jahr ihr 75-jähriges Jubiläum feiert.

SPIEGEL ONLINE: Sie werben mit dem Slogan "Fürstliche Momente" - was hat es damit auf sich?

Michel-Hoch: Ein echter fürstlicher Moment ist sicher, wenn Besucher am Staatsfeiertag am 15. August dem Staatsoberhaupt auf dem Schloss die Hand schütteln können. Aber fürstliche Momente sind für uns auch ein gutes Abendessen oder ein guter Wein aus der fürstlichen Weinkellerei, oder wenn man einen tollen Skitag in Malbun hat.

SPIEGEL ONLINE: Ein weiterer Slogan ist "Mittendrin 08"…

Michel-Hoch: Das spielt auf unsere Lage zwischen den Ausrichtern der Fußball-Europameisterschaft, Österreich und Schweiz an. Wir sind ein fußballbegeistertes Land, Vaduz hat 5500 Einwohner, aber ein Stadion mit 6500 Plätzen. Im Stadtzentrum wird es auch eine Großleinwand geben. Bei uns können Fußballfans zwischendurch mal einen ruhigen Tag einlegen - nicht in der Steueroase, sondern in der Ferienoase Liechtenstein.

Das Interview führte SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Stephan Orth



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