Erste nationale Strategie der Bundesregierung Fachkräfte, Mobilfunk, Verkehr - woran es bei Deutschlands Tourismus noch hapert

Die Bundesrepublik wird als Reiseziel immer beliebter. Gut für die Wirtschaft - aber auch die Bewohner der Urlaubsregionen sollen mehr davon haben. Welche Punkte sind der Regierung besonders wichtig?

Kanufahrer auf der Spree in der Nähe von Lübbenau
Getty Images

Kanufahrer auf der Spree in der Nähe von Lübbenau


Die Bundesregierung will die Wettbewerbsfähigkeit der Tourismusbranche in Deutschland stärken und sich mehr um die meist kleinen und mittleren Unternehmen kümmern. Die Wirtschaftskraft solle steigen, zugleich aber auch die Lebensqualität der Menschen in den beliebten Urlaubsgegenden, sagte der Tourismusbeauftragte Thomas Bareiß (CDU).

Das Wirtschaftsministerium legte nun Eckpunkte für eine erste Nationale Tourismusstrategie vor, die vom Kabinett am Dienstag beschlossen wurde. Konkrete Maßnahmen sollen bis Anfang 2020 mit den Ländern und der Branche erarbeitet werden. Dabei könne es etwa um flexiblere Arbeitszeitregelungen in der Gastronomie gehen, um faire steuerliche Rahmenbedingungen und den Abbau von Bürokratie, aber auch um den Ausbau des schnellen Internets im ländlichen Raum.

Sorgen bereitet die Macht der großen Buchungsplattformen

"Mit der Tourismusstrategie wird die Bundesregierung erstmalig ein ganzheitliches wirtschaftliches Konzept für den Tourismussektor vorlegen", sagte Bareiß, parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, bereits am Montag. Er nannte die Tourismusbranche ein ökonomisches Schwergewicht und verwies auf fast drei Millionen Arbeitsplätze sowie eine Bruttowertschöpfung von mehr als 100 Milliarden Euro.

Fotostrecke

10  Bilder
Tourismusanalyse 2019: Lieblingsreiseziele der Deutschen

Die Attraktivität der ländlichen Räume als Urlaubsziele solle gesteigert werden, um Touristenströme gut zu verteilen und touristische Hotspots zu entlasten. "Dazu gehört endlich ein schnellerer Mobilfunkausbau und eine bessere Verkehrsanbindung", sagte Bareiß. Der Fachkräftemangel sei ein "Geschäftsrisiko". Es sei entscheidend, dass das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz zügig in Kraft treten könne. Bareiß kündigte Beratungen mit allen relevanten Akteuren in der Tourismuswirtschaft, der Bundesregierung und den Bundesländern an.

Zur fortschreitenden Digitalisierung heißt es in den Eckpunkten, die Unternehmen müssten mit den Anforderungen von digitalen Vertriebskanälen mithalten können. "Die Zukunftsfähigkeit der deutschen Tourismuswirtschaft wird sich auch daran zeigen, inwieweit sie die Herausforderungen meistert, die dieser Strukturwandel bei schärferem und globalerem Wettbewerb mit sich bringt."

Insbesondere kleine und mittlere Betriebe müssten sich in einem Umfeld globaler digitaler Player behaupten und benötigen daher "faire Wettbewerbsbedingungen", unter anderem im Zusammenhang mit der Plattformökonomie. Vor allem die zunehmende Macht großer internationaler Buchungsplattformen machen der Tourismuswirtschaft zu schaffen. Die Sorge ist, dass Wertschöpfung zunehmend ins Ausland abwandert.

Branche fordert seit Langem Entlastungen

Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) begrüßte in einer Mitteilung, "dass die Bundesregierung sich das Thema Tourismus aktiv auf die Fahnen schreibt und ihre Tourismuspolitik strategisch und unter Berücksichtigung der Vielfalt an Themen und beteiligten Politikbereiche koordinieren und weiterentwickeln will".

Jetzt komme es darauf an, sagte BTW-Generalsekretär Michael Rabe, "ob die Regierung auch in diesem Sinne liefert, wenn es um Fragen wie den Abbau der wettbewerbsverzerrenden Urlaubs- und Luftverkehrsteuer, den überfälligen Breitbandausbau im ländlichen Raum oder den Einsatz gegen neuerliche 'Bürokratiemonster' geht, wie sie die Branche zuletzt mit Pauschalreiserichtlinie oder Datenschutzgrundverordnung massiv getroffen haben."

Auch der Automobilverband ADAC hatte am Montag die Pläne der Regierung kommentiert. "Diese Unterstützung muss sich nun zeitnah in konkreten Maßnahmen ausdrücken. Ein Schwerpunkt muss dabei auf der Lösung der Mobilitäts- und Infrastrukturprobleme liegen", sagte der Vizepräsident für Tourismus, Kurt Heinen. Außerdem müsse Tourismuspolitik besser koordiniert werden. Die Aufteilung der Zuständigkeit auf mehrere Ministerien koste viel Zeit. "Wir müssen schneller werden", sagte Heinen.

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft, Michael Frenzel, hatte bei einem "Tourismusgipfel" im vergangenen November "faire Wettbewerbsbedingungen" gefordert. Traditionellen Unternehmen würden oft immer noch strengere Vorgaben gesetzt als der digitalen Konkurrenz.

Die Branche fordert von der Politik außerdem seit Langem Entlastungen, etwa bei Bürokratie und im Arbeitsrecht. Sie verlangt eine Flexibilisierung der Arbeitszeitgesetze. Die starre tägliche Höchstarbeitszeit im Arbeitszeitgesetz sei nicht zeitgemäß, hatte Frenzel gesagt.

Im vergangenen Jahr war die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem In- und Ausland in Deutschland nach Zahlen des Statistisches Bundesamtes um 4 Prozent auf den Bestwert von 477,6 Millionen gestiegen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hatte aber betont, die Ertragssituation in der Branche bleibe durch weiter steigende Betriebs- und Personalkosten angespannt. Hinzu komme der Fachkräftemangel.

abl/dpa



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hexenbesen.65 01.05.2019
1.
Ich könnt lachen und heulen zugleich... Nach WIEVIEL Jahren "entdeckt" die Bundesregierung nu die "neuen " Bundesländer ??? (Ich selber stamme aus Hessen, und war schon "Oh wunder " in den neuen Bundesländern mit meinen Kindern in Urlaub) . Die sollen nu mal nicht so tun, als ob sie "was neues" "gefunden" haben..Das ist eher ein ARMUTSZEUGNIS....wie lange gibt es die "DDR" nicht mehr ???? Ich glaub, so 30 Jahre rum …..?????? DREISSIG Jahre !!! Und dann fällt denen ein "Hoppla, da war doch mal was !".. Wie gesagt, wir waren schon mit unseren Kindern in Thüringen usw in Urlaub.. wunderschön, immer zu empfehlen !!!!! Es gibt wirklich wunderschöne Ecken dort . (Ich will nicht sagen "DDR") oder "neue Bundesländer"---für mich ist es EIN Land. Punkt , aus , fertig. Und von der Landschaft her wirklich wunderschön (vielleicht ein Vorteil, weil nicht Industriell "versaut" mit Fabriken, Abluft, Abgasen und Abwasser)
k70-ingo 02.05.2019
2.
Zitat von hexenbesen.65Ich könnt lachen und heulen zugleich... Nach WIEVIEL Jahren "entdeckt" die Bundesregierung nu die "neuen " Bundesländer ??? (Ich selber stamme aus Hessen, und war schon "Oh wunder " in den neuen Bundesländern mit meinen Kindern in Urlaub) . Die sollen nu mal nicht so tun, als ob sie "was neues" "gefunden" haben..Das ist eher ein ARMUTSZEUGNIS....wie lange gibt es die "DDR" nicht mehr ???? Ich glaub, so 30 Jahre rum …..?????? DREISSIG Jahre !!! Und dann fällt denen ein "Hoppla, da war doch mal was !".. Wie gesagt, wir waren schon mit unseren Kindern in Thüringen usw in Urlaub.. wunderschön, immer zu empfehlen !!!!! Es gibt wirklich wunderschöne Ecken dort . (Ich will nicht sagen "DDR") oder "neue Bundesländer"---für mich ist es EIN Land. Punkt , aus , fertig. Und von der Landschaft her wirklich wunderschön (vielleicht ein Vorteil, weil nicht Industriell "versaut" mit Fabriken, Abluft, Abgasen und Abwasser)
Sie waren vor dem Mauerfall nicht in der DDR, stimmts? Wäre der Osten entgegen Ihrer Behauptung nicht schon von der Bundesregierung entdeckt worden, hätten Sie die dreckigste Gegend Europas besucht. Wenn ich in den ersten DDR-Ort nach der Zonengrenze eingefahren bin, habe ich instinktiv immer die Luft angehalten - es dauerte immer ein bißchen, bis ich realisierte, daß das nichts bringt, weil die Luft nicht besser wurde. Im Winter konnte man in der Schlange an der Grenze anhand des Verschmutzungsgrades der Fahrzeuge erkennen, ob sie nur im Transitverkehr oder "richtig" in der DDR unterwegs waren. Noch heute, 30 Jahre später, verspüre ich bei der Vorbeifahrt an Marienborn einen Anflug dieses unvergleichlichen Gefühls, was man an der DDR-Grenze hatte, eine Mischung aus nervöser Anspannung, Vorfreude auf exotische Erlebnisse und mühsam unterdrückter Belustigung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.