Tourismusbranche TUI will Zahl seiner Reisebüros verdoppeln

Entgegen den Trend setzt TUI verstärkt auf die persönliche Reisevermittlung: Deutschlands größter Veranstalter will die Zahl der eigenen Reisebüros deutlich erhöhen. Zugleich sinken bei TUI die Preise. Vor allem der Urlaub in Asien und Spanien wird günstiger.

Reisekataloge von TUI: Günstiger in den Sommerurlaub 2010
ddp

Reisekataloge von TUI: Günstiger in den Sommerurlaub 2010


Hannover - Deutschlands größter Reisekonzern TUI will den Vertrieb über eigene Reisebüros ausbauen. Unternehmenskreisen zufolge soll die Zahl der bereits vorhandenen 400 eigenen Büros verdoppelt werden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Das Budget dafür betrage 100 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren, sagte einer der Insider. Die TUI-Tochterfirma TUI Travel, in der das Reiseveranstaltergeschäft gebündelt ist, habe das Geld bereits bewilligt.

TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher bestätigte die geplante Expansion in der immer noch wichtigsten Verkaufsschiene Reisebüros, nannte aber keine Zahlen. "Wir wollen unser Vertriebsnetz durch Zukäufe von Filialen verstärken", sagt Böttcher. Auch der Verkauf über das Internet soll ausgebaut werden.

Für den Sommer 2010 will TUI die Preise deutlich reduzieren. Wie die meisten großen Anbieter von Pauschalreisen will auch TUI damit die schwache Nachfrage ankurbeln. Die Kosten für Reisen auf der Mittelstrecke werden um durchschnittlich fünf Prozent und auf der Fernstrecke um rund sechs Prozent sinken, gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt.

Besonders hoch sind die Abschläge in Spanien, dem Lieblingsziel der Bundesbürger. Auf Mallorca und den Nachbarinseln werden sechs Prozent weniger verlangt, auf den kanarischen Inseln sieben Prozent weniger. Deutlich sind auch die Senkungen in Griechenland (6,5 Prozent), Ägypten (6,5), Tunesien (7) und der Türkei (5,5 Prozent) sowie Italien (5 Prozent). Die Preise für Deutschland bleiben stabil, Urlaub in Österreich und der Schweiz wird etwas teurer. Auf der Fernstrecke sind vor allem Thailand mit 13 Prozent und Sri Lanka mit 14 Prozent billiger.

Keine Schnäppchen, mehr Luxus

Auf superbillige Last-Minute-Schnäppchen können Reisefreunde dennoch nicht hoffen. "Wir werden uns auch künftig nicht an ruinösen Preiskämpfen beteiligen", unterstreicht Böttcher. Die Preissenkung werde ohne Einfluss auf die Rendite vor allem durch bessere Konditionen von Hotels und Fluggesellschaften erreicht.

Zudem soll es neue Spezialangebote geben und die Exklusivität erhöht werden. So gebe es im Sommerprogramm 11.000 zusätzliche Betten in 13 Hotels, die nur bei TUI Deutschland gebucht werden können. Schon heute seien 88.000 und damit jedes zweite Bett nur bei TUI buchbar. Auch das Luxussegment werde ausgeweitet.

Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr zeigte sich TUI zufrieden. Trotz Rückgang der Kundenzahl um zehn Prozent seien die Ziele erreicht worden. Ungeachtet eines branchenweit schwachen Buchungsstarts äußerte sich Böttcher für die laufende Wintersaison 2009/2010 "verhalten optimistisch", dass TUI besser als der Markt abschneiden werde. TUI setzt dabei auf eine wohlhabendere und damit krisenresistentere Kundschaft.

Böttcher betonte: "Ich bin fest überzeugt, dass die Deutschen auch 2010 Reiseweltmeister bleiben." Entscheidend sei aber die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.

Tourismusbranche rechnet mit 200.000 neuen Jobs

Und die sieht die Tourismusbranche recht positiv und rechnet mit mindestens 200.000 neue Jobs. Die Branche sei bisher gut durch die Krise gekommen, sagte der Präsident des Deutschen Tourismusverbandes, Reinhard Meyer, am Donnerstag beim Deutschen Tourismustag in Dresden.

"Die Bundesregierung ist fest entschlossen, dieses Potenzial auszuschöpfen", sagte Ernst Burgbacher, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Vor allem der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent für das eherbergungsgewerbe ab 2010 sei ein richtiges Signal. Im deutschen Tourismus arbeiten knapp drei Millionen Menschen.

abl/Reuters/dpa-AFX

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