"Trips" Airbnb führt Reiseplaner-Funktion ein

Bisher war Airbnb vor allem eine Konkurrenz für die Hotelbranche. Nun können Reisende beim umstrittenen Bettenvermittler auch Ausflüge buchen - und künftig vielleicht sogar Flüge.

Tourist auf der Golden Gate Bridge in San Francisco
imago/ Westend61

Tourist auf der Golden Gate Bridge in San Francisco


Die Idee von Airbnb war ursprünglich, Reisende bei Privatpersonen übernachten zu lassen, die ihren Gästen nicht nur den Kühlschrank überlassen, sondern ihnen zum Frühstück auch noch ein paar persönliche Geheimtipps für das perfekte Wochenende in Berlin, Mailand oder New York stecken sollten.

Inzwischen hat sich die Plattform zu einem umstrittenen Vermittler von Ferienwohnungen entwickelt, der offenbar noch Größeres vorhat: Am Donnerstag stellte das Unternehmen in Los Angeles eine neue Funktion vor, in der sich User Tipps für Urlaubserlebnisse holen und diese anschließend auch gleich buchen können. Eine entsprechende App war in den USA bereits seit einigen Monaten im Google Play Store gelistet, für die Öffentlichkeit aber nicht zugänglich.

Airbnb wird damit zum Konkurrenten klassischer Reiseveranstalter. Zu den ab sofort buchbaren Angeboten zählen Aktivitäten wie Trüffelsuchen in der Toskana, ein Spaziergang auf den Spuren von Nelson Mandela in Kapstadt oder ein Geigenbau-Workshop in Paris. In Zukunft sollen neben Ausflügen zu Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen auch Flüge integriert werden, sodass sich User ein ganzes Reiseprogramm erstellen können.

Die Gebühren für die einzelnen Touren werden von den Anbietern festgelegt. Die Hälfte der anfangs verfügbaren Aktivitäten kostet laut Airbnb-Mitgründer Brian Chesky unter 200 US-Dollar (umgerechnet 187 Euro). Wie der US-amerikanische Branchendienst Skift berichtet, wird Airbnb eine Provision in Höhe von 20 Prozent einbehalten.

Service zunächst in zwölf Städten

Airbnb erprobt den neuen Service mit dem Namen "Trips" in folgenden zwölf Städten: Los Angeles, San Francisco, Miami, Detroit, Havanna, London, Paris, Florenz, Nairobi, Kapstadt, Tokio und Seoul. Das Angebot soll allerdings rasch ausgeweitet werden, 39 weitere Städte seien schon in den Startlöchern. Vor zwei Monaten hatte bereits der Internetriese Google eine Reiseplaner-App vorgestellt, die ebenfalls "Trips" heißt.

Airbnb vermittelt gegen Gebühr Wohnungen und Zimmer von Privatpersonen zur Zwischenmiete an Reisende und ist damit ein großer Konkurrent der Hotelindustrie. Die Onlineplattform hat seit der Gründung 2008 einen rasanten Aufstieg verzeichnet und ist inzwischen nach eigenen Angaben in 191 Ländern und mehr als 34.000 Städten weltweit vertreten. Das Unternehmen wurde von Investoren zuletzt mit rund 30 Milliarden Dollar (28,2 Milliarden Euro) bewertet.

Das Geschäftsmodell ist allerdings umstritten. Kritikern zufolge wird durch Airbnb ohnehin schon knapper Wohnraum verringert und verbotene gewerbliche Nutzung sowie ruhestörender Andrang von Touristenmassen in Wohnvierteln ermöglicht. In Metropolen wie Berlin oder New York wurden erst kürzlich drastische Strafen für illegale Airbnb-Nutzung eingeführt. In der deutschen Hauptstadt allerdings zeigt das Zweckentfremdungsverbot bisher wenig Wirkung.

jus/dpa



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