Trotz Protesten Fluglinien wollen gefährliche Babygurte nutzen

Das Luftverkehrsamt hat protestiert, die Bundesregierung interveniert - trotzdem werden deutsche Fluggesellschaften ab Mittwoch ihren Passagieren Loop Belts anbieten. Diese einfachen Gurte zur Kleinkindsicherung halten Experten für höchstgefährlich.

Wenn am Mittwoch die EU-Vorschrift für den "Transport von Personen und Sachen" in Kraft tritt, wollen deutsche Airlines nach Information des SPIEGEL "Loop Belts" für ihre kleinsten Passagiere bereithalten. Mit diesen höchst umstrittenen Gurten sollen Kleinkinder bis zu zwei Jahren im Schoß einer Begleitperson abgesichert werden, um zu verhindern, dass sie bei Start- oder Landeunfällen, Turbulenzen oder Notwasserungen aus den Händen ihrer Eltern gerissen werden und buchstäblich durch die Kabine fliegen.

Doch statt Kleinkinder vor Unfallfolgen zu schützen, so belegen Untersuchungen australischer, deutscher und amerikanischer Experten, drohen Loop Belts die kleinen Körper schwer zu verletzen. Bei Notlandungen, Startabbrüchen oder Turbulenzen können enorme Beschleunigungskräfte wirken.

So werden Kleinkinder im Schoß von Vater oder Mutter durch den "Klappmessereffekt" bedroht: der Körper der Begleitperson klappt ruckartig über dem Kleinkind zusammen. Gefahr droht zusätzlich durch den am Bauchgurt des Erwachsenen fixierten Haltegurt, denn der sitzt im Weichteilbereich der Kleinen und kann tödliche Verletzungen verursachen, wie die Untersuchungen zeigten.

Das Luftfahrt-Bundesamt hatte die deutschen Fluggesellschaften daher bereits vor zwei Monaten gedrängt, auf die durch den EU-Erlass genehmigte Kindersicherung zu verzichten. Das Bundesverkehrsministerium hatte Anfang Juni in Brüssel interveniert, um den Gebrauch von Loop Belts doch noch zu stoppen.

Angesichts der in den Urlaubsmonaten besonders gut ausgebuchten Jets, zeigen sich die Airlines aber entschlossen, die Kleinkindergurte zu nutzen. Kleinkindersitze, das einzig sichere Transportmittel für den Nachwuchs, müssten Eltern da schon selbst an Bord bringen. Und, natürlich, für den Extraplatz im Flugzeug bezahlen.

Ulrich Jaeger

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