Türkei Zecken übertragen gefährliches Krim-Kongo-Fieber

Nach Zeckenbissen sind am Schwarzen Meer drei Menschen am Krim-Kongo-Fieber gestorben. Die Infektionskrankheit führt wie Ebola und Lassa zu inneren Blutungen und ist oft tödlich. Türkei-Urlauber sollten sich mit langen Hosen und Hemden vorbeugend vor Zecken schützen.


Rostock - Das durch Zecken übertragene Krim-Kongo-Virus ist auf dem Vormarsch. Der Erreger, der ursprünglich in der Krim bis Zentralafrika verbreitet war, ist in den letzten Jahren vermehrt in der Türkei und auch in Russland aufgetaucht. Innerhalb weniger Tage sind jetzt drei Menschen in der türkischen Provinz Corum im Schwarzmeergebiet nach Zeckenbissen an der Infektionskrankeit gestorben. Seit April hatten sich Medienberichten zufolge dort bereits 23 Menschen nach Zeckenbissen behandeln lassen müssen.

Zecke vor dem Beißangriff: Die Parasiten übertragen das Krim-Kongo-Fieber
DPA

Zecke vor dem Beißangriff: Die Parasiten übertragen das Krim-Kongo-Fieber

Auch Touristen sollten sich in der Türkei unbedingt vor Zecken schützen, denn auch in den Urlaubsgebieten könnten sich Reisende nach Zeckenbissen anstecken, warnt Emil Reisinger, Leiter des Tropeninstituts in Rostock. Das gefährliche Krim-Kongo-Fieber führt dem Tropenmediziner zufolge zu inneren Blutungen und ist in der Hälfte der Krankheitsfälle tödlich.

Gegen das Virus gibt es laut Reisinger keinen Impfschutz. Die Inkubationszeit betrage drei bis sieben Tage. Betroffene verspürten zunächst unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Unwohlsein und Fieber. Laut Reisinger sollte dann unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Weil die Krankheit wie Ebola und Lassa ein hämorrhagisches Fieber ist, träten im weiteren Verlauf Blutungen an Lippen und Gaumen sowie im Inneren des Körpers auf. Oft komme es auch zu Bluthusten.

Nicht bauchfrei durchs Gras

Das Virus setze die Blutgerinnung des menschlichen Körpers außer Kraft, erklärt Reisinger: "Die Menschen verbluten." Daher müssten Erkrankte schnell behandelt werden. Sie erhielten Transfusionen, die den Blutverlust ausgleichen sollen, und Medikamente, mit denen versucht wird, die Blutgerinnung wieder in den Griff zu bekommen.

Das tückische Virus, das auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann, taucht laut Reisinger in der Türkei "querfeldein" auf. Umso wichtiger ist Reisinger zufolge der vorbeugende Schutz vor Zeckenbissen. Wer beispielsweise im Hinterland durch hohes Gras oder Unterholz wandert, sollte lange Hosen und Hemden tragen und die lange Hose in die Socken schlagen. "Bauchfrei würde ich auch vermeiden", sagt Reisinger.

Denn entgegen der verbreiteten Meinung ließen sich Zecken nicht von Bäumen auf Menschen fallen. Sie säßen vielmehr im kniehohen Gras, von wo sie beim Vorübergehen auf die Kleidung gelangen. "Sie krabbeln dann in die Hose und am Bein hoch und suchen sich eine geeignete Einstichstelle", erläutert der Tropenmediziner. Nach einer Wanderung sollten sich Urlauber außerdem gründlich nach Zecken absuchen und die Tierchen entfernen.

abl/gms



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