Reisebuchung TUI soll künftig verbindliche Flugzeiten angeben

Vorverlegte oder auf später verschobene Flüge können für Reisende ein großes Ärgernis sein. Entweder verkürzt sich dadurch die Urlaubszeit oder man verpasst die Maschine. Verbraucherschützer wollen die TUI nun zu verbindlichen Flugzeiten zwingen - der Reisekonzern wehrt sich.


Hannover - Bisher war der Reiseveranstalter TUI nicht dazu verpflichtet, seinen Kunden zum Zeitpunkt der Buchung verbindliche Flugzeiten mitzuteilen. Reisende konnten daher noch kurz vor dem Urlaub neue Flugdaten erhalten - und hatten im Fall einer Verschiebung das Nachsehen. Das könnte sich nun ändern.

Das Landgericht Hannover bestätigte am Dienstagabend den Antrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), nach dem die TUI dazu verpflichtet werden soll, bei einer Reisebuchung verbindliche Flugzeiten mitzuteilen. Dies teilte der Sprecher des Landgerichts, Patrick Gerberding, am Dienstag mit.

Demnach könnten die Flugdaten nach der Buchung von Seiten des Reiseveranstalters nicht mehr geändert werden. Solange es sich jedoch nur um ein Reiseangebot handele, seien die Flugzeiten unverbindlich.

In dem Gerichtsverfahren ging es um eine Klausel in den Reisebedingungen der TUI, die besagt, dass der Veranstalter dem Kunden die endgültigen Flugzeiten erst mit Zusendung der Reiseunterlagen mitteilt. Der vzbv sah dies als unzulässig an, weil dies eine nachträgliche Änderung der Flugzeiten zu Lasten der Kunden ermögliche. Dem sei das Gericht gefolgt.

TUI kündigte sofort nach der Entscheidung des Landgerichts an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Der Konzern argumentiert, dass die Flugzeiten bei der Buchung häufig noch gar nicht endgültig feststünden. Insbesondere bei sehr frühen Buchungen habe die Vergabe der Start- und Landezeiten an den Flughäfen noch gar nicht stattgefunden.

TUI will jetzt zunächst die Urteilsgründe sorgsam prüfen. Solange der Rechtsstreit nicht endgültig entschieden sei, bleibe es bei der bisherigen Regelung. Der Reisekonzern betonte, er sei weiterhin bemüht, eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung zu finden. Außergerichtliche Einigungsversuche habe die Verbraucherzentrale aber bisher abgelehnt.

jus/dpa/dapd



insgesamt 3 Beiträge
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omoses 15.03.2012
1. Nicht nur TUI
Ich habe letztes Jahr bei Germanwings einen Flug nach Korsika gebucht, früh morgens abfliegen und um 9 Uhr schon auf der Insel... der Flug wurde aber plötzlich vor wenigen Tagen auf den Abend verschoben, damit komme ich ohne teures Taxi nicht mal mehr vom Flughafen fort und die Wanderung muss komplett anders geplant werden! Stornierung war zwar möglich (über eine sündhaft teure 0900-Nummer), aber das Rail and Fly-Ticket kann man nicht zurückgeben... 60 € sind damit verloren! Und das war nicht das erste Mal, dass das passierte...
glangbehn 15.03.2012
2. Das realistisch Machbare
Im Artikel wird nicht darauf eingegangen, inwieweit die streitigen Flugdaten geändert wurden. Bei einer Verschiebung des Hinflugs von Frühmorgens auf Spätabends ist die Verärgerung des Kunden wohl jedem verständlich und wird wohl auch vor Gericht als Mangel gewertet werden. Einen Reiseveranstalter zu verpflichten, bei der Buchung Flugdaten zu zementieren ist jedoch fern der Realtität. Gehe ich von unseren Gruppenreisen aus, so scheitert dieser Wunsch schon allein daran, dass die Airlines nicht bereit sind, die Flüge so lange zu reservieren, bis die Gruppe Buchung und Zahlung erledigt hat. Wer schon einmal die Anzahlung von 20-30 Teilnehmern einsammeln musste weiss, wie lange sich einige damit Zeit lassen. Im Dialog mit dem Kunden ist es uns jedoch immer gelungen, eine für ihn gute Lösung zu finden. Wir sind nicht an der Verärgerung des Kunden interessiert und TUI wahrscheinlich auch nicht. Hoffen wir, dass der weitere Verlauf des Verfahrens nicht buchstaben- sondern realitätsbezogen betrieben wird.
kdf 13.03.2013
3. Flugzeiten stehen bei der Buchung noch garnicht fest,
aber die Reiseveranstalter werben in Ihren Katalogen damit, und zwar mit konkreten Angaben. Wieso denn das? Diese Masche kann man mit noch so fadenscheinigen Begründungen wohl kaum erklären. Ausser vielleicht damit, dass der Betrug am Kunden von vornherein geplant ist.
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