Streit um Entschädigung Gericht verhandelt über massenhafte TUIfly-Flugausfälle

Zahlreiche Krankmeldungen störten im Herbst den Flugverkehr von TUIfly massiv. Hunderte Kunden verklagten die Airline auf Entschädigung, nun werden die ersten Entscheidungen erwartet.

TUIfly-Maschinen auf dem Flughafen Leipzig-Halle
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TUIfly-Maschinen auf dem Flughafen Leipzig-Halle


Für Tausende TUIfly-Kunden ist der Herbsturlaub im vergangenen Jahr ausgefallen: Rund eine Woche lang kämpfte die Airline mit massiven Flugausfällen, weil sich die Besatzungen reihenweise krankmeldeten. Für die entgangene Urlaubserholung will TUIfly den Kunden bisher keine Entschädigungen zahlen, lediglich der Reisepreis wurde erstattet. Nun stehen die ersten Entscheidungen an, ob das Unternehmen damit durchkommt.

Viele Betroffene reichten Klage ein, beim Amtsgericht Hannover sind bereits mehr als 600 Zivilverfahren anhängig. Heute nun werden einige der ersten Klagen verhandelt.

Unter anderem will eine fünfköpfige Familie 4000 Euro auf Basis der EU-Fluggastrechteverordnung, weil sie nach eigenen Angaben erst am Flughafen Düsseldorf erfuhr, dass der Flug nach Kos und auch der Rückflug storniert wurden.

Richterin Catharina Erps will an diesem Mittwoch eine Entscheidung verkünden. Sie drückte in der Anhörung bereits die Überzeugung aus, dass die Parteien wohl nächsthöhere Instanzen anrufen würden. Dieser Ansicht schloss sich auch der Anwalt der Kläger aus Nordrhein-Westfalen an. Er sprach von einem Präzedenzfall und kündigte am Rande des Verfahrens an, notfalls vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen. Ein endgültiger Beschluss könne sich somit bis zu zwei Jahre hinziehen.

Bevor es zu der ungewöhnlichen Häufung von Krankmeldungen kam, war bekannt geworden, dass TUIfly mit der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki fusionieren wird. Zusammen sollen sie in eine neue Dachgesellschaft unter Führung der arabischen Fluglinie Etihad integriert werden. Arbeitnehmervertreter befürchteten daraufhin Jobverluste.

Das Unternehmen beruft sich nach Gerichtsangaben darauf, dass die hohe Zahl an Krankmeldungen ein wilder Streik war. Um welche Schadenssummen es für das Unternehmen geht, ist unklar, TUIfly will dazu keine Angaben machen. Die Gesellschaft argumentiert damit, dass die massenhaften Krankmeldungen ein außergewöhnlicher Umstand im Sinne von höherer Gewalt gewesen seien.

Wann Reisende Anspruch auf Entschädigung haben

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs sind Fluggesellschaften bei einem Streik zwar von Entschädigungszahlungen befreit. Ob die Krankmeldungen als Streik aufzufassen sind, ist rechtlich aber strittig.

Wie die Richter entscheiden, ist völlig offen. Reiserechtler glauben, dass TUI eher schlechte Karten hat, Ausgleichszahlungen nach der EU-Fluggastrechteverordnung zu verweigern. Bei mehr als drei Stunden Flugverspätung haben Reisende je nach Strecke Anspruch auf Entschädigung von 250 bis 600 Euro, wenn die Airline für die Verspätung verantwortlich ist. Wer gar nicht fliegen kann, obwohl er pünktlich am Abfertigungsschalter war, hat Anspruch auf bis zu 600 Euro pro Person.

TUIfly hatte im Streit um die Zukunft des Unternehmens schließlich eingelenkt und war den Forderungen der Arbeitnehmer mit einer mindestens dreijährigen Standort- und Tarifgarantie entgegengekommen.

Auch Air Berlin war betroffen

Anfang Dezember hatte TUI-Sprecher Kuzey Esener mitgeteilt, eine vergleichbare Ausnahmesituation wie im Oktober habe es in Deutschland noch nie gegeben. "Es handelte sich um außergewöhnliche Umstände, die außerhalb des Einflussbereichs unserer Fluggesellschaft lagen. Für eine solche unvorhersehbare Situation kann die Fluggesellschaft keine Vorsorge treffen."

Am 7. Oktober 2016 hatte TUIfly den Betrieb wegen massenhafter Krankmeldungen der Besatzungen fast komplett einstellen müssen. Auch an den Tagen davor und danach gab es bis 9. Oktober viele Flugausfälle. Air Berlin war ebenfalls betroffen. Denn 14 TUIfly-Jets samt Personal sind seit Jahren im Streckennetz der Berliner eingeplant - und blieben an diesen Tagen ebenfalls am Boden.

Wie viele Kunden insgesamt im Herbst strandeten, ist von TUIfly nicht zu erfahren. Für den heftigsten Tag, den 7. Oktober, hatte die Tochtergesellschaft des Reisekonzerns TUI von 9700 betroffenen Fluggästen berichtet.

"Natürlich werden die Passagiere gemäß den gesetzlichen Vorgaben entschädigt", sagte zwar TUI-Konzernchef Fritz Joussen. Er ließ aber offen, was dies konkret bedeutet.

jus/dpa



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