Reiseveranstalter Tunesien-Urlauber können kostenlos stornieren

Der Anschlag im tunesischen Badeort Sousse hat Veranstalter und Fluglinien alarmiert: Eine Maschine der Jetairfly drehte noch auf dem Weg nach Tunesien um, Gäste vor Ort dürfen vorzeitig abreisen.


Die großen deutschen Reiseveranstalter reagieren prompt auf den Anschlag im tunesischen Sousse, bei dem am Freitag mindestens 28 Menschen ums Leben kamen. Sie bieten kostenlose Stornierungen und Umbuchungen von bereits gebuchten Reisen an. Auch Fluglinien haben vorerst ihre Verbindungen nach Tunesien eingestellt.

Bei dem Hotel, das Ziel eines Terroranschlags wurde, handelt es sich um das Imperial Merhaba der RIU-Kette in Sousse, das zum TUI-Konzern gehört. Der Konzern gehe davon aus, dass sich unter den Todesopfern eigene Kunden befinden, heißt es in einer Erklärung. Es lägen aber noch keine gesicherten Erkenntnisse vor. Aktuell befinden sich rund 260 Urlauber des Veranstalters in der Region; insgesamt befinden sich etwa 3800 TUI-Gäste in Tunesien.

  • Kunden von TUI, die bereits gebucht haben, könnten bis einschließlich 15. September gebührenfrei umbuchen oder stornieren, teilte der Reiseveranstalter mit. Für Urlauber, die sich derzeit vor Ort befinden, organisiert das Unternehmen die Abreise. Um Gäste vor Ort zu unterstützen, bereiten sich laut TUI speziell geschulte Mitarbeiter auf ihren Einsatz vor, außerdem gibt es für Kunden eine kostenlose Hotline unter +49 (0)511 567 8000.
  • Wer mit Thomas Cook und seinen Marken bis zum 24. Juli in das Land fliegen wollte, dürfe kostenlos stornieren oder umbuchen, teilte das Unternehmen, zu dem auch Neckermann Reisen gehört, mit. Nach derzeitigem Stand seien keine Gäste oder Mitarbeiter von Thomas Cook von der Tat betroffen.
  • Bei der DER-Touristik-Gruppe dürfen Kunden kostenlos stornieren und für alle Tunesienreisen mit Abflug bis zum 10. Juli umbuchen. Gleichzeitig organisierte das Unternehmen nach eigenen Angaben Flugkapazitäten, um Gäste, die das Land vorzeitig verlassen wollten, nach Deutschland zurückzufliegen.
  • Die belgische Fluggesellschaft und TUI-Tochter Jetairfly will vorerst keine Reisenden mehr nach Tunesien bringen, wie das Unternehmen auf seiner Webseite mitteilte. Ein Flug sei auf dem Weg nach Tunesien zurück nach Brüssel umgekehrt. Ein Abendflug wurde annulliert, ebenso wie vier Flüge am Samstag. Die Airline führt aber weiter Flüge aus, um Reisende aus dem Land nach Hause zu bringen.
  • Einer der größten polnischen Reiseveranstalter hat ebenfalls Flüge nach Tunesien ausgesetzt. Alle Reisen in das nordafrikanische Land würden gestoppt, berichtete der Rundfunksender TOK FM unter Berufung auf eine Sprecherin von Itaka Polska.

Das Auswärtige Amt rät in seinem aktualisierten Reisehinweis für Tunesien zu besonders umsichtigem Verhalten. Eine Reisewarnung sprach die Behörde nicht aus. Der Deutsche Reiseverband (DRV) hat derzeit noch keine weitere Informationen zur Lage vor Ort.

Im Jahr 2014 reisten 425.648 Deutsche nach Tunesien - etwas weniger als im Jahr 2010 vor dem Arabischen Frühling. Im Revolutionsjahr 2011 waren die Gästezahlen auf 270.632 gefallen. Für das laufende Jahr verzeichnet Tunesien zwischen 1. Januar und 20. Juni einen Rückgang der deutschen Gäste um 20,9 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Erst im März waren bei einem Terrorangriff auf das Bardo-Museum in der Hauptstadt Tunis mehr als 20 Menschen getötet worden.

abl/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
usfriend 26.06.2015
1. Mein Mitleid ist mit den Opfern
Aber ganz im Ernst. Wie kommt man auf die Idee, dort noch Urlaub zu machen?
tommcat 26.06.2015
2. Solche Reiseziele noch sicher ?
Sicher ist man wohl nirgends aber ein weiterer Rückschlag für arme Länder die auf Tourismus bauen.. Mein Beileid für alle angehörigen dieser Feigen Taten an diesem Freitag.
m.d._b 26.06.2015
3.
Dabei ist Tunesien einer der wenige Staaten die zu keinem failen State wurden. Mein Mitleid den Opfer und der Bevölkerung
HEK 26.06.2015
4. Es ist eine Schande!
Tunesien ist ein liberales Land. Das ist es schon vor Jahrzehnten gewesen, als andere nordafrikanische und arabische Staaten noch im islamischen Mittelalter lebten (wo viele heute noch oder wieder sind). Aber als beliebtes Touristenziel ist gerade Tunesien (wie auch Ägypten und potentiell Marokko) ein interessantes Anschlagsgebiet für islamische Terroristen. Man sollte nämlich einmal reflektieren, warum die das machen: Die moderne Kommunikationsgesellschaft mit allwissendem Internet und sozialen Netzwerken ist eine Gefahr für ihren archaischen und fundamentalistischen Islamismus. Sie brauchen also solche Anschläge (= Angst und Schrecken verbreiten), um solche Regionen abzuschotten. Gleichzeitig werben sie bevorzugt unter Armen und Benachteiligten in diesen Ländern neue Anhänger, die besonders anfällig für Heilsbotschaften sind. Ein Teufelskreis! Das Verderbte daran ist auch, dass man sie kaum bekämpfen oder auch nur überwachen kann, weil sie erst aktiviert werden, wenn es zu spät ist. Und sie sind Einzelpersonen inmitten harmloser Normalbürger. Sonst wäre ich - übrigens gern auch in IS-Hochburgen! - bedingungslos für Napalmeinsätze! Zurück zu Tunesien: 99% sind zwar Moslems, aber absolut harmlos und defensiv - so wie bei uns die Christen. Der Tourismus ist ihre Lebensader, ohne ihn droht Armut. Das genau will Al Kaida und der IS. Schade! Das Land ist toll! Kultur, Klima sowieso (an den Küsten), das Essen, die unislamisch liberale Einstellung ohne Verschleierung, Vielweiberei etc., die Traumstrände, die Touristen gegenüber neugierig-offene Art. Tunesien hat besseres verdient!
pauschaltourist 27.06.2015
5.
Die im Internet zu findenden Bilder der gejagten und am Strand erschossen Touristen sind erschreckend. Die Tunesische Regierung steckt spätestens jetzt in einer Zwickmühle: Versucht sie nun die Islamisten mit aller erforderlichen Konsequenz zu bekämpfen, intensivieren sich wohl Anschläge gegen diesen existentiellen Wirtschaftszweig, stürzt deren Angestellte in Armut und erzeugt somit den Nährboden für potenzierten islamistischen Extremismus. Gerade für Tunesien ein bedauerlicher Teufelskreis.
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