Atlantiküberquerung Franzose trieb 122 Tage in einer Tonne

Drei Monate hatte Jean-Jacques Savin für die Atlantiküberquerung eingeplant. Nur die Meeresströmung und der Wind sollten den 72-Jährigen in seiner Holztonne voranbringen. Doch Stürme trieben ihn ab.

AFP

Ein 72-jähriger Franzose hat den Atlantik in einer Art Tonne durchquert - angetrieben nur durch Strömung und Wind. "Die Überfahrt war ein Erfolg", teilte Jean-Jacques Savin am Wochenende per E-Mail mit.

Für sein Abenteuer brauchte der frühere Fallschirmjäger nach eigenen Angaben 122 Tage und neun Stunden. "Die Überfahrt ist beendet - danke an alle", schrieb er an seine Fans. "Ich habe den Längengrad zur Karibik überquert", schrieb Savin weiter. Nun suche er ein Mittel, sich mit seiner Tonne in einen Hafen schleppen zu lassen. "Derzeit treibe ich Richtung Florida." (Hier die Route seiner Reise.) Zuvor hatte er schon geäußert, dass er hoffe, in Küstennähe von einem Frachtschiff an Bord genommen zu werden.

Seine orangefarbene Tonne aus kunstharzbeschichtetem Sperrholz hatte sich Savin in einer französischen Werft in Arès eigens für die Überfahrt anfertigen lassen. Sie ist knapp drei Meter lang und 2,10 Meter breit und häuslich eingerichtet: Es gibt ein Bett, eine kleine Küche und einen Schreibtisch. Am meisten genoss Savin auf seinen sechs Quadratmetern die "wunderbaren" Sonnenauf- und -untergänge über dem Meer, wie er von unterwegs schrieb.

Savin war am 26. Dezember von der spanischen Kanareninsel El Hierro in Richtung Karibik in See gestochen. Auf sein Abenteuer hatte er sich monatelang vorbereitet. Ursprünglich sollte die Überquerung drei Monate dauern, doch die Passatwinde machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Zwischendurch war er Stürmen ausgesetzt und kollidierte beinahe mit einem Frachtschiff. Neben Weihnachten feierte am 14. Januar auch seinen 72. Geburtstag allein auf dem Meer.

Er sei immer noch glücklich und bade jeden Tag, sagte Savin in der vergangenen Woche in einem per Satellitentelefon geführten Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Zu der Zeit war er rund 450 Kilometer entfernt von der Karibikinsel Saint-Barthélemy. Weil ihm die Pfeile für seine Harpune ausgegangen seien, könne er keine Fische mehr fangen. Es blieben ihm noch einige Dosen Thunfisch. Wenige Tage zuvor habe er begonnen, sein Essen zu rationieren.

Der Hobby-Triathlet Savin war nach eigenen Angaben früher Fallschirmjäger und Pilot und stammt aus der französischen Küstenstadt Arès in der Nähe von Bordeaux. Sein Vorbild ist der Segler Alain Bombard. Er überquerte 1952 mit einem Schlauchboot und ohne Proviant den Atlantik und ernährte sich unterwegs von Fischen und anderen Meerestieren.

abl/AFP/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
erespondek 29.04.2019
1. Also wenn das die Menschheit nicht vorran bringt
und sich seitenlang darüber berichten lässt...Falls genug Platz und redaktionelle Power übrig ist vom Berichten über C Promi Hochzeiten und Fernsehserien Besetzungsskandale
sponuser936 29.04.2019
2. Was bringt das?
Auf der Webseite schreibt er: "Was passiert ohne den Eingriff des Menschen bei der Überquerung?" Sprich ohne Segel etc. Ja, dann wird die Tonne halt irgendwann von Wind und Strömung wieder ans Festland getrieben. Toll. Mensch wer hätte das nur für möglich gehalten. Also: Was bringt diese Übung?
Hamberliner 29.04.2019
3. Re: Also wenn das die Menschheit nicht vorran bringt
Zitat von erespondekund sich seitenlang darüber berichten lässt...Falls genug Platz und redaktionelle Power übrig ist vom Berichten über C Promi Hochzeiten und Fernsehserien Besetzungsskandale
Jaja. Wenn ich unfähig bin etwas zu verstehen, mache ich mich drüber lustig. Andere als Du haben verstanden, dass wir hier im Kontext mit der Klimadiskussion den extremsten Sonderfall dessen vorgeführt bekommen, was Seeverkehrs-Fachleute "Routenoptimierung" nennen: Man schmeißt eine Fracht einfach ins Wasser um sie emissionsfrei und autonom transkontinental zu transportieren. Das Extrem ist natürlich nur von akademischem Wert, zum Nachdenken. In abgeschwächter, realistischerer Form hat die Routenoptimierung von Schiffen zwecks Kraftstoffersparnis mit Hilfe ausgefeiler Machine-Learning-Algorithmen noch eine erhebliche Entwicklung vor sich, die gerade erst anfängt.
chewbakka 30.04.2019
4.
Zitat von HamberlinerJaja. Wenn ich unfähig bin etwas zu verstehen, mache ich mich drüber lustig. Andere als Du haben verstanden, dass wir hier im Kontext mit der Klimadiskussion den extremsten Sonderfall dessen vorgeführt bekommen, was Seeverkehrs-Fachleute "Routenoptimierung" nennen: Man schmeißt eine Fracht einfach ins Wasser um sie emissionsfrei und autonom transkontinental zu transportieren. Das Extrem ist natürlich nur von akademischem Wert, zum Nachdenken. In abgeschwächter, realistischerer Form hat die Routenoptimierung von Schiffen zwecks Kraftstoffersparnis mit Hilfe ausgefeiler Machine-Learning-Algorithmen noch eine erhebliche Entwicklung vor sich, die gerade erst anfängt.
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