Überführung der "Disney Dream" Zentimeterarbeit auf der Ems

Noch nie hat ein solcher Riese die Ems passiert: Das gigantische Kreuzfahrtschiff "Disney Dream" soll in die Nordsee gebracht werden. Ein schwieriges Manöver - nur ein paar Zentimeter liegen zwischen Schiffskiel und Flussboden, zudem soll es stürmisch werden.

dapd

Papenburg/Emden - Acht Meter Tiefgang hat das Rekordschiff der Meyer Werft aus dem niedersächsischen Papenburg, die "Disney Dream". 8,50 Meter ist die Wasserhöhe der Ems, wenn der Gigant mit 340 Metern Länge die Dockschleuse an der Werft verlässt und langsam in den Fluss geschleppt wird. Auf der 32 Kilometer langen Reise ist zwischen dem Kiel des Schiffes und dem Grund des Flusses nur 40 bis maximal 50 Zentimeter Platz. "Das ist völlig ausreichend", sagt Günther Rohe, stellvertretender Leiter des Wasser- und Schifffahrtamtes (WSA) Emden. In der Nacht zum Samstag soll die Überführung beginnen.

Das größte je in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff fährt nicht selbst, sondern wird geschleppt, und zwar sehr langsam. Das Tempo und alle anderen Details der Überführung sind etwa zwei Wochen zuvor geübt worden, in einem Simulator, der im niederländischen Wageningen steht. Immer und immer wieder spielt das Brückenteam die Überführung durch. "Im Simulator sehen Sie dasselbe, was Sie auf der Brücke sehen - jedes Haus, jeden Baum", erzählt Norbert Radke von der Lotsenbrüderschaft Emden. Die Lotsenbrüder fahren seit gut dreißig Jahren die Schiffe der Meyer Werft von Papenburg in die Nordsee.

Aus den Ergebnissen der Simulation ergibt sich die Wasserhöhe des Flusses. "Das Maß ist so, dass das Schiff noch so gerade eben sicher zu manövrieren ist. Mehr braucht man nicht", sagt Rohe. Danach bestimmt sich, wie stark der Fluss letztlich ausgebaggert und wie hoch er aufgestaut werden muss. Denn kurz vor Emden steht seit einigen Jahren das Emssperrwerk bei Gandersum. Es dient nicht nur dem Hochwasserschutz, sondern auch dazu, den Wasserstand der Ems für die Schifffahrt zu regulieren.

Geologen erwarten stürmisches Wetter

Die Nautiker der Werft, des WSA und der Sperrwerkbetreiber, der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), warten stets auf die perfekte Welle. Denn die insgesamt 4000 Tonnen wiegenden sieben Tore des 476 Meter langen Bauwerks werden genau dann geschlossen, wenn die Gezeitenflut ihren höchsten Stand hat. "Wir fangen die Welle ein", sagt NLWKN-Sprecher Achim Stolz.

Der so erzielte Wasserstand reicht aber selten aus, um die gewünschte Tiefe zu bekommen. In der Regel muss nachgepumpt werden. Wie viel, das berechnen Hydrologen und berücksichtigen das nachströmende Wasser aus der Ems. Weil die Meteorologen dieses Mal einen Sturm erwarten, reicht es, erst zwei Stunden vor der Abfahrt in Papenburg die Schleuse zu schließen. Mit Verzögerungen wegen schlechten Wetters rechnet die Werft in Papenburg nicht, doch solche Entscheidungen können auch kurzfristig getroffen werden. Die Windstärke dürfe nicht über fünf liegen, sagte ein Sprecher der Werft dem NDR.

Während der Schiffsüberführung ist die Unterems für den restlichen Schiffsverkehr gesperrt. Und nicht nur Schiffe müssen warten. Beim Örtchen Weener muss eine Eisenbahnbrücke hochgeklappt und ein Ersatzverkehr mit Bussen organisiert werden, sagt Werftsprecher Günther Kolbe.

Proteste von Umweltschützern

Wegen der massiven Eingriffe in das natürliche Flussbett der Ems sind die Schiffsüberführungen umstritten. Das Aufstauen des Flusses auf eine Tiefe von 8,50 Meter ist aus ökologischen Gründen nur vom 16. September bis zum 14. März erlaubt. Die Landkreise und die Werft wollen aus Wettbewerbsgründen eine flexiblere Regelung, was auf erbitterten Widerstand von Umweltschützern stößt.

Auch an den Baggerarbeiten der Schifffahrtsverwaltung stören sich Kritiker. Rohe weist die Kritik aber zurück. Die Kosten dafür will er nicht nennen. "Wir müssten auch ohne die Kreuzfahrtschiffe baggern, wenn auch nicht unbedingt in dem Maße wie jetzt." Von Ende Juli bis Anfang November holten die Baggerschiffe 700.000 Kubikmeter Schlick aus dem Fluss. Die Unterems sei eine Seeschifffahrtsstraße, und für die Schiffsüberführungen gebe es einen rechtlichen Rahmen, betont er.

Trotzdem hat die Bürgerinitiative "Rettet die Ems" angekündigt, im Rahmen der Überführung gegen den Bau von derart großen Schiffen im Binnenland zu protestieren. "Wir treffen uns an der Jann-Berghaus-Brücke, um auf die zunehmende Schieflage in der Region aufmerksam zu machen", sagte der Sprecher der Bürgerinitiative, Hajo Rutenberg, in Leer. Infolge der Ausbaggerungen sei der Fluss aus dem Gleichgewicht geraten. Zudem sei durch den zu erwartenden Menschenauflauf entlang des Flusses die Gefahr groß, dass es an den Deichen zu beträchtlichen Schäden komme, sagte Rutenberg.

Elmar Stephan, dpa/ddp

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brux 12.11.2010
1. Gutmenschentum
"Wir treffen uns an der Jann-Berghaus-Brücke, um auf die zunehmende Schieflage in der Region aufmerksam zu machen", sagte der Sprecher der Bürgerinitiative, Hajo Rutenberg, in Leer. Infolge der Ausbaggerungen sei der Fluss aus dem Gleichgewicht geraten. Zudem sei durch den zu erwartenden Menschenauflauf entlang des Flusses die Gefahr groß, dass es an den Deichen zu beträchtlichen Schäden komme, sagte Rutenberg." Auch selbsternannte Gutmenschen haben wohl die Pflicht, ihre Thesen zu belegen und die Konsequenzen ihres Handelns einzuschätzen. Ohne die Werft sähe es im Emsland wirklich trübe aus. Aber was juckt das schon die hauptamtlichen Bedenkenträger (die man wohl in der Regel im Bereich Frührentner/Lehrer/Transferempfänger vermuten darf).
blob123y 12.11.2010
2. An was stoeren sich die soganannten
Umweltschuetzer nicht ? da sich die prinzipiell an allen stoeren, damit befriedigen sich die selbst und ein paar Sponsoren, denn alles muss irgendwie bezahlt werden wuerde ich vorschlagen diesen "Schuetzerstoerfaktor" ungehend zu ignorieren und zu vergessen.
Achim 12.11.2010
3. Vielleicht
Zitat von blob123yUmweltschuetzer nicht ? da sich die prinzipiell an allen stoeren, damit befriedigen sich die selbst und ein paar Sponsoren, denn alles muss irgendwie bezahlt werden wuerde ich vorschlagen diesen "Schuetzerstoerfaktor" ungehend zu ignorieren und zu vergessen.
Vielleicht daran, dass die Werft nicht an der Küste steht, sondern im Binnenland. Kann eigentlich jeder, der einen Bach vor der Haustür hat, nach dem Staat rufen, weil er ihn auf Rhein- oder Elbformat aufgestaut haben möchte?
gondo 12.11.2010
4. Und schon wieder ein Protest
Zitat: "Trotzdem hat die Bürgerinitiative 'Rettet die Ems' angekündigt, im Rahmen der Überführung gegen den Bau von derart großen Schiffen im Binnenland zu protestieren." Es ist ja schön und gut und auch ein wertvolles Grundrecht, dass man in Deutschland das Recht hat gegen alles zu demonstrieren, aber es sollte auch mit Verstand und Verantwortungsbewusstsein geschehen. Wenn gegen jedes auch nur erdenkliche Projekt demonstriert wird und eine Bürgerinitiative gebildet wird, muss man sich nicht wundern, dass die Industrie, die uns den Wohlstand sichert, ins Ausland abwandert. Was man bei solchen Leuten häufig vermisst, ist die Fähigkeit Zusammenhänge zu erkennen. Häufig sind es die gleichen Leute, die gegen Atomkraft demonstrieren und gleichzeitig auch gegen Strompreiserhöhungen protestieren, ohne zu erkennen, dass für Ökostrom zunächst mal die ganzen Wind- und Solaranlagen erst aufgebaut werden müssen und somit Investitionen nötig sind. Häufig sind es auch die gleichen Leute, die gegen die CO2-Verschmutzung protestieren, aber ebenso auch billige Spritpreise wollen und auf gar keinen Fall sich ein Elektro- oder Hybridfahrzeug zulegen wollen, weil das rechnet sich ja jetzt noch nicht. Vermutlich würden auch die gleichen Leute, die gegen die Ausbaggerung der Ems demonstrieren, bei Abwanderung der Werft ins Ausland dann auch gegen den Abbau der Arbeitsplätze in der Region demonstrieren. Deutschland hat halt Lust am Demonstrieren und Protestieren, egal worum es geht. Es muss nur jemand versichern, dass durch den Protest ein Baum, eine Nachtschnecke oder zwei Grashalme gerettet werden können. Alles andere ist dann egal. Hier ist auch wieder so ein krudes Beispiel, wo jemand tausende zum Protest für eine vermeintlich gute Sache bewegen konnte: http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,728471,00.html Es passiert in Deutschland immer öfter, dass erst protestiert und dann gedacht wird. Manchmal kann es dabei dann, siehe Link, schon etwas peinlich werden.
Svante07 13.11.2010
5. ..
Zitat von brux"Wir treffen uns an der Jann-Berghaus-Brücke, um auf die zunehmende Schieflage in der Region aufmerksam zu machen", sagte der Sprecher der Bürgerinitiative, Hajo Rutenberg, in Leer. Infolge der Ausbaggerungen sei der Fluss aus dem Gleichgewicht geraten. Zudem sei durch den zu erwartenden Menschenauflauf entlang des Flusses die Gefahr groß, dass es an den Deichen zu beträchtlichen Schäden komme, sagte Rutenberg." Auch selbsternannte Gutmenschen haben wohl die Pflicht, ihre Thesen zu belegen und die Konsequenzen ihres Handelns einzuschätzen. Ohne die Werft sähe es im Emsland wirklich trübe aus. Aber was juckt das schon die hauptamtlichen Bedenkenträger (die man wohl in der Regel im Bereich Frührentner/Lehrer/Transferempfänger vermuten darf).
Ob mit oder ohne Werft, im Emsland sieht es immer trübe aus! Airbus hätte auch nach Helgoland gehen können, da sieht es mit Arbeitsplätzen auch ganz übel aus. Was sind wir doch glücklich, dass Mutter Staat uns den Arsch abwischt.
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