Umwelt Portugal schrumpft!

Die Erosion der portugisischen Küste hat beunruhigende Ausmaße erreicht. Sandstrände von bis zu 40 Metern Breite wurden vom Atlantik verschlungen. Experten machen unter anderem die Klimaveränderung dafür verantwortlich.


Praia da Rocha an der Algarve, Schäden entlang der gesamten Küste
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Praia da Rocha an der Algarve, Schäden entlang der gesamten Küste

Lissabon - Von dem mehr als hundert Meter breiten Sandstrand ist nur noch ein schmaler Streifen übrig geblieben. Den größten Teil des Badestrandes "Praia do Paraiso" an Portugals Costa da Caparica südlich von Lissabon hat das Meer verschlungen. "Wo soll ich nur meine Sonnenschirme und die Strandliegen aufstellen?", fragt sich die Wirtin einer Strandbar ratlos. Die Strände der Costa da Caparica vor den Toren der Hauptstadt sind längst nicht die einzigen, die in den vergangenen Monaten vom Meer abgetragen wurden.

Entlang der gesamten über 1000 Kilometer langen Küste Portugals fordern die Wellen des Atlantiks ihren Tribut. Zahllose Sandstrände sind kleiner geworden oder fast ganz verschwunden. An einzelnen Stellen trotzte der Ozean sogar der Steilküste ein paar Meter Land ab.

Dabei ist die Erosion der Küste kein neues Phänomen. In jedem Winter tragen Regen, Sturm und Seegang dazu bei, dass das Meer Strände abträgt. Der Sand lagert sich im Wasser auf tiefer gelegenen Sandbänken ab. Im Frühling wird er, wenn die Witterung sich beruhigt hat, wieder ans Land gespült, so dass die Strände zur Badesaison normalerweise in alter Pracht wiederhergestellt sind.

Aber dieses Jahr war in Portugal kein normales Jahr. "Wir können uns an einen so lang anhaltenden Winter nicht erinnern", sagt Veloso Gomes vom Hydrographischen Institut in Porto. Bis weit ins Frühjahr hatte es in Portugal geregnet, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Ganze Landstriche waren überschwemmt. Im März war gar eine unterspülte Straßenbrücke in den Fluss Douro gestürzt und hatte einen Reisebus und drei Pkw mit 60 Menschen in die Tiefe gerissen. Auf den ungewöhnlich langen Winter folgte nun - fast übergangslos ohne einen Frühling - der Hochsommer, so dass für das normale Wiederanspülen des Sandes kaum Zeit bleibt.

Die Schäden sind entlang der gesamten Küste zu sehen und in einzelnen Fällen wohl auch nicht mehr reparabel. Am schlimmsten sind die sandigen Küsten im Norden und Zentrum des Landes betroffen. In der Gegend von Aveiro rückte das Meer zehn bis 40 Meter weit vor. Der Strand "Praia Velha" bei Ovar verschwand ganz. Die Behörden machen nicht nur den langen Winter für die Schäden verantwortlich, sondern auch Baufirmen, die Meeressand abtragen. "Einzelne Unternehmer machen große Gewinne damit, dass sie Sand aus dem Meer holen. Und die Regierung muss dann Steuergelder dafür ausgeben, dass die Küstenlinie wieder hergerichtet wird", sagt der Chef der staatlichen Wasser-Instituts.

Auch in einzelnen Urlauber-Hochburgen der Algarve in Südportugal erlitten Strände Schaden. Im vielbesuchten Badeort Albufeira hatten die Behörden am Strand "Praia do Pneco" zum Schutz der Steilküste Zement in die Felsen eingelassen. Nun trug das Meer den Sand vor den Felsen ab. Der Sand soll jetzt wieder aufgeschüttet werden, damit die Badenden überhaupt ihre Handtücher ausbreiten können.

Das Verschlingen von Stränden durch das Meer ist nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Visao" nur ein Anfang. Die Experten erwarteten, dass der Wasserspiegel des Atlantik infolge der Klimaerwärmung in den kommenden 100 Jahren um bis zu einen Meter ansteige, schreibt das Blatt. Dann gingen noch mehr Strände verloren, und die Küstenstadt Aveiro läge auf einer Insel.

Hubert Kahl, dpa



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