Unfall im Urlaub BGH stärkt Rechte von Pauschalreisenden

Verletzen sich Urlauber in der Hotelanlage, müssen sie sich im Streit mit dem Reiseveranstalter nicht selbst mit ausländischen Bauvorschriften auseinandersetzen. Darum haben sich die Gerichte im Prozess zu kümmern.

Verletzung im Urlaub (Symbolbild)
Alexander Bernhard/ CHROMORANGE/ picture alliance

Verletzung im Urlaub (Symbolbild)


Ein Moment der Unachtsamkeit, ein falscher Tritt - und schon ist es passiert: Eine Verletzung auf Reisen kann den ganzen Urlaub ruinieren. Glück im Unglück, wenn es vom Veranstalter immerhin Geld zurück gibt. Aber wann muss er zahlen, wann nicht? Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am Dienstag die Rechte von Pauschaltouristen, die sich in ihrer Hotelanlage verletzen, gestärkt. Im Streit mit dem Reiseveranstalter um finanziellen Ausgleich müssen sie sich nicht selbst mit den ausländischen Bauvorschriften auseinandersetzen. Darum haben sich die Gerichte im Prozess zu kümmern, entschieden die obersten Zivilrichter in Karlsruhe.

Das Urteil hilft einem Mann, der fast 7000 Euro von TUI fordert. Der Sohn seiner Lebensgefährtin war im Hotelzimmer auf Gran Canaria gegen die geschlossene Balkontür gelaufen. Der Siebenjährige schnitt sich an den Scherben die Haut auf und durfte fünf Tage nicht ins Wasser. Der Kläger hatte behauptet, dass die Tür nicht den spanischen Bauvorschriften entspricht. Welche Vorschrift konkret missachtet worden sein soll, hat er offen gelassen.

Scheibe mit zwei Warnaufklebern

Das Oberlandesgericht Celle, das die Klage abgewiesen hatte, muss den Fall nun noch einmal verhandeln. Die Richter dort waren der Ansicht gewesen, dass die Scheibe mit zwei Warnaufklebern ausreichend markiert gewesen war. Das entbindet sie laut BGH aber nicht von der Pflicht, die Einhaltung der spanischen Bauvorschriften zu prüfen.

Hätte die Tür eigentlich aus bruchsicherem Glas sein müssen, würden zwei kleine Aufkleber das Problem nicht aus der Welt schaffen, sagte der Vorsitzende Richter Klaus Bacher. Dann müsste der Hinweis für den Hotelgast, dass hier eine Gefahr besteht, deutlich größer sein.

Der Anwalt von TUI hingegen nannte es ausreichend, auf die Gefahr deutlich genug hinzuweisen. Völlige Sicherheit könne es nicht geben. Außerdem sei es dem Kläger zuzumuten, sich bei einem spanischen Anwalt oder der Baubehörde schlau zu machen, bevor er durch drei Instanzen gehe.

Reiseveranstalter müssen Vorkehrungen treffen, um ihre Kunden vor Schaden zu bewahren. Verletzen sie ihre Verkehrssicherungspflicht, kann das einen Reisemangel begründen. Pauschaltouristen können dann den Reisepreis zumindest teilweise zurückfordern. Möglicherweise haben sie auch Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld.

ele/dpa



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