Unfall im Urlaub Gericht verhandelt über tödlichen Stromstoß auf Segelschiff

Erneut steht ein Reiseveranstalter wegen eines tödlichen Unfalls vor Gericht. Die Eltern eines 14-jährigen Jungen, der auf einem Urlaubsschiff vor Bali an einem Stromschlag gestorben ist, wollen einen Düsseldorfer Veranstalter zur Verantwortung ziehen.


Düsseldorf – Mit einer Zeugenvernehmung begann heute in Düsseldorf der Zivilprozess im Fall eines im Urlaub tödlich verunglückten Jugendlichen. Der 14-Jährige war in Indonesien durch einen Stromschlag getötet worden, als er auf das Sonnendeck eines Ausflugsschiffes klettern wollte. Die Takelage des Schiffes soll unter Strom gestanden haben. Das Landgericht Düsseldorf hat jetzt über die Frage des Schadensersatzes zu entscheiden. Die Eltern des Jungen fordern von dem namhaften Düsseldorfer Reiseveranstalter außerdem Schmerzensgeld.

Der Unfall passierte im Juli 2000 auf einem Segelschiff vor der Küste Balis. Seit drei Jahren läuft bereits das Zivilverfahren um Schadenersatz. Ein Vergleich war 2004 gescheitert. Bislang zahlte der Reiseveranstalter lediglich 15.000 D-Mark (rund 7500 Euro), aber ohne eine rechtlich wirksame Verantwortung zu übernehmen. Die aus dem rheinischen Frechen stammenden Eltern werfen dem Veranstalter vor, das Segelschiff "Sea-Safary V" für die einwöchige Tour nicht ausreichend auf Sicherheitsmängel überprüft zu haben.

Von sechs geladenen Zeugen waren drei nicht vor Gericht erschienen: der indonesische Kapitän, der Elektriker der Reederei und eine Reiseleiterin des Düsseldorfer Veranstalters. Zwei Mitarbeiter des Reiseunternehmens sagten aus, sie hätten das Boot vor dem Unfall inspiziert. Es sei in einwandfreiem Zustand gewesen sein. "Es war alles sehr aufgeräumt und ordentlich. Es lagen auch keine sichtbaren Gefahrenquellen wie offene Kabel oder nicht ordentlich montierte Steckdosen herum", erklärte einer der Zeugen. Eine technische Überprüfung des Schiffes habe aber nicht stattgefunden.

Erst vor drei Wochen hatte sich der Bundesgerichtshof dafür ausgesprochen, Reiseveranstalter bei Urlaubsunfällen stärker in die Pflicht zu nehmen. Laut einem Urteil vom 18. Juli müssen Reiseveranstalter alle Ferienanlagen und Transportmittel grundsätzlich auf ihre Sicherheit überprüfen - gleich ob diese im Reiseprospekt stehen oder deren Benutzung extra kostet. Für alle Anlagen und Einrichtungen gelte dabei als Maßstab aber nur der Sicherheitsstandard des Urlaubslandes, so ein Düsseldorfer Gerichtssprecher. Der Prozess soll am 8. September fortgesetzt werden.

abl/AP



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