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15. Januar 2008, 16:48 Uhr

Ungewöhnliche Hochzeitsorte

Wo das Jawort zum Event wird

Romantisch, abenteuerlich oder exotisch: Hochzeiten mit Event-Charakter sind beliebter denn je. Standesbeamte und Kapitäne trauen Paare im Leuchtturm, Gewölbekeller oder im Affengehege des örtlichen Zoos.

Als noch junger Kaiser begegnete Friedrich Barbarossa vor mehr als 800 Jahren der schönen Gela im Buttenturm von Gelnhausen. Der Sage nach verliebten sich beide dort und wurden unzertrennlich. Einige Hochzeitspaare folgen noch heute diesem guten Omen und lassen sich in dem mittelalterlichen Turm in der Stadt in Hessen trauen. Sie sind nicht die einzigen, die für den "schönsten Tag im Leben" einen ganz außergewöhnlichen Ort auswählen.

"Die Location ist das A und O", sagt die Hochzeitsplanerin Steffi Gröbner aus Berlin. Und egal ob zu Lande, zu Wasser, hoch über dem Meeresspiegel oder sogar darunter: In Deutschland gibt es viele solch ausgefallene Hochzeitsorte wie den Buttenturm in Gelnhausen, wo der Standesbeamte je nach Wochentag für rund 400 Euro zur Trauung kommt.

"Der Trend geht zur standesamtlichen Trauung und weg von der Kirche", sagt die Hochzeitsplanerin Melanie Schmitz aus Hamburg. Weil aber die verstaubten Flure und Zimmer des Standesamtes nicht immer die gewünschte Romantik ausstrahlen, suchen Paare zunehmend besondere Orte, um sich das Jawort zu geben. In Hamburg ist zum Beispiel die Trauung auf Elbschiffen beliebt. Für eine 100-köpfige Gesellschaft kostet die Schiffsmiete 275 Euro pro Stunde. Auch auf Rhein und Neckar bieten viele Reedereien Trauungen und Hochzeitsfeiern an.

Typisch norddeutsch sind Leuchtturm-Hochzeiten. Kapitän Wilfried Eberhardt organisiert sie auf Pellworm, einer Insel südlich von Sylt und Amrum. Mehr als 40 Meter ragt der rot-weiß geringelte Turm in die Höhe. Sein Lichtsignal soll Paare sicher in den Hafen der Ehe leiten, verspricht Eberhardt. Die Trauung mit Sektempfang kostet 475 Euro. In Kassel ist dagegen eine historische Oldtimer-Bahn eine Alternative zum Standesamt. Die stilvoll mit Holz verkleidete Bahn kostet je nach Tageszeit rund 200 Euro Miete pro Stunde - inklusive Stadtrundfahrt.

Eheversprechen 200 Meter über der Erde

Rund 1500 Fische sind "Trauzeugen", wenn sich Paare im gläsernen Aufzug des Berliner "Aquadoms" trauen lassen: Inmitten eines 25 Meter hohen Aquariums fährt der Aufzug gemächlich auf und ab - wobei die Höhen und Tiefen der Ehe damit nicht symbolisiert werden sollen, versichert das Standesamt Berlin. Der Standesbeamte kommt für 55 Euro Gebühr mit in den Aufzug, zudem müssen die Eintrittskosten für das Aquarium von etwa 15 Euro pro Person bezahlt werden. Im "höchsten Trauzimmer Europas" sind Paare dem Himmel nicht nur sprichwörtlich ein Stück näher: Auch im Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz sind mehr als 200 Meter über der Erde standesamtliche Trauungen möglich.

Wer das nicht zu "affig" findet, kann auch im Zoo heiraten. Viele Zoos in ganz Deutschland bieten standesamtliche Hochzeitszeremonien in ihren Affen- oder Elefantenhäusern an. Oft ist es auch möglich, im Zoo anschließend zu feiern. Tipps geben die Standesämter am Ort - sie wissen am besten, welche "Außenhochzeiten" bei ihnen möglich sind.

Burgen und Schlösser beliebt

Aber auch kirchliche Trauungen finden zunehmend fernab der eigenen Gemeinde statt. Viele Schlösser und Burgen bieten beides: eine romantische Kapelle und einen Festsaal für die Hochzeitsfeier danach. "Heiraten in Schlössern und Burgen ist im Moment absolut im Trend", sagt die Hochzeitsplanerin Christine Nett aus Bornheim bei Bonn. Sie rät Paaren dazu, sich mindestens zehn Monate im Voraus um einen passenden Ort für ihre Feier zu kümmern. Und egal ob Barock oder Jugendstil, restaurierte Festsäle oder rustikale Gewölbekeller: Von der Elbe über den Rhein bis zum Neckar gibt es genügend deutsche Schlösser und Burgen, in denen Hochzeiten gefeiert werden können.

"Die Kosten im Vergleich zu einer Hochzeit im Hotel oder Restaurant bleiben eigentlich gleich", sagt Nett. Ein historischer Saal im neugotischen Schloss Marienburg nahe Hannover kostet beispielsweise ab 800 Euro aufwärts. Zu groß darf die Gesellschaft aber meist nicht sein: "Ab 100 Personen wird es schon schwierig, denn die historischen Räume sind oft klein."

Manchmal ist es möglich, auf Ställe oder Scheunen auszuweichen: Auf dem Rittergut Brüggen nahe des Siebengebirges zum Beispiel werden Hochzeiten in der Scheune gefeiert. "Mit Lichtinstallationen und Dekorationen kann man den Raum sehr schön herrichten", sagt Gutsherr Oliver von Cramm. Bis zu 140 Personen können in der Scheune feiern, nachdem das Brautpaar in der Gutskirche geheiratet hat. "Egal ob katholisch, evangelisch, muslimisch oder ob es gleichgeschlechtliche Paare sind, bei uns können alle heiraten", so von Cramm. Die Kapelle kostet knapp 300 Euro Miete, die Scheune rund 350 Euro. 2008 gibt es aber nur noch Wochenendtermine im April und ab Mitte September.

Auch in alten Klöstern kann der Bund der Ehe geschlossen werden. Im Kloster Eberbach im Rheingau ist zwar die Kirche nicht mehr geweiht, dafür gibt es dort aber eine Außenstelle des Standesamtes. "Es gibt auch Pfarrer, die Paare in einer nicht geweihten Kirche trauen", sagt Michael Palmen von der Klosterverwaltung. Gegessen und gefeiert wird anschließend im Mönchsrefektorium, dem alten Speisesaal des Klosters. 950 Euro Saalmiete kostet das historische Gemäuer, um die Bewirtung muss sich das Brautpaar selbst kümmern.

Das ist in vielen Burgen und Schlössern, die keine Gastronomie haben, der Fall. Hochzeitsplanerin Steffi Gröbner gibt ein paar Tipps, worauf Brautpaare achten sollten: "Natürlich ist es wichtig, dass die sanitären Anlagen funktionieren", sagt sie. Unverzichtbar seien ausreichend Stromanschlüsse. Schön sei es, wenn "so etwas wie eine Küche vorhanden ist". Zwar kann ein Catering-Unternehmen auch Küchengeräte mitbringen, dann wird es aber teurer. Möbel, Dekoration, Geschirr und Gläser könne man auch anmieten, sagt Gröbner.

Übrigens sind selbst organisierte und "zusammen gewürfelte" Hochzeiten oft nicht billiger als Komplettpakete von Hotels. "Wenn eine Hochzeitsfeier im Hotel etwa 100 Euro pro Person kostet und ein Caterer will 25 Euro pro Person für das Essen, dann hört sich das zuerst einmal viel billiger an", sagt Hochzeitsplanerin Melanie Schmitz. Zu den Essenspreisen kommen aber die Kosten für Personal, Möbel, Dekoration, Saalmiete und einiges mehr noch hinzu. "Am Ende kommt oft das Gleiche dabei heraus", lautet Schmitz' Erfahrung.

Vivien Leue, gms

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