Unglück auf Highspeed-Bahnstrecke China verhängt Tempolimit und Baustopp

Die chinesische Regierung hat Konsequenzen aus dem schweren Bahnunglück in Wenzhou gezogen. Die Highspeed-Züge dürfen nur noch 200 km/h schnell sein, bis auf weiteres ist auch der Bau neuer Bahnstrecken ausgesetzt. Das bedeutet das vorläufige Ende des ehrgeizigen Streckenausbaus.

Hochgeschwindigkeitszug Harmony: Künftig nur noch mit 200 km/h unterwegs
AP

Hochgeschwindigkeitszug Harmony: Künftig nur noch mit 200 km/h unterwegs


Peking - Knapp drei Wochen nach dem schweren Unfall auf einer Schnellzugstrecke in China mit 40 Todesopfern hat die Regierung in Peking weitreichende Konsequenzen angekündigt. Zusätzlich zu einem strengeren Tempolimit für Schnellzüge ordnete sie am Donnerstag einen Baustopp für alle Bahnstrecken bis zum Abschluss einer Sicherheitsüberprüfung an. Dies hat Folgen für den Ausbau und den Fahrplan des prestigeträchtigen Schnellzugnetzes.

"Wir werden bis auf weiteres die Untersuchung und die Genehmigung neuer Bahn-Bauprojekte aussetzen", teilte das Kabinett am späten Mittwochabend nach einer Sitzung unter dem Vorsitz von Ministerpräsident Wen Jiabao mit. Auch bereits genehmigte Vorhaben würden noch einmal genau überprüft.

Bereits am Mittwoch hatten Staatsmedien berichtet, die Regierung habe entschieden, dass die Schnellzüge des Landes künftig ihr Tempo drosseln müssten. Das Bahnministerium führte am Donnerstag aus, dass die Züge künftig statt 250 km/h nur noch 200 km/h schnell fahren dürften.

Ungewöhnlich scharfe Kritik in den Medien

Mit den verschärften Sicherheitsbestimmungen reagiert die chinesische Regierung auf den schweren Unfall vom 23. Juli. Durch den Zusammenprall von zwei Schnellzügen in der ostchinesischen Region Wenzhou waren 40 Menschen getötet und 191 weitere verletzt worden. Es handelte sich um das schwerste Unglück in der Geschichte des Hochgeschwindigkeitsnetzes der Volksrepublik.

In der Folge waren Mutmaßungen laut geworden, angesichts des schnellen Aufbaus des Netzes seien Abstriche bei der Sicherheit gemacht worden. Auch staatliche Medien übten ungewöhnlich scharfe Kritik.

"Wir fühlen tiefe Schuld und Bedauern wegen des tragischen Verlustes von Leben und Besitz bei dem Unfall", erklärte Bahnminister Sheng Guangzu nun. Offenbar um auf Forderungen nach einer transparenten Aufklärung des Vorfalls einzugehen, teilte die Regierung mit, dass sich zusätzliche Behördenvertreter und Fachleute an der Untersuchung beteiligen. Außerdem wurde Vize-Bahnminister Peng Kaiyu von der Untersuchung abgezogen, nachdem in der Öffentlichkeit entsprechende Forderungen laut geworden waren.

Wegen der Herabsetzung des Tempolimits müssen nun die Fahrpläne der Schnellzüge in China geändert werden. Der Bahnhof von Shanghai teilte über den Kurznachrichtendienst Weibo mit, der Fahrkartenverkauf für dort startende Schnellzüge sei wegen der Änderungen vorübergehend ausgesetzt worden.

Folgen auch für die Wirtschaft

Der Rückschlag für Chinas Schnellzugnetz macht auch den gerade aufstrebenden Exporteuren von Schnellzugtechnik der Volksrepublik zu schaffen. Analysten befürchten, dass der Handel wegen Zweifeln an der Sicherheit der chinesischen Technologie Rückschläge erleiden könnte.

China hat das größte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt. Ende 2010 umfasste es mehr als 8300 Kilometer, bis 2012 soll es auf 13.000 Kilometer und bis 2020 auf 16.000 Kilometer anwachsen. Ende 2010 hatte das Bahnministerium verkündet, ein chinesischer Schnellzug habe mit 486 km/h einen neuen Weltrekord aufgestellt. Anfang dieses Jahres wurde allerdings ein Tempolimit von zunächst 300 km/h eingeführt.

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Harmonie-Schnellzug: Per Express von Shanghai nach Peking

abl/AFP



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